Huffpost Germany

Herzzerreißende Bilder: Das malen Kinder psychisch kranker Eltern

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

„Ich mach mir Sorgen um Mama, aber sie hört ja nicht auf mich, wenn ich sage, dass sie nicht so viel trinken soll“, erzählt die vierzehnjährige Bernadette zu ihrem Bild, das sie über sich, ihre Mutter und deren Krankheit gemalt hat.

Ihre Mutter hat angefangen zu trinken, nachdem ihr Mann sie verlassen hat. Nun ist Bernadette alleine mit ihr – und wenn ihre Mutter wegen ihrer Alkoholkrankheit in die Klink muss, dann kann sie bei ihrer Freundin Nadine bleiben. Aber am meisten würde Bernadette sich wünschen, dass ihre Mutter endlich ihr Versprechen hält und mit dem Trinken aufhört.

kindersprechstunde

Bernadette, 14, über die Alkoholsucht ihrer Mutter

Die „vergessenen Kinder“

Bernadette gehört zu den „vergessenen Kindern“ – wie der „Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker“ sie nennt. In Deutschland leben laut Verband mindestens 1,5 Millionen Kinder, deren Eltern unter anderem an einer Psychose oder einer schweren Depression leiden.

Die Dunkelziffer ist jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit viel höher, da beispielsweise die Kinder von Menschen mit Angst- und Persönlichkeitsstörungen nicht mitgezählt wurden. Darüber hinaus hat die Zahl der stationären Behandlungen aufgrund einer psychischen Störung in den letzten Jahren in ganz Deutschland zugenommen.

Die Kinder leiden unter der Krankheit der Eltern

Neben den Betroffenen selbst leiden auch ihre Kinder unter der Erkrankung: Das "Deutsche Ärzteblatt" berichtete, dass Kinder von psychisch kranken Eltern ein stark erhöhtes Risiko haben, im Laufe ihres Lebens selbst eine psychische Störung zu entwickeln.

Dabei spielt auch eine große Rolle, dass das Verhalten der Eltern gegenüber ihrem Kind durch die Krankheit eingeschränkt werden kann und sie beispielsweise bei einer Depression für das Kind emotional nicht erreichbar sind.

Dann kann es sein, dass die Kinder, trotz aller Bemühungen und Liebe ihrer Eltern, selbst psychologische Betreuung und Unterstützung brauchen.

Das haben Kinder psychisch erkrankter Eltern zu sagen

Deshalb führte das Bezirkskrankenhaus im bayerischen Augsburg vor Jahren eine Kindersprechstunde ein. Hier können Kinder psychisch erkrankter Eltern in Bildern und Texten von ihren Ängsten, Hoffnungen und Sorgen erzählen.

Diese Bilder zeigt das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege jetzt in der Wanderausstellung „KinderSprechStunde“ in Augsburg, um die Kinder selbst zu Wort kommen zu lassen und für mehr Offenheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen zu plädieren.

kindersprechstunde

Daniela, 9, über die Depression ihrer Mutter

kindersprechstunde

Thorsten, 12, über die bipolare Störung seines Vaters

kindersprechstunde

Stefan, 7, über den Krankenhausaufenthalt seiner Mutter

kindersprechstunde

Marvin, 5, über die Alkoholsucht seines Vaters

kindersprechstunde

Mandy lebt bei einer Pflegefamilie, weil ihre Mutter wegen Drogenabhängigkeit eine Therapie machen muss.

kindersprechstunde

Alexander über die psychische Erkrankung seiner Mutter

kindersprechstunde

Paul, 12, über den Suizidversuch seines Vaters

kindersprechstunde

Sarah weiß jetzt, dass ihre Mutter unter einer Psychose leidet

kindersprechstunde

Max ist froh, dass sein Vater nun endlich wieder zu Hause ist

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml betonte in einem Statement zur Ausstellungseröffnung: "Psychische Erkrankungen dürfen kein Tabu sein, über das nicht gesprochen wird. Denn den Betroffenen muss so früh wie möglich geholfen werden. Deshalb soll die Kampagne einen offeneren Umgang mit dem Thema fördern. Mein Ziel ist es, sowohl Eltern und andere Verwandte als auch Lehrer und Gleichaltrige für dieses Thema zu sensibilisieren."


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“ möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

Er dachte, er wird nur interviewt. Was dann passierte, ist berührend

(gw)