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Jasmin Tabatabai vergleicht sich nicht mit Flüchtlingen

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Jasmin Tabatabai hat Heimweh nach dem Iran

Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai (48) bringt nach fünf Jahren ein neues Album heraus. Es trägt den Titel "Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist" und enthält 14 moderne, Jazz-angehauchte Lieder. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht die 48-Jährige über ihr neues Werk, ihr turbulentes Familienleben und die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland.

Fünf Jahre sind seit Ihrer letzten Platte vergangen. Warum haben Sie sich so lange Zeit gelassen mit Ihrem neuen Album?

Das neue Album "Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist" von Jasmin Tabatabai bekommen Sie hier

Jasmin Tabatabai: Schon zu "Cowgirls"-Zeiten lagen immer fünf Jahre zwischen den Soloplatten. Ich weiß, das ist langsam für dieses Business. Aber ich habe einfach mehrere Berufe. In dieser Zeit habe ich gedreht, gesungen, mich um meine Kinder gekümmert und das Dritte bekommen. Der Fünf-Jahres-Rhythmus hat sich etabliert.

Bei dem Titel "Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist?" sprechen Sie von Kummer und "ein guter Mensch muss glücklich sein". Warum haben Sie sich für diesen Titel entschieden?

Tabatabai: Der Song ist von Georg Kreisler, den ich sehr verehre. Es ist ein zeitlich sehr untypischer Titel, aber gerade deswegen reizt er mich. Der Titel regt mich zum Nachdenken an.

"Gole Sangam" ist ein persisches Volkslied. Wieso wollten Sie diesen Titel unbedingt auf Ihrem Album haben?

Tabatabai: Dieses Lied kenne ich seit meiner Kindheit. Es ist ein berühmtes altes persisches Lied. Eine Version davon singt die persische Sängerin Hayedeh, das war die Lieblingssängerin meines Vaters. Wir haben öfters mal versucht, bei Live-Auftritten persische Titel zu singen und es kam sehr gut an. Neben deutschen, französischen und englischen Songs, musste das sein.

Sie sind 1979 mit ihrer Familie aus dem Iran "geflohen". Wie schwer war es damals für Sie in Deutschland Fuß zu fassen?

Tabatabai: Ich kannte die deutschen Sitten und Bräuche alle schon, da ich eine deutsche Mutter habe. Wir haben alle Schulferien in Deutschland verbracht. Nichts desto trotz hat es lange gedauert, bis ich mich eingelebt habe. Auch wenn man die Sprache beherrscht, ist es trotzdem schwer für einen jungen Menschen, aus seinem gewohnten Umfeld in ein anderes Land zu ziehen. Und trotzdem vergleiche ich mein Schicksal nicht mit dem von Flüchtlingen, die vor Krieg fliehen müssen. Ich besaß schließlich die deutsche Staatsbürgerschaft.

Wie gelang Ihnen der Spagat zwischen zwei so unterschiedlichen Kulturen?

Tabatabai: Ich komme aus einer sehr modernen Familie. Es ist sicher schwerer, wenn zum Beispiel die Mutter sehr frei und der Vater sehr streng lebt. Es kommt darauf an, aus was für einem Umfeld man kommt. Ich habe es als eine Bereicherung gesehen, in zwei Kulturen aufzuwachsen. Natürlich gibt es auch Konflikte. Ich habe Glück gehabt, dass ich in einer Familie aufgewachsen bin, die nicht so verschieden war.

Greifen Sie Ihre Herkunft in Ihrer Arbeit auf?

Tabatabai: In meiner Rolle als Mina Amiri spiele ich eine iranisch-stämmige Kommissarin. Mir war es immer sehr wichtig, dass Mina mit anderen Personen auf Augenhöhe kommuniziert. Einfach ganz normal. So wie ich mit meinen deutschen Freunden spreche. Ihre Herkunft sollte keine Rolle spielen.

Haben Sie, wenn Sie an den Iran denken, Heimweh?

Tabatabai: Total. Im Moment öffnet sich der Iran ein bisschen mehr, vor ein paar Jahren war die politische Situation kritischer. Man muss abwarten, bis sich das Land entwickelt.

Welche Ihrer Charaktereigenschaften sind typisch deutsch und welche typisch iranisch?

Tabatabai: Typisch deutsch ist, dass ich sehr viel Wert auf Pünktlichkeit lege. Unpünktlichkeit ist gelebte Arroganz. Und ich nehme meine Arbeit sehr ernst. Meine Definition von Erfolg ist Exzellenz. Natürlich ist es mir auch wichtig, gute Quoten zu erreichen und zu verkaufen, aber noch wichtiger ist, dass es gut ist. Typisch iranisch an mir sind mein Familiensinn und, wie mein Mann sagt, mein ausgeprägter Stolz.

Was würden Sie gerne deutschen Politikern in Bezug auf die Diskussionen um Flüchtlinge und Fremdenhass sagen?

Tabatabai: Es gibt keine einfachen Wahrheiten. Wenn Menschen in Not sind und fliehen müssen, muss man ihnen auf jeden Fall helfen. Ich bin aber für ganz klare Spielregeln, wenn es darum geht wie man sich in diesem Land benehmen sollte. Gleichzeitig haben wir ein aufgeheiztes Klima, wie ich es persönlich noch nie erlebt habe. Ich beneide unsere Politiker nicht um diese Aufgabe.

Wie bringen Sie das alles unter einen Hut: Familie, Schauspielerei und Musik?

Tabatabai: Ich mache nicht alles gleichzeitig, sondern nacheinander. Ich verbringe viel Zeit zu Hause und habe einen tollen Partner, der mit mir die Kinder groß zieht. Wir wechseln uns ab. Natürlich müssen wir auf vieles verzichten, ein spontanes Wellness-Wochenende zu zweit zum Beispiel, geht nicht. Aber man verzichtet gerne, wenn man die Sache ernst nimmt. Ich finde es schon sehr wichtig, mir möglichst viel Zeit für die Familie zu nehmen. Meine Kinder sollen sich sicher sein, dass wenigstens eine Bezugsperson immer da ist.

Ihr Partner Andreas Pietschmann steht als Schauspieler ebenfalls in der Öffentlichkeit. Macht das eine Beziehung einfacher?

Tabatabai: Es macht es leichter, dass wir beide Schauspieler sind. Die Schauspielerei ist ein komplizierter Beruf. Wahrscheinlich versteht nur jemand, der aus der gleichen Branche kommt, der selbst auf der Bühne gestanden hat, zum Beispiel was so etwas wie Lampenfieber oder eine Premiere zu spielen bedeutet, mit Kritiken umzugehen und Liebesszenen zu drehen. Deswegen ist das Privatleben sehr wichtig: Ein gesundes Umfeld, in das man zurückkehren kann. Eine andere Relation zum Leben.

Warum hat es mit der Hochzeit bisher noch nicht geklappt?

Tabatabai: Wir sind verlobt. Wenn sich das ändert, teilen wir das mit.

Welche Rolle spielt Religion in der Erziehung ihrer Kinder? Haben Ihre Kinder einen Bezug zum Iran?

Tabatabai: Meine Kinder haben einen Bezug zu den Menschen und der Lebensweise. Aber Religion hat in meiner Erziehung keine Rolle gespielt. Was ich an Religion mag, sind die Feste. Ich feiere Weihnachten und Ostern, aber auch das persische Neujahrsfest.