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26 Sätze, die ein wütendes Kind beruhigen

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Wütendes Kleinkind | Amanda Voelker via Getty Images
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THE BLOG

Ganz gleich, ob ein Kind nur langsam zu wütender Höchstform aufläuft oder gleich bei der kleinsten Provokation wie eine Rakete in die Luft geht – jedes Kind kann von Aggressionsbewältigung profitieren. Als Eltern legen wir den Grundstein für diese Fähigkeit, nämlich unsere eigenen Emotionen zu kontrollieren, im Angesicht eines kindlichen Wutanfalls.

Das nächste Mal, wenn Du mit einem Wutanfall deines zweijährigen Kindes konfrontiert wirst, oder auch der kalten Schulter eines Teenagers, dann probiere einen dieser 26 Sätze:

1. Statt: Hör auf mit dem Spielzeug zu schmeißen!

Probiere es mal mit: Wenn du dein Spielzeug wegwirfst, dann spielst du wohl nicht gerne damit. Ist es so?

Dieser Sprecher/Zuhörer-Technik soll helfen, Gefühle ohne Konfrontation zu kommunizieren. Das hält die Bahnen der Kommunikation nicht nur flexibel, du fasst die Situation auch aus deiner Sicht zusammen, das wiederum ermöglicht es deinem Kind das Geschehene noch einmal anders aus seiner Sicht zu erklären.

2. Statt: Große Kinder machen sowas nicht!

Probiere es mal mit: Große Kinder und sogar Erwachsene zeigen manchmal auch große Gefühle. Das ist in Ordnung. Das geht vorbei.

Seien wir mal ehrlich. Je älter deine Kinder werden, desto größer werden auch die Probleme, mit denen sie sich rumärgern und desto intensiver zeigen sich auch ihre Gefühle. Ihnen zu sagen, dass große Kinder keine Wut, Enttäuschung oder Angst erfahren stimmt einfach nicht. Es hält die Kinder auch davon ab, diese Gefühle richtig zu verarbeiten. Stattdessen verdrängen sie sie nur.

3. Statt: Hör auf zu schlagen!

Probiere es mal mit: Es ist in Ordnung, wütend zu sein, aber ich will nicht, dass du um dich schlägst. Es soll hier keiner verletzt werden.

Diese Nachricht verdeutlicht, dass es in Ordnung ist, diese Gefühle zu erfahren, die Taten aber sind nicht Ordnung. Zwei streitende Kinder zu trennen, wird ihnen genau das zeigen.

4. Statt: Du bist so schwierig!

Probiere es mal mit: Das ist nicht einfach, nicht wahr? Das stehen wir zusammen durch!

Wenn Kinder auf stur schalten, dann ist es wichtig, den Grund zu verstehen. Dieser Satz bekräftigt die Tatsache, dass ihr auf einer Seite seid, ihr habt dasselbe Ziel.

5. Statt: Es reicht, du hast Hausarrest!

Probiere es mal mit: OK, jetzt beruhigen wir uns beide mal wieder.

Hier könnt ihr beide eine Bindung eingehen, statt euch voneinander zu entfernen.

6. Statt: Jetzt putz dir endlich die Zähne!

Probiere es mal mit: Willst du erst Elmo die Zähne putzen oder dir?

Kleinkinder wollen mit Wutanfällen Kontrolle ausüben, so drücken sie sich aus. Wenn Du ihnen eine Wahl anbietest, bietest Du ihnen gleichzeitig die Möglichkeit der Kontrolle.

7. Statt: Jetzt iss‘ auf oder Du gehst ohne Abendessen ins Bett!

Probiere es mal mit: Was können wir tun, damit dir das Essen besser schmeckt?

Jetzt liegt die Verantwortung, das Problem zu lösen, bei deinem Kind.

8. Statt: Dein Zimmer sieht schlimm aus. Du hast Hausarrest, bis hier Ordnung herrscht.

Probiere es mal mit: Warum fangen wir nicht hier in dieser Ecke an, etwas aufzuräumen? Ich helfe dir auch.

