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Paris startet Umwelt-Initiative: Bald soll die Seine sauber genug zum Baden sein

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SEINE PARIS
Die Seine, der Stadtfluss von Paris, soll gesäubert werden | Louise Heusinkveld via Getty Images
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  • Bis 2024 soll es möglich sein, in der Seine in Paris zu baden
  • Das verkündete die Bürgermeisterin als Teil ihrer Olympia-Maßnahmen
  • Europaweit wollen viele Städte ihre Flüsse säubern - doch nicht überall gelingt die Umweltmaßnahme gleich gut

Wenn in der Seine jemand ertrinkt, scherzen die Pariser oft mit schwarzem Humor, dass er wohl eigentlich an den giftigen Stoffen im Fluss verendet sei. Andere ziehen Vergleiche zum Lake Springfield aus dem "Simpsons"-Film, dessen tierische Bewohner mutieren, nachdem Homer Simpson ein Silo voller Schweinekot hineinwirft und den giftigen See endgültig zum Kippen bringt.

Wie viele Großstadt-Flüsse ist die Seine also nicht für ihr klares Wasser oder die leuchtend blaue Farbe bekannt. Lange war sie nur als Abwasserkanal der Stadt gedacht, wegen der Seuchengefahr klar abgetrennt vom Stadtleben durch hohe Steinmauern.

Auch heute tut die Stadt wenig für eine gute Wasserqualität, die Bakterien im Fluss können nachgewiesen Gesundheitsprobleme hervorrufen. Deswegen ist Schwimmen in der Seine aktuell verboten - wer es trotzdem tut, muss eine symbolische Strafe von 15 Euro zahlen.

Baden ab spätestens 2024

Doch nun soll sich in Paris einiges ändern: Bis 2024 soll der Fluss so sauber sein, dass man darin problemlos schwimmen kann. Das kündigte kürzlich die Pariser Bürgermeisterin Anne Hildago an, wie verschiedene französische Medien berichten.

In Teilen des Canal Saint Martin, der durch das östliche Paris fließt und in die Seine mündet, soll man sogar schon 2017 baden gehen können, wenn die Säuberungsarbeiten bis dahin nach Plan verlaufen. Ein starker Kursumschwung also - von Strafe zu Ermunterung.

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Credit: Gettystock

Der Hintergrund: die Olympiabewerbung

Die ambitionierte Idee hat die Bürgermeisterin nicht ohne politischen Nutzen aufgebracht. Paris hat sich um die Olympischen Sommerspiele 2024 beworben - und die Seine als Austragungsort für den Schwimm-Triathlon ins Spiel gebracht. Schon früher wurden dort Wettbewerbe ausgetragen, doch der letzte wurde 2013 wegen schlechter Wasserqualität abgesagt.

Neben der Säuberung der Seine will Anne Hildago auch weitere Großprojekte für Olympia angehen: eine Tramlinie entlang des Flusses, einen breiten Fußgängerweg, der die Stadt umringt und Fahrradwege zu den Veranstaltungsplätzen in den Vororten.

Besonders für eine stärkere Fahrradkultur setzt sich Paris schon seit Längerem ein. Die Verkehrssituation ist noch an vielen Stellen gefährlich, vor allem Pariser selbst schreckten lange vor dem Rad zurück.

Anders als die Touristen würden die Pariser würden nach wie vor nicht viel Rad fahren, sagt Alice, eine Studentin aus Frankreichs Hauptstadt. "Radfahren in Paris ist lebensgefährlich", findet sie und lacht.

Bis 2020 will die Stadt aber zur Radmetropole werden und den Prozentsatz der Fahrradfahrer von bisher fünf auf immerhin 15 Prozent zu steigern. Statt 700 soll es dann 1400 Kilometer Radweg geben, ein großer Teil des Investitionsprogramms in Fahrrad-Highways fließen, die die Stadtränder von Paris verbinden.

Seine-Säuberung ist ambitionierteste Maßnahme

Doch die Säuberung der Seine bleibt trotzdem das erstaunlichste der Umweltprojekte, mit denen sich Paris derzeit einen Namen macht. Ob es glückt, ist bisher fraglich.

