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Warum AfD-Chefin Frauke Petry das Gespräch mit den Muslimen angenommen hatte

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  • Die AfD hatte den Abbruch der Gespräche mit dem Zentralrat der Muslime bereits einkalkuliert
  • Parteichefin Petry hat das Gespräch zur Selbstinszenierung missbraucht
  • Eine Zusammenfassung des Eklats seht ihr im Video oben

Der Eklat war perfekt. Nach nur einer Stunde beendeten die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry und ihre Begleiter am Montag die Gespräche mit dem Zentralrat der Muslime.

Am Abend nach den Gesprächen wurde offensichtlich, dass der Skandal von der AfD geplant gewesen war.

AfD-Vorstandsmitglied Albrecht Glaser räumte gegenüber der "Bild"-Zeitung ein, dass es zwischen ihm, Armin-Paul Hampel und Frauke Petry im Vorfeld verabredet worden war, das Gespräch abzubrechen, wenn Mazyek sich nicht bereit erklärt, seinen im April geäußerten Vergleich der AfD mit Hitlers NSDAP zurücknehmen.

Petry forderte indirektes Schuldeingeständnis von Mayzek

Glaser sagte der "Bild": "Das war die Eingangshalle, durch die Aiman Mazyek gehen sollte, bevor wir mit ihm über Inhalte sprechen."

Die AfD-Vertreter forderte also ein indirektes Schuldeingeständnis von Mazyek, bevor sie überhaupt bereit sein würden, die Gespräche zu beginnen. Dass der Muslimen-Verbandschef nicht willig sein würde, die Rolle des reuigen Sünders zu übernehmen, um mit Petry an einem Tisch sitzen zu dürfen, war abzusehen.

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Statt eines Dialogs ein inszenierter Eklat für die eigene Wählerschaft. Das Angebot des Zentralrats der Muslime zum Gespräch wurde offensichtlich mit dem Plan angenommen, die Gespräche auf dem schnellsten Wege platzen zu lassen.

Gespräche wurden wie ein Boxkampf inszeniert

Von Anfang an war dieses Gespräch wie ein Boxkampf inszeniert worden. Bevor die Kontrahenten in den Ring stiegen, wurde der Gegner öffentlich provoziert.

Auch der Ort war bewusst gewählt. Das Gespräch fand auf neutralem Boden in einem Hotel-Konferenzsaal mit breiter Doppelflügeltür statt. Petry kam in Begleitung eines Personenschützers. Journalisten warteten vor der Tür. Dann erst begann der Schlagabtausch.

Beide Seiten traten mit einem Katalog von unerfüllbaren Forderungen an und gaben sich danach die Schuld am Scheitern des Gesprächs.

Nach dem Scheitern des Gesprächs wurde nachgetreten. Mazyek stellte sich vor dem Saal den Fragen der Journalisten. Das AfD-Programm erinnere ihn "an die dunkelsten Zeiten unserer alten Geschichte", sagte er. Petry sagte, Mazyek sei ihren konkreten Fragen zur Scharia und zu Ehen zwischen Christen und Muslimen ausgewichen.

Dann wurde auch auf Facebook nachgelegt. Glaser schrieb: "Die Scharia gehört so zu dem Islam wie jede alte Glaubensregel." Und Petry schrieb, die AfD habe Mazyek "eine Lektion zum 67. Geburtstag unseres Grundgesetzes erteilt". Am 23. Mai 1949 war es verkündet worden und einen Tag später in Kraft getreten.

Petry zeigt, warum sie den Titel "Rechtspopulistin" verdient

Die Chance zu einem Dialog wurde vergeben. Das ist schade. Zumal es Teile der AfD gibt, die aufrichtig eine Auseinandersetzung mit den muslimischen Gemeinden sucht.

Anfang des Monats hat sich der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen schon in einer Moschee in Weil der Stadt nahe Stuttgart zum Streitgespräch mit einem Vorstandsmitglied der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft getroffen. Damals blieb der Ton bis zum Ende freundlich, auch wenn man in der Sache nicht wirklich zusammenfand.

Meuthen zeigte sich enttäuscht über den Ausgang des Gesprächs in Berlin. "Bei einem solchen Treffen sollten die Gesprächsthemen vorher sauber abgestimmt sein. Das war offenbar nicht der Fall“, sagte Meuthen der "Bild"-Zeitung.

Der Eklat zeigt, dass Petry kein Interesse an einem konstruktiven Dialog hat. Sie hat das Gesprächsangebot nur aus einem Grund angenommen - um bloße Selbstinszenierung für die eigene Wählerschaft zu betreiben: "Seht her, wie ich den Muslimen endlich mal die Meinung sage!"

Sie hat sich den Titel "Rechtspopulistin", den sie so sehr ablehnt, voll verdient.

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(sk)