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Salafisten-Aufmarsch verängstigt bayerisches Dorf

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SALAFISTEN
Archivbild: Mit seiner Jacke verdeckt ein Mann aus dem Umfeld der Koran-Verteilaktion "Lies" sein Gesicht | dpa
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  • Laut eines Berichts des "BR" soll es in einem bayerischen Dorf eine Versammlung von Salafisten gegeben haben
  • Hintergrund war wohl die sichtbare Solidarisierung mit einer Frau im Ort, deren Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen worden waren
  • Der Fall zeigt, wie gut die Salafistenszene in Deutschland vernetzt ist

Die Salafistenszene in Deutschland scheint gut vernetzt. Ein aktuelles Beispiel aus Ilmmünster - einem bayerischen Dorf mit rund 2000 Einwohnern - zeigt, wie das Netzwerk agiert.

Laut einem Bericht des "Bayerischen Rundfunks" sollen Ende März 2016 mehrere Salafisten aus Bayern und Baden-Württemberg in den kleinen Ort gereist sein.

Dort belagerten sie offenbar eine Straße. Nachbarn berichten davon, dass sie sich von den Männern "beobachtet" fühlten. Manche sprachen gegenüber dem BR auch von Angst.

Solidarität mit Tschetschenin

Der offenbare Anlass für die Anreise der Gruppe: Eine Tschetschenin, die in der Straße lebte.

Ihr war vorgeworfen worden, ihre sechs Kinder vernachlässigt zu haben. Diese waren deshalb kurz zuvor vom Jugendamt in Obhut genommen worden, heißt es in dem Bericht weiter.

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Der Bayerische Verfassungsschutz geht demnach davon aus, dass die Männer, die der Salafistenszene angehören sollen, bewusst nach Ilmmünster gereist waren, um Solidarität mit der Frau zu zeigen.

"Das war ein Schauprozess"

"Im konkreten Fall ist es wohl so, dass man den Fall nutzt, um eben erneut zu zeigen, dass die deutschen Behörden vermeintlich so ungerecht und diskriminierend sind gegenüber Muslimen", erklärte Markus Schäfert vom Bayerischen Verfassungsschutz gegenüber dem Sender.

Ein online veröffentlichtes Propaganda-Video unterstützt diese Annahme. Dort erklärt einer der Männer:

"Das war ein Schauprozess. Die Frau hat keinen Anwalt bekommen. Obwohl sie auf einem Anwalt beharrt hat, hat man ihr nicht das Recht gegeben, dass sie sich einen Anwalt holt. Muslime, ihr müsst langsam aufwachen. Dieser Frau wurden die Kinder weggenommen."

Antisalafistennetzwerk soll der Szene entgegenwirken

Zudem kursierten wohl Gerüchte, wonach die Kinder der Frau bei "schwulen Christen" untergekommen seien - laut Bayerischem Verfassungsschutz "das maximale Feindbild der Salafisten".

Hinter dieser Taktik steckt wohl System. Wie der "BR" weiter berichtet, soll das Salafistennetzwerk deutschlandweit immer wieder Gleichgesinnte unterstützen, die vor Gericht stehen.

"Es geht darum, die Anhänger ideologisch bei der Stange zu halten", erklärt Irfan Peci, ein Aussteiger aus der Salafistenszene, gegenüber dem Sender. Zudem sollen wohl auch potenzielle Kläger eingeschüchtert werden.

Dem bayrischen Justizministerium ist das Problem wohl bekannt. Ein neu geschaffenes Antisalafismusnetzwerk soll in Zukunft Salafsiten im Gefängnis den Ausstieg erleichtern, heißt es in dem Bericht weiter.

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