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Sie hätten mich warnen sollen

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THE BLOG

Als ich schwanger war, hat mich jeder vor dem "gewarnt", was mir bevorsteht. Zehn Monate (ja, es sind zehn, nicht neun Monate) war ich komplett verängstigt. Von allen Seiten kamen Warnungen - in der Schlange beim Supermarkt, auf der Straße, beim Schuhe anziehen und auf dem Weg vom Appartement zum Yoga-Studio.

Warnungen, Warnungen über das, was mich erwartet - vom unerträglichen, überwältigenden Schmerz der Geburt bis hin zu der leeren Hülle meiner Selbst, zu der ich werden würde, sobald sie da wäre. Es gab Zeiten, da fühlte ich mich wie eine Gefangene im Todestrakt, während ich versuchte, mir selbst ein kleines bisschen Luxus zu gönnen, trotz meines Umfangs und meiner Unbehaglichkeit. Denn diese kleinen Freuden wären ja für mich bald vorbei.

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"Genieße deinen Ehemann, denn sobald das Baby da ist, werdet ihr keine Minute mehr allein sein!" "Kauf dir schonmal einen Badeanzug, deine Figur wird nie wieder dieselbe sein." Noch schlimmer reagierte eine meiner Ärztinnen als ich ihr sagte, dass ich für meinen Mann sexy bleiben will: "Beim Ersten kriegen Sie das Gewicht noch runter, aber bei dem Zweiten, keine Chance. Sie werden so müde sein, dass es Ihnen völlig egal ist." Juhu!

UND mein persönlicher Favorit: "Schlaf lieber jetzt, wo du's noch kannst!" (und die dazu passende Aussagen "Genieß die Ruhe!", "Geh noch mal zur Nagelpflege, das wirst du so schnell nicht wieder machen", und das gute alte "Du wirst nie wieder Zeit zum Duschen haben.") Aber mit all diesen einschüchternden Warnungen, die mir das Gefühl gaben, dass der Weltuntergang bevorsteht, haben sie vergessen mir das zu sagen, was mir wirklich bevorsteht.

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Sie hätten mir sagen sollen, dass der Moment, in dem ich nach den stundenlangen Wehen (die Hälfte davon war ich betäubt, was es sehr erträglich machte) zum ersten Mal ihr Gesicht sah, mein Herz vor Freude zerspringen lassen würde. Sie hätten mir sagen sollen, dass man die Freudentränen nicht kontrollieren kann, wenn man Mutter ist und das erste Mal sein Kind in den Armen hält. Also die Taschentücher besser allzeit griffbereit haben und schon mal wasserfesten Eyeliner auf Vorrat kaufen.

Sie hätten mich warnen sollen, dass ich meinen Mann als Vater dieses kleinen perfekten Wesens noch mehr lieben würde, sodass ich gar nicht mehr weiß, wie sich die alte Liebe angefühlt hat. Dass wir Herausforderungen, Auseinandersetzungen, meist kleine Streitigkeiten haben würden, klar - aber dass wir genauso alberne Momente zusammen erleben, während wir durch die Stadt fahren und sie auf dem Rücksitz döst.

Dass wir uns einen lächerlichen Namen für sie ausdenken und uns darüber kaputtlachen werden. Dass er endlich darauf achtet, dass immer Wein für mich im Haus ist und dass genau das die romantischste Geste aller Zeiten für mich sein wird. Dass ich ihn, während er ihre Windeln wechselt, sagen höre: "Ich bin Papa. Pa-Pa. Du sagst Papa zuerst." Und dass mein Herz dabei schon wieder in Tausend kleine Teile zerspringen würde.

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Sie hätten mir sagen sollen, dass normale Portionen von gesundem Essen genau die Menge an Milch produzieren werden, die meine Tochter zum Wachsen braucht. Und dass ich noch nicht einmal eine Diät machen muss.

Dass ihr Arzt bei der zweiwöchigen Untersuchung sagen wird, dass sie genau das richtige Gewicht hat, alles durch meinen Körper, der sie ernährt und dass mich das stolzer machen wird als jemals zuvor.

Dass das Gewicht, von dem ich besessen sein würde, ihres ist und sich alles um ihre Gesundheit drehen wird. Dass mein Körper nach sechs Wochen sogar wieder in meine Jeans passen wird, aber mir Leggings mittlerweile lieber sein werden als richtige Hosen. Und dass mein Mann mir sagen wird, dass ich sexy bin. Also, wirklich oft und mit Überzeugung.

Sie hätten mir sagen sollen, dass für sie zu sorgen, trotz der Übermüdung, das Bereicherndste sein wird, was ich je getan habe. Dass ich die Stille der Welt genieße, die Katze zu meinen Füßen und das Baby schlafend in meinem Schoß, wenn nur sie und ich morgens um vier Uhr wach sind.

Und ich weine, weil diese Momente verfliegen. Sie hätten mir sagen sollen, dass es mir das Herz brechen wird zu sehen, wie sie aus ihren ersten Stramplern herauswächst. Dass ich sie an manchen Tagen stundenlang anstarren werde und mir die Deadlines egal sein werden, die ich verpasse.

Dass mir ihre Schreie und Tränen nicht auf die Nerven gehen würden, sondern ich daran etwas ändern will. Denn wenn ich sie beruhigt habe, fühle ich mich wie ein Rockstar. Dass ich schlafen würde. Vielleicht nicht jede Nacht und vielleicht nicht viele Stunden am Stück. Aber dass es jedes Mal, sobald sie auf meiner Brust einschläft, meine größte Angst sein wird, dass sie nicht wieder aufwacht. Dass diese Zeit nach der Geburt ein Full-Time-Job sein wird, der beste, den ich jemals hatte.

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Sie hätten mir sagen sollen, dass ich in der Tat zur Nagelpflege gehen würde, aber dass ich während der Pediküre ununterbrochen ihrem Vater schreiben würde, weil ich beide so sehr vermisse. Dass ich eine alte Elle nehmen würde und beobachte, wie eine Träne auf das Inhaltsverzeichnis fällt. Soviel zum entspannen, diese postpartalen Pediküren!

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Sie hätten mich warnen sollen, dass das Mutter-Werden absolut alles verändern würde, aber ich nicht einmal zu meinem "alten" Selbst zurück wollen würde, nicht für eine Sekunde. Sie hätten mir sagen sollen, dass mein Leben so reich und schön und erfüllend sein wird, dass ich zurückschaue und denke: "Ich arme. Da kannte ich sie noch nicht."

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Kathrin Witsch aus dem Englischen übersetzt.


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