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Credit: Gettystock

Pläne, Großstadt-Flüsse zu reinigen und sie zum Badeparadies zu machen, tauchen immer wieder auf. So wollte Berlin 2014 einen Arm der Spree für Schwimmer zugänglich machen, indem das Wasser natürlich mit Schilfbeeten gesäubert wird.

In der Theorie klang das prima, doch die Realisierung hinkt. Die Verschmutzung der Spree geht weiter, die Pflanzen kommen nicht hinterher. Ihr langsames Fließtempo lässt den Müll zusätzlich dümpeln - und verschlimmert die Situation.

Auch London konnte noch keine großen Erfolge für ihr Themsen-Bad verkünden. Die zwei Pools sollten beheizt, aber mit gefiltertem Flusswasser gespeist werden. Die Pläne geraten in Verzug und die Kosten schießen in die Höhe. Fast 150.000 Pfund plant die Stadt nun schon für das Langzeit-Projekt ein.

London und Berlin sind bisher Negativbeispiele, Copenhagen oder Zürich positive

In anderen Städten ist die Gewässersäuberung aber bereits geglückt, zum Beispiel in Copenhagen oder Zürich. Auch in München kann man ohne Bedenken in die Isar springen.

Doch all diesen Städten spielen die ökologischen Faktoren in die Hände. Der Züricher See und die Isar speisen sich hauptsächlich durch frisches Bergwasser und Schneeschmelze, wenig Zuflüsse können das Wasser verschmutzen.

Auch in Copenhagen half die Natur mit. Strömungen spülen den Hafen kräftig durch und verhindern, dass sich viel Müll ablagert. Das Wasser ist außerdem ungewöhnlich tief, sodass sich Dreck weiter verteilen kann.

Trotzdem nahm die Stadt über 350 Millionen Euro in die Hand, um Abwasserkanäle umzuleiten und ein Alarmsystem zu installieren. Damit werden die Schwimmer in den ausgewiesenen Bereichen gewarnt, wenn das Wasser doch einmal zu dreckig zum baden ist.

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Swimming Pool mitten im Hafen von Copenhagen; Credit: Gettystock

Flusssäuberung - ein teures Vorhaben

Ein großer Aufwand, vor dem viele Städte zurückschrecken. Auch in Paris wären viele Maßnahmen nötig. Laut den Umweltexperten von "CityLab" müsste die Stadt möglicherweise das Wasser ablassen, um das Flussbett zu reinigen.

Als der Prozess Anfang des Jahres am Canal Saint Martin durchgeführt wurde, kam eine große Vielfalt an Müll zum Vorschein, der für die Seine nur Böses vermuten lässt.

Außerdem müsste die Stadt Lösungen für drei Dinge finden: Kanalisations-Überschwemmungen während Stürmen, illegale Müllentladung von Schiffen und Abwasser von der Landwirtschaft, das flussaufwärts in die Seine abgelassen wird. Alle drei Maßnahmen wären teuer. Letzteres würde sogar Vorschriften über die Stadtgrenzen hinaus erfordern.

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Das "Paris-Plage" in der französischen Hauptstadt; Credit: Gettystock

Die Seine liegt im Trend

Dass Bewohner und Touristen bald legal und ohne Gesundheitsrisiko in der Seine schwimmen können und die Seine wieder eine gesunde Flussflora hat, würde also große Anstrengungen der Politik verlangen. Doch wenn das Vorhaben glückt, würde die Stadt in eine Kerbe schlagen.

Nicht zuletzt das Projekt "Paris-Plage", eines urbanen Strands kombiniert mit einem Swimmingpool am Seine-Ufer, hat die Pariser in den letzten Jahren wieder ihre Liebe zum Stadtfluss entdecken lassen. Abends ist die Seine zum Treffpunkt für junge Leute geworden. Nur ihre Füße wollen sie lieber noch nicht ins Wasser halten.


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(lk)