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So will Barcelona künftig Autos weitestgehend aus der Stadt verbannen

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BARCELONA
Barcelona soll künftig zur Fußgängerstadt werden | Gatsi via Getty Images
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  • Barcelona will Autos weitestgehend von seinen Straßen verbannen
  • Der Platz soll den Fußgängern und Radfahrern zurückgegeben werden
  • Damit würde die Stadt ihre Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit weiter ausbauen

Beste "Smart City" weltweit - den Titel darf sich die Stadt Barcelona seit 2015 auf die Fahnen schreiben. Die britische Forschungsinstitution "Juniper Research" zeichnete sie als Spitzenreiter der Bestenliste aus, die die Nachhaltigkeit und Wirksamkeit von Städten unter die Lupe nimmt. Auch bei anderen Umwelt-Rankings nimmt die spanische Metropole immer wieder hohe Plätze ein.

Diese Vorreiterrolle soll Barcelona nun auch im Straßenverkehr ausbauen. Ab 2017 wollen die Katalanen ihre Hauptstadt zu einer Fußgängerstadt machen. "Wir wollen der Dominanz der Autos in den Straßen ein Ende setzen und den Platz den Fußgängern zurückgeben", sagt Irene Capdevila von der städtischen Umweltorganisation.

Autos müssen draußen bleiben

So will die Stadt auf hohe Luftverschmutzung reagieren. Seit mehreren Jahren brechen die Werte die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation. Für die Frischluft- und Anti-Lärm-Aktion will die Stadt nun 10 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Künftig müssen Autos deswegen draußen bleiben - zumindest fremde und zumindest im inneren Stadtbereich, den sie in "Superblocks" unterteilen.

Die Stadt ist größtenteils in quadratischen Blöcken angelegt, das macht die Planung von einer regelmäßigen Verkehrsverteilung natürlich einfach. Der Plan sieht so aus: Jeweils in einem Bereich aus drei mal drei Häuserblöcken sollen die Autos nicht mehr verkehren dürfen und sich um die Umgehungsstraßen konzentrieren.

superblocks

Die Quadrate sollen zu grünen Zonen werden, die sogenannten "Superblocks", in denen sich nur noch Anwohner und Lieferverkehr motorisiert bewegen dürfen. Statt wie aktuell mit 50 km/h soll man künftig auch nur noch 10 km/h fahren.

Das entspricht in etwa den deutschen Regelungen für Spielstraßen. Auch wenn Schrittgeschwindigkeit eigentlich etwa 4 bis 7 km/h entspricht, werden laut der Polizei Nordrhein-Westfalen auch hier normalerweise Höchstgeschwindigkeiten bis 10 km/h straffrei toleriert.

Die Fußgänger sollen die Straßen zurückerobern

In den verkehrsberuhigten Bereichen in Barcelona sollen künftig die Fußgänger das Sagen haben. Sie dürfen die gesamten Straßen als Fußgängerzone benutzen, Fahrradfahrer und die einzelnen Autos müssen sich ihnen anpassen.

barcelona streets

Zusätzlich sollen die in der unten stehenden Grafik gelben Flächen kleine Parks und Plätze werden, die die grünen Quartiere über die Verkehrsstraßen hinweg verbinden.

superblocks

So gehören den Fußgängern laut dem Plan künftig 94 Prozent der Straßenfläche der Stadt, aktuell nehmen Bürgersteige 40 Prozent ein. Was das für eine große Veränderung für das Stadtbild bedeuten würde, zeigen folgende Stadtkarten:

superblocks

superblocks

Bisher ist fast nur das Viertel Gràcia, das bereits seit 2003 in Superblocks eingeteilt ist, verkehrsbefreit. Ab 2017 soll der Ausbau beginnen, sodass sich bald ein Fußgängernetz (in der Karte blau) durch die ganze Stadt zieht.

Für die Straßen, auf der dann noch alle Autos verkehren dürfen, bedeutet das natürlich eine höhere Belastung und Staugefahr. Die Hoffnung is aber, dass das nicht so bleibt.

Zwei- statt Vierrad

Autofahrer sollen motivieren werden, ihren Wagen öfter stehenzulassen und auf umweltfreundlichere öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Knapp 300 Kilometer neue Radstrecken sollen ausgewiesen werden, bisher gibt es nur rund 100 Kilometer Wege für die Zweiradfahrer.

Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sollen schneller und besser werden. Die Geschwindigkeit auf den Autostraßen soll erhöht werden, sodass auch die Busse schneller ans Ziel gelangen, so Capdevila. Auch soll das Fahrplan-Netz umstrukturiert werden.

Ob sich die Busse wirklich als schnellstes Verkehrsmittel auf wahrscheinlich zunächst vielbefahrenen Straßen durchsetzen, ist fraglich - aber wer dem nicht traut, kann ja auf die U-Bahn umsteigen. Oder etwas Zeit mitbringen und mehr laufen - immerhin soll es bald 630 Hektar mehr Platz zum Flanieren geben.

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(lp)