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Erziehungsbedingte Angst: 6 Wege, wie Eltern ängstliche Kinder erziehen

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ANGST KINDER
Wenn Eltern ängstliche Kinder erziehen | Gettystock/Canva
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Seit Jahren stellen Wissenschaftler auf der ganzen Welt fest, dass Kinder in westlichen Industrieländern immer ängstlicher werden. Die Gründe dafür sind sehr komplex und haben die verschiedensten Ursachen, die noch nicht vollständig erforscht sind.

Eine Beobachtung drängt sich allerdings auf: Im Gegensatz zu der Generation unserer Eltern und Großeltern haben Kinder heute einen viel höheren Stellenwert in der Gesellschaft. Ihr Wohlergehen ist für Eltern in der Mittelpunkt gerückt. Das hat viele Vorteile, aber eben auch Nachteile, erklärt Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge:

“Auf der einen Seite wollen sehr selbständige Kinder haben, gleichzeitig wird diese Selbständigkeit aber eingeschränkt, indem man die Kinder stets im Blick hat, sie ständig umsorgt, sie hegt und pflegt. Da spüren Kinder die elterliche Unsicherheit.”

Fest steht, dass Eltern durch ihr Verhalten und ihre Erziehung einen erheblichen Einfluss auf die psychische Entwicklung ihrer Kinder haben. Doch woher weiß man, welche Angst bei einem Kind normal ist und wann man etwas ändern muss?

Kindliche Ängste sind völlig normal

Dass Kinder in bestimmten Lebensphasen Ängste durchstehen, ist völlig natürlich. Angst ist Bestandteil unseres Lebens und ein natürlicher Schutzmechanismus. Während Kinder heranwachsen, ist es Aufgabe der Eltern, ihren Kindern dabei zu helfen, sie zu bewältigen oder mit ihnen umzugehen.

Um natürliche Urängste von anerzogenen zu unterscheiden, benutzen Psychologen die Begriffe erziehungsbedingte und entwicklungsbedingte Angst.

Entwicklungsbedingte Angst

Entwicklungsbedingte Ängste treten in verschiedenen Lebenszyklen von Kindern auf. Eine der ersten, mit der sie konfrontiert werden, ist die Kontakt-Verlust-Angst. Später folgen zum Beispiel Trennungsängste und die Angst vor dem Tod.

“Mit jedem Reiseschritt den ein Kind macht, mit jedem Übergang, den ein Kind vollzieht, tauchen ganz automatisch Ängste auf”, erklärt Rogge.

“Es ist wichtig zu begreifen, dass die Angst einen Teil der gesunden Entwicklung ausmacht und dass es im eigentlichen Sinne nicht gesund ist, Kinder angstfrei aufwachsen zu lassen.”

Manchmal kommt es aber auch vor, dass Eltern durch ihr Verhalten Ängste bei ihren Kinder entstehen lassen. Insbesondere dann, wenn sie zu Überfürsorglichkeit neigen.

Erziehungsbedingte Angst

Auch erziehungsbedingte Ängste können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Hier sind 6 Verhaltensweisen von Eltern, die Kindern Angst machen:

1. Überfürsorglicher Erziehungsstil

Kinder von überfürsorglichen Eltern haben häufig Schwierigkeiten, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Deshalb sind sie auch anfälliger für Ängste. Denn ein Kind, das keine Risiken eingehen darf, kann nicht erleben, was echte Gefahr bedeutet, wie man ein Risiko richtig einschätzt und wo die eigenen Grenzen liegen.

Forscher der University of British Columbia sind sogar zu dem Schluss gekommen, dass es für die kindliche Entwicklung extrem wichtig ist, sich hin und wieder in Gefahr zu begeben. Sie empfehlen Eltern dringend, ihre Kinder zeitweise unbeaufsichtigt spielen zu lassen.

2. Die eigenen Ängste weitergeben

Eltern, die selbst ängstlich sind, übertragen ihre Sorgen häufig auf ihre Kinder. Das passiert ganz automatisch, weil Kinder sich am Verhalten ihrer Eltern orientieren und daraus lernen.

“Nicht jedes Kind angstkranker Eltern entwickelt Probleme, aber es ist bekannt, dass Kinder von Eltern mit Angststörungen häufiger seelische Probleme haben als Kinder, deren Eltern nicht unter Angst leiden", sagt Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Vorstand des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V. in einer Pressemitteilung.

Das ist problematisch, weil ängstliche Eltern ihre Kinder häufig davon abhalten, wichtige Erfahrungen zu machen, die ihnen helfen, mit den eigenen Ängsten umzugehen.

3. Falsch loben

Manchmal kann ein Lob, das eigentlich motivieren und anregen soll, auch das Gegenteil bewirken. Ein Kind, dem zum Beispiel immer wieder gesagt wird, dass es besonders intelligent ist, kann schnell das Gefühl bekommen, keine Kontrolle über diese Eigenschaft zu haben.

Es begreift nicht, wie es die Intelligenz verbessern kann, merkt aber gleichzeitig, dass es viele Dinge gibt, die es nicht weiß. Viele entwickeln eine unterschwellige Angst, dass die Eltern merken könnten, dass sie doch nicht so schlau sind wie gedacht. Sie haben Angst, zu versagen.

4. Zu hohe Erwartungen haben

In ihrem Bestreben, perfekte kleine Erwachsene aufzuziehen, erwarten einige Eltern Höchstleistungen von ihren Kindern. In der Schule selbstverständlich, aber auch im Ballett- oder Geigenunterricht. Auch wenn Kinder in allem gut sind, kann eine hohe Erwartungshaltung sie extrem unter Druck setzen.

Es gibt eine feine Grenze dazwischen, ein Kind zu ermutigen, das Beste zu geben, und es mit den Erwartungen der Erwachsenen zu erdrücken. Ermutigung und Unterstützung fördern das Beste in einem Kind zu Tage, es aber zu sehr anzutreiben, kann zu emotionalen Problemen wie Ängstlichkeit führen.

5. Mit Worten verletzen

Worte können sehr tiefe Narben hinterlassen. Tiefer sogar, als körperliche Blessuren. Emotionaler Missbrauch kann in den verschiedensten Facetten auftreten. Und oft haben Eltern dabei gar nicht die Absicht, ihrem Kind zu schaden.

Der Satz “Guck mal, wie toll deine Schwester das macht”, ist beispielsweise kein Satz, mit dem Eltern bewusst versuchen, zu verletzen. Aber für einen Siebenjährigen kann er Frustration bedeuten, Versagensängste auslösen und das Selbstbewusstsein schwächen.

Genau so ist es mit dem Spruch: "Sei kein Baby! Andere Kinder können das auch." oder "Du bist so ein Quälgeist" - die Kraft dieser Worte wird sehr häufig unterschätzt.

6. Eigene Ängste verbergen

Kinder bekommen viel mehr mit als man denken könnte. Sie spüren die Ängste ihrer Eltern, spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Die eigenen Ängste vor dem Kind zu verbergen, kann zu noch größerer Unsicherheit führen.

Natürlich will man seinem Kind keine Last aufbürden. Aber es schadet nicht, ehrlich über Sorgen zu sprechen und vor allem darüber, was man tut, damit sie wieder verschwinden.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“ möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

Du willst, dass dein Kind ein Genie wird? Dann gib ihm einen dieser Namen!