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"Gründet endlich Banden, die notfalls zuschlagen": FPÖ-Wähler fordern Gewalt über soziale Netzwerke

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HOFER
Wahlplakate nach der Stichwahl zum Bundespräsidenten in Österreich | dpa
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  • Über soziale Netzwerke rufen FPÖ-Anhänger zu Gewalt auf
  • Ein User fordert sogar Anschläge auf Van der Bellen und muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen
  • Die FPÖ-Politiker pochen auf Mäßigung, Parteichef Strache sprach von einer "Abrüstung der Worte"

Die Enttäuschung der FPÖ-Wähler nach der Niederlage von Norbert Hofer schlägt mittlerweile in Wut um - vor allem gegen den knappen Wahlsieger Alexander Van der Bellen. Über soziale Netzwerke äußern User teils offene Gewaltdrohungen gegen den ehemaligen Grünen-Chef auf den Fanseiten der führenden FPÖ-Politiker.

"Gründet endlich Banden, die agieren und notfalls zuschlagen. Auf die FPÖ kann ich mich nicht verlassen", schreibt ein Facebook-User, dessen Post der österreichischen Tageszeitung "Standard" vorliegt. "Ab jetzt heißt es kämpfen."

Die Online-Petition "Ich erkenne Van der Bellen als meinen Präsidenten nicht an" hat mittlerweile knapp 22.000 Unterschriften. Auch dort wird gewaltsamer Protest prophezeit: "Der Österreicher ist zwar ein geduldiger und gutmütiger Mensch, aber wenn es genug ist, brennt alles", schreibt ein Unterstützer hier.

Offene Aufforderung zu Anschlägen auf Van der Bellens Wohnsitz

"Jeder, der noch halbwegs Österreicher ist, soll zeigen, dass wir uns wehren", tippt ein anderer. Auf der Seite von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte ein Mann offen zu "Anschlägen" bei Van der Bellens Wohnsitz auf, dessen Adresse ein anderer zuvor gepostet hatte.

Der Kommentar wurde gelöscht, liegt dem österreichischen Innenministerium aber als Screenshot vor. Der Autor hatte wohl seinen Klarnamen verwendet und muss nun mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Van der Bellens Personenschutz verstärkt

Als Reaktion auf die Bedrohung wurde nun der Personenschutz von Alexander Van der Bellen stark erhöht. Das Innenministerium nehme die Bedrohung "sehr ernst", sagte ein Sprecher dem "Standard". Über den Personenschutz hinaus sei ein besonderes Sicherheitskonzept erarbeitet worden.

Die wütenden, gewaltfordernden Äußerungen der Wähler stehen in starkem Kontrast zu den Äußerungen von Norbert Hofer und seinen Parteikollegen selbst. Schon gestern, als er die Niederlage eingestand, zeigte sich der FPÖ-Kandidat überraschend zurückhaltend. Natürlich sei er "traurig", sagte er. Hofer forderte seine Wähler aber auf, nicht zu verzagen.

Hofer: "Alle sollen zusammenhalten", Strache: "Abrüstung der Worte"

Auf der heutigen Pressekonferenz wurde Hofer noch deutlicher. Er rief die Österreicher auf, das Ergebnis zu akzeptieren und nicht zu streiten. "Alle sollen zusammenhalten", sagte der Rechtspopulist.

Auch FPÖ-Chef Strache positionierte sich heute klar gegen die Gewaltaufrufe: Er habe großes Verständnis dafür, dass viele nach dem knappen Wahlausgang enttäuscht seien. Allerdings hätten auf seiner Facebook-Seite viele User "völlig unangemessen" reagiert und Kommentare hinterlassen, die mit dem Respekt gegenüber der Demokratie "völlig unvereinbar" seien.

Er forderte "dringend zur Besonnenheit und zur Mäßigung" sowie zu einer "Abrüstung der Worte" auf. In der aktuellen Situation sehe er sich gezwungen, viele seiner Einträge zur Wahl zu löschen.

Wählerhass richtet sich nun auch gegen die Parteispitze

Bei einem Teil der FPÖ-Unterstützern stießen sie damit auf taube Ohren. Anstatt besänftigt zu sein, scheinen viele nur noch mehr aufgestachelt zu werden. Manche richten ihren Hass über soziale Netzwerke nun gegen die rechtspopulistische Partei selbst, die nicht aggressiv genug auf die Niederlage reagieren würde.

Wenn die FPÖ jetzt nichts unternehme, würde er sich in Zukunft die Stimme sparen, wütet einer. Viele drohen damit, künftig nicht mehr wählen zu gehen. Andere verurteilen den neuen "Kuschelkurs" - und rufen erneut dazu auf, sich nun selbst zu wehren.

Der künftige Bundespräsident Van der Bellen versuchte sich in seiner ersten Rede als gewähltes Staatsoberhaupt trotz des Aufruhrs um die FPÖ und den Drohungen gegen seine Person als Brückenbauer zu positionieren.

"Es sind zwei Hälften, die Österreich ausmachen. Die eine Hälfte ist so wichtig wie die andere." Er drückt seinen Respekt für den "sehr engagierten Wahlkampf" seines Kontrahenten Hofer aus - ein erster Versuch, auf dessen Anhänger zuzugehen.

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(lk)