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AfD-Bundespräsidentenkandidat bricht das letzte Tabu in der Islam-Debatte

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ALBRECHT GLASER
Der AfD-Vize Albrecht Glaser trifft keine Unterscheidung zwischen Muslimen und Islamisten | Sean Gallup via Getty Images
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  • Nach dem Platzen des Treffens mit dem Zentralrat der Muslime bricht Streit in der AfD aus
  • Führende AfD-Politiker kritisieren das Verhalten der Delegation
  • Der AfD-Vize Glaser bricht ein letztes Tabu

Nach dem gescheiterten Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime gibt es Streit in der Führungsspitze der AfD aus. So sagte der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", das Vorgehen seiner Ko-Vorsitzenden Frauke Petry sowie der Bundesvorstandsmitglieder Albrecht Glaser und Armin-Paul Hampel sei "etwas unprofessionell" gewesen.

"Wenn man solche Treffen anberaumt, dann klärt man vorab die Bedingungen des Gesprächs und nicht erst zu Beginn", sagte Meuthen. Er kritisiere nicht den Abbruch des Gesprächs, sondern "dass es unter diesen Bedingungen anberaumt wurde".

Meuthen sagte, wenn schon vor dem Treffen klar gewesen wäre, dass man sich nicht auf eine Gesprächsgrundlage einigen könne, "dann hätte man sich das schenken können". So sei der Eindruck "etwas unglücklich" gewesen.

"Mazyek hätte sich von der Scharia distanzieren müssen"

Auch die Beisitzerin im AfD-Bundesvorstand, Alice Weidel, äußerte Kritik. Sie sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", es sei absehbar gewesen, dass die Gespräche scheitern würden.

"Ein Gespräch wäre nur aussichtsreich gewesen, wenn Herr Mazyek sich vorher eindeutig von der Scharia distanziert hätte. Das hat er nicht getan."

Dazu passend: Warum AfD-Chefin Frauke Petry das Gespräch mit den Muslimen angenommen hatte

Zudem habe Mazyek die AfD in die Nähe der Nationalsozialisten gerückt und dies nicht zurückgenommen. Nach Weidels Darstellung war vor dem Treffen im Parteivorstand besprochen worden, dass eine solche Begegnung nur sinnvoll sei, wenn die Grundlagen dafür vorhanden wären.

Sprich: Die AfD erwartete von Mazyek eine Entschuldigung, wenn das Gespräch nicht platze sollte. Das war bereits kurz nach dem Treffen am Montag bekannt geworden.

"Koran ist die Anweisung eines Feldherren"

"Das war nicht der Fall. Nach dem gescheiterten Treffen sind nun beide Seiten keine Gewinner. Es sieht nach einem inszenierten Abbruch aus", sagte Weidel.

Am weitesten ging allerdings der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende und Bundespräsidentenkandidat Albrecht Glaser. Er überschritt eine letzte Grenze, indem er die Unterscheidung zwischen Muslimen und Islamisten in Frage stellte.

"Wenn Sie den Koran gelesen haben, fragen Sie sich: Wo ist denn da die Religion? Das sind die Anweisungen eines Feldherren."

Es gebe "den Versuch so zu tun, als gäbe es zwei Arten von Muslimen, Muslime und Islamisten, das gibt es aber nicht", sagte Glaser. Aus seiner Sicht sei der Islam immer eine politische Ideologie, zu deren Anspruch es gehöre, dass die ganze Welt islamisch sein müsse.

"Das Grundgesetz ist inkompatibel mit dem elementaren Rechtsverständnis jedes Islams - gleich welcher Schule", sagte Glaser. "Da geht das Kamel durch kein Nadelöhr."

Mazyek will Tür für weitere Gespräche offen halten

Trotz des Eklats will der Zentralrat der Muslime weiter Gesprächsbereitschaft mit der AfD zeigen. Der Vorsitzende Aiman Mazyek sagte bei "MDR Aktuell", seine Tür bleibe weiterhin offen für Gespräche.

Die AfD habe gestern den Dialog abgebrochen und die Tür zugeschlagen. "Wir haben unsererseits keine Forderung gestellt, die nicht erfüllbar sind. Natürlich wären sie erfüllbar gewesen, wenn man einfach das Grundgesetz wahrt."

Mazyek betonte, man habe lediglich festgestellt, "wenn ich in meinem Parteiprogramm vorschreibe, wie die Muslime Moscheen zu bauen haben oder dass Körperschaftsrechte nicht zugestanden werden", dann werde religiöses Leben existentiell eingeschränkt. Das sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

"Die AfD muss für sich erklären, warum sie innerhalb ihres Parteiprogrammes verfassungsfeindliche Positionen bezieht."

Mazyek hatte Petry zu Änderung des Programms aufgefordert. Die Parteichefin hatte das zurückgewiesen, man könne nicht erwarten, dass sie ein demokratisch verabschiedetes Programm einfach verwerfe.

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(sk)