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Österreichs Wahlkrimi ist ein Weckruf für die Demokratie

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WAHL STERREICH
Österreichs Wahlkrimi ist ein Weckruf für die Demokratie | dpa
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Europa hat an diesem Sonntag einen historischen Wahlkrimi erlebt. In Österreich liegen am Abend der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer und der von den Grünen unterstützte Kandidat Alexander Van der Bellen Kopf an Kopf.

Nachdem alle Stimmen aus den Wahllokalen ausgezählt sind, steht es Fifty-Fifty. Eine endgültige Entscheidung bringen die Stimmzettel der Briefwähler, die erst am Montag nach 17 Uhr vollständig ausgezählt sein werden. In der Nacht trennten die beiden Kandidaten in der endgültigen Hochrechnung des ORF nur rund 3000 Stimmen, bei mehr als 4 Millionen abgegeben Stimmen.

Extreme Richtungsentscheidung

Die Wahl ist als Richtungswahl für Europa bezeichnet worden. Und auch schon bevor das Ergebnis feststeht, ist sie das. Denn sie zeigt: In einer Demokratie zählt jede Stimme. Vor allem, wenn es um eine extreme Richtungsentscheidung wie in Österreich geht.

Das ist eine gute Nachricht. Denn die Politikverdrossenheit in Deutschland, ja in ganz Europa steigt.

Renaissance der Wähler

Viele Menschen haben den Eindruck, keinen Einfluss mehr zu haben. Aber die Wahl in Österreich zeigt: Sie haben Einfluss und zwar gewaltigen. Die Wahl zeigt eine Renaissance für den Wähler.

In Österreich hat jeder Wähler mit seiner Stimme darüber entschieden, ob Österreich ein weitgehend weltoffenes Land bleibt, in dem Einwanderer und Flüchtlinge willkommen sind.

Die Wähler haben entschieden, wie groß die Rolle sein wird, die Österreich in Europa spielen will.

Sie haben entschieden, ob das Staatsoberhaupt aus einer von manchen Beobachtern als rechtsextrem eingeschätzten Partei kommt.

Am Ende haben sie entschieden, in was für einem Land sie leben wollen.

Mehr Polarisierung war kaum möglich

Sicher, die Polarisierung in Österreich war extrem. Grün gegen Rechts, weiter auseinander geht es fast nicht. Aber im Grunde entscheidet jede Wahl darüber, in welchem Land wir leben wollen. Jeder, der nicht wählt, zeigt, dass ihm das egal ist.

In Österreich wurden rund 170.000 ungültige Stimmen angegeben. Sie hätten die Wahl wohl entschieden. Mancher der Nichtwähler und derjenigen, die ungültige Zettel abgaben, wird sich im Nachhinein noch ärgern.

Wenn Kandidaten ihre Ziele erklären, können sie viel erreichen

Aber die Wahl in Österreich hat noch etwas gezeigt: Wenn die Parteien oder Kandidaten ihre Ziele erklären und wenn sie die Wähler für sie begeistern, dann folgen die Wähler auch. Der von den Grünen unterstützte Van der Bellen galt vor dem zweiten Wahlgang gegen Hofer als krasser Außenseiter. Aber er hat um jede Stimme gekämpft - und er hat viele gewonnen.

Davon können auch die müde gewordenen Volksparteien in Deutschland lernen. Sie sollten sich nicht verbiegen, sie sollten bei ihrer Linie bleiben. Aber sie sollten sich besser erklären und mit Esprit für ihre Ziele werben.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

(sk)