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Zweifel an Studie zur "Christenverfolgung" in Flüchtlingsheimen

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FLUECHTLING
Wie glaubwürdig ist die "Open Doors"-Studie? | Getty Images
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  • Vor wenigen Wochen veröffentlichte die Hilfsorganisation Open Doors eine Studie über Angriffe auf christliche Flüchtlinge
  • Nun gibt es ernste Zweifel an der Aussagekraft der Studie
  • Zwei Drittel der aufgelisteten Opfer anti-christlicher Gewalt sollen aus einer einzigen Flüchtlingsunterkunft stammen

Die Hilfsorganisation Open Doors kümmert sich normalerweise um verfolgte Christen in Ländern, in denen Christen eine Minderheit sind. Doch auch in Deutschland fühlen sich geflüchtete Christen längst nicht immer sicher: Anfang Mai veröffentlichte Open Doors eine Studie mit der Überschrift "Christenverfolgung in Deutschland".

Die Organisation dokumentierte 231 Übergriffe auf Flüchtlinge christlichen Glaubens, die - laut der Aussage von Open Doors - jedoch nur die Spitze des Eisbergs seien.

Mehr als 80 Prozent der christlichen Flüchtlinge seien demnach in den Erstaufnahmeeinrichtungen Schikanen durch muslimische Flüchtlinge ausgesetzt. Besonders stark betroffen seien iranische und afghanische Konvertiten, die vom Islam zum Christentum übergetreten seien.

Begründete Zweifel an der Aussagekraft der Studie

Doch nun kommen erhebliche Zweifel an der Studie auf. Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, stellte sich heraus, dass zwei Drittel der aufgeführten mutmaßlichen Opfer aus einer einzigen Gemeinde in Berlin stammten, obwohl die Erhebung als „deutschlandweit“ bezeichnet wird. In allen diesen Fällen bezeugte ein einziger Pastor die Glaubwürdigkeit der Aussagen.

Die Prüfung von einem der Fälle ergab außerdem begründete Zweifel an der Darstellung der Opfer. Der Heimbetreiber der betreffenden Unterkunft machte seinerseits den Vorwurf, die mutmaßlichen Opfer hätten den Konflikt bewusst herbeigeführt, um eine Umsiedlung in eine bessere Unterkunft zu erreichen.

500 bekannte Fälle?

In einem anderen von Open Doors als besonders krass benannten Fall widersprachen der Betreiber der Unterkunft sowie ein Pfarrer, der das Opfer der Auseinandersetzung betreut, dass der christliche Glaube des Opfers die Ursache des Konflikts gewesen sei.

Darüber hinaus konnte Open Doors binnen einer Woche trotz mehrfacher Nachfrage der "FAS" nicht einen einzigen Fall aus einer kirchlich betriebenen Unterkunft einer Nachprüfung zugänglich machen, obwohl die Organisation behauptet hatte, sie kenne 500 solcher Fälle.

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(ben)