Huffpost Germany

Österreichs Wahlpanne: Stadt erreicht Wahl-Beteiligung von 146,9 Prozent

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • In einer Stadt in Niederösterreich hat es eine größere Wahlpanne gegeben
  • Es wurden Tausende Stimmen mehr gewertet, als die Stadt Wahlberechtigte hat
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Waidhofen an der Ybbs ist ein malerisches Städtchen in Niederösterreich, mit hübschen Kirchen, einem markanten Turm, dem Bergfried des Rothschildschlosses, alles eingebettet in hügelige Landschaft.

Waidhofen an der Ybbs ist allerdings auch ein politisches Wunder. Denn die Beteiligung an der Bundespräsidentenwahl lag dort laut österreichischem Bundesinnenministerium bei 146,9 Prozent. 9026 Wahlberechtigte gaben demnach 13.262 Stimmen ab, wovon 12.559 auch noch als gültig gewertet wurden. Der ORF spottete schon über die "wundersame Wählervermehrung“.

Wahlbehörde spielt Vorfall herunter

Der Leiter der Wahlbehörde im Innenministerium, Robert Stein, versuchte die Panne am späten Montagabend in der Sendung „Zeit im Bild“ herunterzuspielen: "Es liegt in der Natur der Sache, dass sich bei einem vorläufigen Ergebnis, die der Herr Bundesminister heute bekannt gegeben hat, Änderungen ergeben können.“

Die örtliche Wahlbehörde habe "leider auf elektronischem Weg ein nicht korrektes Wahlkartenergebnis übermittelt“. Die falschen Zahlen würden bis 1. Juni "eingefroren“, die Bundeswahlbehörde werde dann aufgrund der "Papierakten“, der Stimmzettel also, das korrekte Ergebnis feststellen.

Sieg Van der Bellens wackelt zumindest deswegen nicht

Da Alexander Van der Bellen nur mit gut 30.000 Stimmen Vorsprung gewonnen hat, ist so eine Panne extrem heikel.

Nach der falschen Zählung von Waidhofen wurden ihm 6621 Stimmen zugerechnet, seinem Konkurrenten Hofer 5938. Wahlleiter Stein sagte: Der Fehler "kann mit Sicherheit nichts am Ergebnis ändern“.

Das nicht. Aber Österreich zählt mehr als 2000 Gemeinden. Mehrere solcher Fehler könnten das knappe Ergebnis also durchaus drehen. Stein sagte allerdings, er habe keinen Anhaltspunkt, dass weitere große Fehler passiert seinen.

Peinlich und nicht die erste Panne

Trotz allem ist die Sache überaus peinlich für das Innenministerium. Schließlich ist es nicht die erste Panne. Schon am Sonntag hatte es eine Seite mit angeblichen bundesweiten Wahlergebnissen veröffentlicht – die sich dann als Fehler entpuppt hatte. Offenbar war eine Testseite live gegangen. Einen halben Tag hatte das Ministerium das nicht korrigiert.

Auch der Fehler von Waidhofen hätte auffallen können. Auffallen müssen. Zwar sei es möglich, dass vorläufig aufgrund der Auszählmethode Wahlbeteiligungen von mehr als 100 Prozent erreicht würden – aber fast 150 Prozent?

Solche Pannen geben nur Verschwörungstheoretikern neue Nahrung. Die unterlegene FPÖ hatte – wie sie es allerdings oft nach Wahlniederlagen tut – Zweifel an der Sauberkeit der Wahl gestreut.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

(lp)