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Hitlergruß bei Hofer-Rede: Vorfall in Wien zeigt, was Österreich am Sonntag droht

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  • Aufnahmen von der Abschlusskundgebung seht ihr im Video oben

Er ist "Anti-Schickeria" und macht bewusst auf "Mann des Volkes". "Ich fahre mit dem Fahrrad zum Einkaufen und mähe am Wochenende meinen Rasen. Meine Frau ist Altenpflegerin und wir leben mit unserer Tochter in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus im Burgenland - wir sind eine ganz normale Familie", sagte Norbert Hofer von der rechten FPÖ der rechten deutschen Wochenzeitung "Junge Freiheit" kürzlich.

Hofer tritt am Sonntag bei der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten gegen den grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen an. Und Hofer hat laut den letzten Umfragen gute Chancen zu gewinnen.

Die Frage ist: Würde mit Hofer tatsächlich "nur" ein "Mann des Volkes" in die Hofburg einziehen? Und welches Volk ist das überhaupt, dessen Mann er sein will?

Die FPÖ kommt bieder daher, aber sie zieht in Österreich auch den rechten Rand an - ebenso wie die AfD in Deutschland. Kein Wunder, denn die FPÖ möchte an liebsten Südtirol wieder an Österreich angliedern, und der verstorbene FPÖ-Haudegen Jörg Haider war sich nicht zu schade, die Beschäftigungspolitik Adolf Hitlers zu loben.

Die FPÖ war nach dem Zweiten Weltkrieg ein Auffangbecken für Altnazis.

Hofer-Anhänger zeigen Hitlergruß

So überrascht es nicht unbedingt, auf den Veranstaltungen der FPÖ auch Parteianhänger zu sehen, die den Hitlergruß zeigen. So passiert am Freitagabend auf der offiziellen Wahlkampf-Abschlusskundgebung von Norbert Hofer in Wien am Viktor-Adler-Markt. Mindestens drei Männer, die offensichtlich stark betrunken waren, hoben während Hofers Wahlkampf-Lied den rechten Arm zum Hitlergruß.

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(Ein Freitagabend in Wien. Huffington Post-Reporter Sebastian Christ war auf der Abschlussveranstaltung des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. Mitten in der Rede streckten drei Männer den Arm zum Hitlergruß aus. Fotocopyright: Huffington Post)

Mit Hofer drängt also jemand ins österreichische Präsidentenamt, der einen straff rechten Fantross hat.

Einige zeigten sich auch mit Donald-Trump-Fan-Shirt, wie die Wiener Autorin Stefanie Sprengnagel auf Facebook schreibt. Bei vielen FPÖ-Wahlkampfveranstaltungen, die sie besucht hat, hätten die Anhänger sogar geweint vor Begeisterung - und mit ihnen ihr Idol Norbert Hofer.

Das Image des "Sorgen-Onkels", der die Nöte und Sorgen der einfachen Leute versteht, hat der 45-jährige gelernte Flugzeugtechniker im Wahlkampf immer wieder strapaziert. Es ist eine Strategie, die die Rechtspopulisten von der FPÖ laut Umfragen zur beliebtesten Partei in Österreich gemacht hat.

Hofer wollte "Chem-Trails untersuchen lassen"

Nicht ungeschickt werben Hofer und die FPÖ in einem verbreiteten Klima von Politikverdrossenheit mit mehr direkter Demokratie. Nach dem Vorbild der Schweiz soll es viel mehr Volksabstimmungen geben. Er setzte sich 2013 in einer Parlamentarischen Anfrage für die Erforschung von "Chem-Trails" ein - der Untersuchung der Kondensstreifen von Flugzeugen auf bewusst gestreute Gifte. Auch Verschwörungstheoretiker in der AfD machen gegen "Chem-Trails" mobil.

Passend zum Thema: So würden junge Österreicher reagieren, wenn Hofer Präsident wird

Hofer gilt als das smarte und freundliche Gesicht der zutiefst europakritischen FPÖ. Er selbst hat seine Haltung zu Europa zuletzt so skizziert. "Wer ein Freund Europas ist, muss sich für das subsidiäre Europa einsetzen." Soll heißen: Wieder mehr nationale Gestaltungsspielräume schaffen und die Macht der EU auf einzelne große Felder begrenzen.

Aus heutiger Sicht würde er nicht für einen Austritt Österreichs aus der EU stimmen, sagte Hofer zuletzt am Donnerstagabend im ORF.

Hofer nennt Migranten "Invasoren"

Dennoch sehen Kritiker in ihm den "Wolf im Schafspelz". Sein Kontrahent Alexander Van der Bellen bezeichnet ihn als "Marionette" des FPÖ-Parteichefs Heinz-Christian Strache. Im Wahlkampf sprach Hofer gerne von dem großen Blumenstrauß, den er seiner Frau zum Muttertag geschenkt hat.

Doch andere Sätze geben Einblick in einen politischen Kosmos, der das Bild vom rüden, fremdenfeindlichen Rechtspopulisten bedient. Bei einer Rede vor Anhängern nennt Hofer die Migranten "Invasoren" und wünscht sich "einen Zaun, wie es ihn in Ungarn gibt".

Hofer musste zur Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten erst überredet werden. Als stellvertretender Parlamentspräsident war er der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Das Protestklima und seine geschickte Selbstdarstellung brachten ihm im ersten Wahlgang mit 35,1 Prozent den klaren Sieg.

Damit sammelte die FPÖ mehr Stimmen auf Bundesebene ein als jemals zuvor. Wird Hofer gewählt, wäre er der mit Abstand jüngste Präsident, den Österreich je hatte. "Wer zu seinen Überzeugungen steht und geradlinig bleibt, der wird nicht scheitern", glaubt er.

Mit Material der dpa

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