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Deutschtürke André Yorulmaz sagt, wie Muslime ungewollt die AfD stärken

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ANDRE YORULMAZ
André Yorulmaz, ehemals AfD-Mitglied, spricht über den Anti-Islamkurs der Partei | dpa
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  • André Yorulmaz wäre 2015 beinahe Generalsekretär der AfD geworden
  • Mittlerweile ist er aus der Partei ausgetreten
  • Er ist überzeugt, der Zentralrat der Muslime habe die AfD gestärkt

Die Alternative für Deutschland (AfD) fährt einen harten Anti-Islam-Kurs. Es ist das Thema, über das sich die Partei derzeit öffentlich definiert, es ist wesentlicher Teil des Anfang Mai beschlossenen Grundsatzprogramms.

Was die wenigsten wissen: Vor nicht allzu langer Zeit wäre beinahe der Sohn eines muslimischen Vaters und einer christlichen Mutter Generalsekretär dieser Partei geworden, André Yorulmaz. Damals war noch der gemäßigtere Bernd Lucke Parteichef. Yorulmaz trat zusammen mit Lucke 2015 aus der AfD aus.

Kritik an Umgang mit der AfD

Im Gespräch mit „Zeit Online“ kritisiert Yorulmaz den öffentlichen Umgang mit der AfD.

(Text geht unter dem Video weiter)

Eklat zu Beginn: AfD bricht Gespräche mit dem Zentralrat der Muslime ab

Die etablierten Parteien grenzten die AfD aus – das stärke die AfD nur. Die Frage des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, „Warum hassen Sie uns?“ habe mit ihrem provokanten Ton denselben Effekt. Mzyek stärke die AfD damit "ungewollt".

"Es ist falsch, zu sagen: Die AfD ist das Problem“, sagte Yorulmaz. Vielmehr müsse man klären, woher die Angst komme, die viele Menschen die AfD wählen lasse.

Vernachlässigen die etablierten Parteien die Sorgen der Bürger?

"Zum Beispiel erklärt keine Partei den Menschen, welche Folgen die derzeitige Niedrigzinsphase eigentlich für ihre Altersvorsorge hat. Diese Unsicherheit trägt indirekt auch dazu bei, dass viele wegen der Flüchtlingskrise noch mal mehr um ihre Zukunft fürchten.“ Doch eine Diskussion darüber werde abgelehnt, die AfD dämonisiert.

Der Umgang mit der AfD und ihren Anhängern ist insbesondere in der Union ein Streitpunkt. Verschiedene CSU-Politiker etwa wurden kritisiert, sie schürten Ressentiments gegenüber Flüchtlingen durch ihre Rhetorik. Die CSU dagegen will auch die Wähler ansprechen, die ein Stück rechts des aktuellen CDU-Kurses stehen.

Ex-AfD-Politiker Yorulmaz pflegt ein kritisches Verhältnis zum Islam. Er habe in seiner Kindheit erlebt, wie Zwangsehen geschlossen wurden, Christen angegriffen wurden. Heute stehe er dem Christentum näher als dem Islam.

Yorulmaz fordert mehr Engagement von Muslimen

Der AfD-These, der Islam sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, will er sich allerdings nicht anschließen: "Wenn der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist, dann ist es das Christentum auch nicht. Es geht doch darum, wie der Islam ausgelebt wird.“

Er erwartet aber unter andere vom Zentralrat der Muslime, die Lage nicht zu beschönigen. Zu behaupten, dass Extremisten mit der Mehrheit der Muslime nichts zu tun hätten, sei das "Realitätsverweigerung“.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.


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(lp)