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Facebook-Portal "Anonymous.Kollektiv": Größte deutsche Hetzseite macht dicht

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ANONYMUS
"Anonymous.Kollektiv" ist offline | Screenshot FOL
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  • Die Facebook-Seite "Anonymous.Kollektiv" hetzte gegen Flüchtlinge und Ausländer
  • Mittlerweile ist das rassistische Portal offline
  • Der Kopf der Seite soll ein früheres AfD-Mitglied aus Thüringen gewesen sein

Die Facebook-Seite "Anonymous.Kollektiv" war ursprünglich ein Ableger der Hacker-Gruppe "Anonymous". Mit ihren islam- und ausländerfeindlichen Hasstiraden erreichte die Seite beinahe zwei Millionen Facebook-Fans. Nun ist das Hetz-Portal vom Netz gegangen. Das "Anonymous"-Hackerkollektiv hatte sich bereits frühzeitig von dem Portal distanziert.

AfD-Mitglied der ersten Stunde

Nach Recherchen des "Focus" steckt hinter der Seite mutmaßlich der Erfurter Mario R. Der Mann sei AfD-Mitglied der ersten Stunde gewesen und gehörte der rechtspopulistischen Partei bis mindestens 2014 an. Mehrere Insider haben dem Heft auf Nachfrage versichert, R. sei der Hintermann der Facebook-Seite.

"Focus" liegt eine schriftliche Aussage von Zeugen vor, denen gegenüber sich R. als Betreiber von "Anonymous.Kollektiv" geoutet haben soll. Der Mann hatte bisher jegliche Verbindungen geleugnet.

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin rief Bundesjustizminister Heiko Maas staatliche Institutionen, Zivilgesellschaft und Betreiber von sozialen Netzwerken wie Facebook auf, stärker gegen Hetze im Internet vorzugehen. "Wir dürfen den geistigen Brandstiftern nicht das Feld überlassen – weder auf der Straße noch im Netz", sagte der Minister.

"Fremdenfeindliche und rassistische Hassbotschaften, die gegen Strafgesetze verstoßen, müssen schneller und umfassender aus dem Netz verschwinden", fügte er hinzu.

Unverhohlene Aufrufe zur Gewalt gegen Migranten

Auf der Seite wurden Flüchtlinge als "notgeile, pädokriminelle Migranten-Rotte" oder „menschlicher Müll“ bezeichnet. Zudem schalteten die Ausländerfeinde Werbung für einen Online-Shop, der Pistolen und Gewehre zum Abfeuern potenziell tödlicher Hartgummi-Munition verkauft und unverhohlen zu Gewalt gegen Flüchtlinge aufruft.

"60 Joule Mündungsenergie strecken jeden Asylforderer nieder", bewirbt der Online-Händler einen Revolver. "Migrantenschreck" heißt der digitale Waffenladen, der inzwischen auf einen russischen Server umgezogen ist.

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