Statt sich nur auf diese große Aufgabe zu konzentrieren, Ordnung zu schaffen, setzen wir hier das kleinere Ziel, einfach nur anzufangen, in den Fokus. Eine ungeliebte Aufgabe erstmal zu beginnen, bringt Motivation, weiterzumachen.

9. Statt: Wir GEHEN JETZT!

Probiere es mal mit: Was brauchst Du noch, damit wir aufbrechen können?

Lass deine Kinder ihr Leben selbst durchdenken, ermögliche ihnen diesen Prozess. So vermeidest Du einen Machtkampf und lässt deinem Kind die Chance, seinem Gehirn das Signal für eine neue Aktivität zu vermitteln. Das ist auch ein tolles Rollenspiel, wenn Du nicht aufbrechen musst.

10. Statt: Hör auf zu jammern!

Probiere es mal mit: Und jetzt sag es mir noch einmal mit deiner normalen Stimme.

Kinder merken es oft gar nicht, wenn sie jammern und heulen. Bittest Du sie, den Satz noch einmal in normalem Ton zu wiederholen, dann zeigst Du ihnen auch, dass der Ton oft die Musik macht.

11. Statt: Hör auf zu meckern!

Probiere es mal mit: Ich hab‘s verstanden. Hast Du eine Lösung für das Problem?

Auch hier übergibst Du die Verantwortung wieder deinem Kind. Das nächste Mal, wenn dein Kind sich über die Schule, das Essen oder Geschwister beschwert, dann bitte sie, ein paar Lösungsvorschläge zu liefern. Erinnere dein Kind daran, dass es keine falschen Antworten gibt. Je alberner sich dein Kind verhält, desto besser.

12. Statt: Wie oft muss ich das noch sagen?

Probiere es mal mit: Ich sehe, du hast mich beim ersten Mal nicht verstanden. Soll ich es noch einmal wiederholen, und du flüsterst es mir dann ins Ohr?

Wenn du dein Kind wiederholen lässt, was du gesagt hast, dann bekräftigt das das Gesagte noch. Und so macht das es auch noch ein bisschen mehr Spaß.

13. Statt: Jetzt sei nicht so beleidigt!

Probiere es mal mit: Ist das zu schwer grade? Dann machen wir eine Pause und versuchen es in gut einer Viertelstunde noch einmal.

Es hört sich fast lächerlich an, aber es gibt eine wissenschaftlich gestützte Formel für Produktivität: 52 Minuten Arbeit, 17 Minuten Pause. Wenn man bei Aufgaben-bedingtem Stress kurz pausiert, dann ist man nach der Pause viel motivierter und konzentrierter als zuvor. Das gleiche Konzept gilt für Hausaufgaben, das Klavierüben oder auch Sport.

14. Statt: Geh‘ auf dein Zimmer!

Probiere es mal mit: Ich warte hier jetzt so lange, bis Du bereit für eine Umarmung bist.

Und wieder: Isolation übermittelt lediglich die Nachricht, dass mit deinem Kind etwas nicht stimmt. Wenn Du deinem Kind Raum gibst, bis es sich der Situation wieder stellen kann, dann vermittelst Du ihm Sicherheit und das Gefühl, dass Du immer für dein Kind da sein wirst.

15. Statt: Du bist peinlich!

Probiere es mal mit: Lass‘ uns mal irgendwo in Ruhe alleine über das Problem sprechen.

Es geht nicht um dich. Es geht um dein Kind und seine Gefühle. Wenn ihr euch beide der Situation entzieht, dann bekräftigst Du das Team-Gefühl, ohne das Verhalten in den Fokus zu stellen.

16. Statt: Nur zu seufzen und mit den Augen zu rollen

Probiere es mal mit: Schaue deinem Kind in die Augen, erinnere dich an seine größten Stärken und lächle im aufmunternd zu.

Übe ein wenig, in dem Du dir immer die größten Stärken deines Kindes vor Augen führst.

17. Statt: Du bist unmöglich!

Probiere es mal mit: Du machst grade eine schwierige Zeit durch, das stehen wir zusammen durch.

