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Rentendebatte bei Illner: "Reiches Land, arme Rentner"

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MAYBRIT ILLNER
Sascha Lobo wetterte bei "Maybrit Illner" gegen die Beamten | ZDF Mediathek
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  • Bei Maybrit Illner ging es um die Rente - wieder einmal
  • Ein überraschender Gast in der Runde: Der Autor und Blogger Sascha Lobo

Manche wunderten sich beim Beginn von Maybrit Illners Talkshow: noch eine Sendung zur Rente? Wurde nicht schon vor zwei Wochen alles zu dem Thema gesagt? Offensichtlich nicht. Die zweite Überraschung: In der Runde der Sendung mit dem Titel "Reiches Land, arme Rentner" saß der Blogger Sascha Lobo.

Der Mann mit dem roten Irokesenschnitt ist so eine Art Talkshow-Joker. Ob Terror oder Gleichberechtigung - wenn noch ein Stuhl frei ist, passt Lobo eigentlich immer.

Bürgermeister geht mit 54 in Rente - und bekommt 4000 Euro

Im Laufe der Sendung kam die Sprache auf die Beamten. Ganze 45 Jahre müsse man mit einem Durchschnittslohn arbeiten, um ein "Eckrentner" zu werden. So bezeichnet man jemanden, der die Standardrente bezieht. Der miese Job von heute sei die schlechte Rente von morgen.

Unterstrichen wird das mit einem Einspieler, der zeigt, wie ein ehemaliger Oberbürgermeister mit 54 Jahren in den Ruhestand ging und dafür 4000 Euro monatliche Pension erhielt.

Somit hatte der Beamten-Vertreter Klaus Dauderstädt schon mal einen schweren Stand. "Kann man den Unterschied zwischen 70 Prozent Beamten und nur 46 Prozent für normalen Rentner im Alter irgendwie gerade rechnen?", frage ihn die Moderatorin.

"Das kann man…", entgegnete der. "Bei den Arbeitnehmern kommt zu den 46 Prozent die Betriebsrente dazu, dann sind sie auch bei 70 Prozent.“

"Wer kriegt die denn?", fragte der Blogger, der nach eigenen Angaben einen Rentenanspruch von 6,30 Euro hat.

„Der Selbständige zahlt sein ganzes Leben lang Steuern in die Rentenkasse ein und kriegt am Ende genau gar nichts raus“, sagt Lobo. Dauderstädt wehrt sich: So ginge es auch den Beamten.

"Also um die Beamten mache ich mir wahnsinnig wenig Sorgen!“, höhnt Lobo.

„Die zahlen aber auch ein und kriegen auch nichts raus", räumte Dauderstädt ein.

Der Blogger will die Rentenmisere mit einem radikalen Vorschlag lösen. "Ich bin überzeugt, dass wir eine steuerfinanzierte Rente brauchen, in die alle einzahlen, aber auch alle wieder etwas herausbekommen. Unser Ziel muss die Abschaffung der Existenzangst sein", fordert Lobo.

Von den anderen Talkgästen war Manuela Schwesig, die SPD-Ministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend die Bekannteste. Ihrer Partei wird vorgeworfen, mit den Arbeitsmarktreformen aus der Ära Rot-Grün das Rentensystem erst so richtig in Schieflage gebracht zu haben.

Dazu passend: So denken 5 junge Deutsche über ihre Rente: "Fühle mich verarscht"

Schwesig verteidigte die Beamten auf die persönliche Tour: "Mein Neffe ist Polizist, der muss auf die Straße, muss Fußballspiele absichern, wo irgendwelche Vollidioten sich prügeln, und die müssen dann oft ihre Rübe hinhalten. Die sind nicht überbezahlt!“

Aber auch sie muss zugeben, dass die komfortablen Beamten-Pensionen "auf Dauer keine Akzeptanz finden" würden in der Bevölkerung.

Länger arbeiten, selbst vorsorgen?

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, gab die Rolle des Spielverderbers. Der 30-Jährige verblüfft mit der Einschätzung: "Bei der Rente haben wir nicht die Probleme, die gerade beschrieben werden."

Man müsse "wegkommen von der Mentalität, dass der Staat sich um alle kümmert", sagt er. Lösungen wie die Lebensleistungsrente seien nicht finanzierbar. Daher: Länger arbeiten, selbst vorsorgen.

Angesichts des Schicksals der Reinigungsfachkraft und Gewerkschafterin Carla Rodrigues-Fernandes wirkte das wie Hohn. Sie erklärte mehrmals, dass bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro schlicht nichts zum Zurücklegen übrigbleibt.

"Es ist menschenverachtend, dass du dein ganzes Leben lang arbeitest und genau weißt, am Schluss hat du gar nichts davon", klagte sie.

Ziemiak ignoriert das. Natürlich betonte er zusammen mit seiner Politik-Kollegin Schwesig, dass sie "überhaupt kein Problem" damit hätten, als Politiker selbst in die Kasse einzuzahlen, anstatt Beamten-Privilegien zu genießen.

Beide wissen natürlich, dass sich Lobo eher seinen Irokesen abrasiert, als dass die Bundestagsabgeordneten ihre Privilegien abschaffen.

Nachtrag: Die Redaktion hat nachträglich noch einige Fehler aus dem Text entfernt.
Nachtrag 2: Mittlerweile hat auch Lobo über die Sendung und die anschließende Berichterstattung geschrieben.

(jkl)

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