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Terror-Angst im EM-Sommer: Europa wird zur Hochsicherheitszone

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POLICE FRANCE EURO
Ein französischer Polizist bei einer Terrorübung vor dem Stadion in Lille | DENIS CHARLET via Getty Images
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Fast genau drei Wochen sind es noch bis zur Fußball Europameisterschaft in Frankreich. Und spätestens, seit Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag seinen vorläufigen EM-Kader bekannt gab, ist auch hierzulande das "EM-Fieber" in vollem Gange.

Doch je näher dass Eröffnungsspiel am Abend des 10. Juni zwischen Frankreich und Rumänien in der Pariser Vorstadt Saint-Denis rückt, wächst die Sorge der Sicherheitsbehörden, dass sich Ereignisse wie die Anschlagsserie vom 13. November 2015, als die Terroristen auch das Fußballspiel zwischen Frankreich und Deutschland ins Visier nahmen, wiederholen könnten.

Die französische Regierung warnt seit Monaten vor einer erhöhten Terrorgefahr. Ziele gebe im Land genug, ob während der insgesamt 51 Spiele in den zehn Stadion oder während der im ganzen Land stattfindenden Public-Viewings.

Das muss man über die tatsächliche Terror-Gefahr im Sommer und die Sicherheitsvorkehrungen wissen:

1. Frankreichs Regierung hat den Ausnahmezustand verlängert

Seit den Anschlägen vom vergangenen November herrscht im ganzen Land ein Ausnahmezustand. Am Donnerstag beschlossen Nationalversammlung und Senat in Paris, diesen auf Bestreben der Regierung und gegen den Protest von Bürgerrechtsorganisationen über die EM und die Anfang Juli beginnende Tour de France hinaus zu verlängern.

Die Behörden können so ohne Richterbeschluss Hausarrest verhängen und die Bewegungsfreiheit einschränken. Hausdurchsuchungen ohne richterliche Anordnung sollen anders als bisher nicht mehr möglich sein. Kritiker hatten der Regierung wiederholt Unverhältnismäßigkeit bei den eingesetzten Mitteln vorgeworfen.

2. In den EM-Austragungsorten wird aufgerüstet

Die Anschläge von Paris und Brüssel hatten gezeigt, wie angreifbar das Massenevent in diesem Sommer sein wird. Frankreichs Präsident François Hollande versprach für die EM "maximale Sicherheit". Rund um die Austragungsorte arbeiten die Sicherheitskräfte auf Hochtouren.

Nach Angaben von EM-Chef Jaques Lambert sind pro Spiel etwa 900 private Sicherheitsleute im Einsatz, 30 Prozent mehr als sonst üblich. Insgesamt haben die Veranstalter 10 000 private Sicherheitskräfte engagiert. Was die Fans erwartet, zeigte die Begegnung der Franzosen gegen Italien Ende März im Stade de France, das erste Fußball-Länderspiel dort nach den blutigen Anschlägen. Jeder Besucher musste durch doppelte Sicherheitskontrollen statt sonst nur einer.

3. Auch das BKA warnt vor Anschlägen

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ist auch das Bundeskriminalamt in erhöhter Alarmbereitschaft. Frankreich stehe "nicht zuletzt aufgrund der französischen Kolonialgeschichte in Nordafrika, des militärischen Engagements in Mali sowie der militärischen Unterstützung im Kampf gegen den selbsternannten Islamischen Staat im Irak und Syrien fortlaufend im besonderen Fokus islamistisch motivierter Täter", heißt es demnach in einem internen BKA-Bericht.

4. Die deutsche Nationalmannschaft ist ein mögliches Ziel

Auch die Fußball-Nationalmannschaften selbst seien gefährdet. "Ein erfolgreicher Anschlag auf Mannschaften von 'Kreuzfahrernationen', zu denen Deutschland ebenfalls gezählt wird, hätte dabei besondere Signalwirkung", hieß es in dem Bericht der Zeitung. Mit "Kreuzfahrer" seien im Sprachgebrauch der IS-Dschihadisten christlich geprägte, westliche Staaten gemeint, die sich am Kampf gegen die Terrormiliz beteiligen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte dazu keine Stellung nehmen. Aus der DFB-Zentrale hieß es lediglich, das BKA-Papier enthalte bekannte Sachverhalte und bedeute keine neue Sicherheitslage. Erst vor eineinhalb Wochen hatte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff gesagt, nach den Pariser Anschlägen vom vergangenen November seien die Sicherheitsmaßnahmen für die EM noch einmal merklich ausgeweitet worden.

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(lp)