Trenne immer, immer das Kind und das Verhalten. Arbeitet zusammen an einer Lösung und untermauere die Emotionen.

18. Statt: Hör auf zu schreien!

Probiere es mal mit: Ich tue mal so, als würde ich eine Geburtstagskerze ausblasen. Machst du mit?

Einmal tief Luft holen hilft, beruhigt den Körper. Spielerisch mit dem Atmen umzugehen, beschleunigt die Kooperation. Älteren Kindern kannst Du vorschlagen, wie Darth Vader zu atmen.

19. Statt: Ich kann mich jetzt nicht darum kümmern!

Probiere es mal mit: So langsam frustriert mich das hier, ich werde mich jetzt erstmal beruhigen.

Lebe deinen Kindern vor, ihre Gefühle in Echtzeit zu benennen und zu kontrollieren.

20. Statt: Ich habe genug diskutiert!

Probiere es mal mit: Ich liebe dich. Du musst verstehen, dass das nicht in Ordnung ist. Gibt es etwas, das ich verstehen muss?

So wird der Dialog offen gehalten und Gefühle werden auf gesunde Weise kommuniziert.

21. Statt: Ich bin mit meiner Weisheit am Ende!

Probiere es mal mit: Grün ist Ruhe, Gelb ist Frustration und Rot ist Ärger. Ich bin jetzt in der gelben Zone und fast schon bei Rot. Wo bist du? Wie kommen wir beide wieder zurück zu Grün?

Dein Kind soll sich visuell ausdrücken können. Vielleicht überrascht es dich, was sie sagen und welche Lösungsvorschläge sie anbieten.

22. Statt: Ich werde es nicht anders machen!

Probiere es mal mit: Es tut mir Leid, dass es dir nicht gefällt. Wie kann ich es nächstes Mal besser machen?

Verlagere den Fokus von dem Ereignis auf die Lösung und vermeide so einen Machtkampf. Stelle dich nicht stur.

23. Statt: Sag nicht immer nur nein!

Probiere es mal mit: Ich habe dein „Nein“ verstanden. Ich weiß, dass du es nicht willst. Wie können wir es anders angehen?

Wenn du das „nein“ deines Kindes anerkennst, entschärfst Du die Situation. Statt eines Streites verlagert ihr den Fokus auf die Lösung und darauf, es beim nächsten Mal anders zu machen.

24. Statt: Ärger dich nicht!

Probiere es mal mit: Ich ärgere mich auch manchmal. Lass mal deinen Schlachtruf hören, damit vertreiben wir die Wut.

Eine Studie zeigt, dass ein Schrei in einer Wutsituation bewirken kann, dass Schmerz-Nachrichten nicht an das Gehirn geleitet werden. Obwohl dein Kind keinen Schmerz verspürt, so kann ein Kampfschrei doch den Ärger spielerisch lösen. Sucht euch zusammen einen Schlachtruf oder ein Mantra aus (vielleicht William Wallace aus dem Film Braveheart und sein Schrei „Frrreeeeeiiiheeeiiit“)

25. Statt: Übertreibe nicht so!

Probiere es mal mit: Auf ein großes Gefühl reagierst du auch groß. Wenn das Gefühl ein Monster wäre, wie sähe es aus?

Wenn Kinder müde, hungrig oder überreizt sind, dann reagieren sie über. Gibt man dem Gefühl ein Gesicht, dann lagert man das Thema aus und dem Kind wird es ermöglicht, auf den inneren Ärger-Monolog zu reagiere. Das führt dazu, dass Kinder lernen, ihre Gefühle zu kontrollieren.

26. Statt: Lass es einfach!

Probiere es mal mit: Ich bin für dich da. Ich liebe dich, du bist sicher.

Dann setzt euch ruhig zusammen hin und lasst die Gefühle kommen und wieder gehen.

Wenn Kinder in der Hand von Ärger oder Panik sind, dann reagieren ihre Körper oft mit Stress, sie fühlen sich unsicher. Lass dein Kind wissen, dass es sicher ist, so unterstützt Du dein Kind, bis das Unwohlsein verfliegt. So erzeugst Du Stabilität.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.


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(glm)