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Produktiver und glücklicher: Welche Wirkung Home Office auf euer Wohlbefinden hat

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Produktiver und glücklicher: Welche Wirkung Home Office auf euer Wohlbefinden hat | Getty/HuffPost
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  • Viele Arbeitnehmer sind von zu Hause aus tätig - auch in Deutschland
  • Doch Chefs haben häufig Vorbehalte gegen das Home Office
  • Eine neue Studie zeigt aber nun, dass das Arbeiten von zu Hause viele Vorteile bringt

Die Arbeitswelt wird immer schneller, immer vernetzter. Jemand, der in Indien arbeitet, kann über Skype problemlos an einer Konferenz in New York teilnehmen. Laptop und Smartphone machen es möglich, zu jeder Zeit überall erreichbar zu sein - und von jedem Ort der Welt zu arbeiten.

In einigen Branchen ist es bereits gang und gäbe, von zu Hause aus oder an einem mobilen Arbeitsplatz seiner Tätigkeit nachzugehen.

Viele Chefs haben jedoch noch immer Vorurteile gegen das Home Office. Sie gehen davon aus, dass ihre Angestellten fauler sind, weniger konzentriert arbeiten und schlechter zu erreichen sind, wenn sie nicht direkt ihrer räumlichen Kontrolle unterliegen.

91 Prozent der Studienteilnehmer sind im Home Office produktiver

Wie eine aktuelle Umfrage nahelegt, ist diese Befürchtung allerdings unbegründet. Angestellte, die von zu Hause oder einem Ort ihrer Wahl arbeiten, sind demnach ihrer eigenen Einschätzung nach nicht weniger effizient. Im Gegenteil: Überwältigende 91 Prozent der Teilnehmer gaben an, produktiver zu sein, wenn sie nicht vom Büro aus arbeiteten.

Für die Erhebung befragte das amerikanische Marktforschungs-Startup Tinypulse 509 Angestellte hauptsächlich im Alter zwischen 25 und 44 Jahren, die ausschließlich im Home Office arbeiten. Ihre Antworten verglich das Startup mit denen von 200.000 Angestellten im klassischen Büro-Umfeld.

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Credit: Gettystock

Der hohe Wert ist auch für die Autoren der Studie überraschend. “Das ist eine Größenordnung, die Chefs und Manager aufhorchen lassen sollte”, schreiben Datenanalyst Cody Likavec und sein Team in dem Paper zur Umfrage.

Auch die Zufriedenheit mit dem Job steigt

Doch nicht nur auf ihre Produktivität hat es laut den Teilnehmern einen positiven Einfluss, wenn sie von zu Hause aus arbeiten. Auch die Zufriedenheit mit dem Job war bei den Probanden im Home Office weit höher als bei Angestellten, die den ganzen Tag im Büro saßen.

Die Frage, wie glücklich sie bei der Arbeit seien, beantworteten die Home-Office-Arbeiter auf einer Skala von eins bis zehn im Schnitt mit 8,1. Bei den anderen lag der Wert nur bei 7,4. Außerdem: Wer von zu Hause aus arbeitet, fühlt sich laut der Studie von seinen Vorgesetzten mehr wertgeschätzt (7,75 gab der Durchschnitt auf der Skala an) als die Kollegen im Büro (6,69).

Sicherlich, die Ergebnisse beruhen auf der subjektiven Selbsteinschätzung der Angestellten im Home Office. Das gibt auch der Arbeitsforscher Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitsforschung und Organisation (IAO) zu bedenken.

Allerdings zeigen auch seine Forschungen und Umfragen in Unternehmen, dass das Home Office der Leistung der Arbeitnehmer nicht mindert - schon allein, weil sie bei der Arbeit zu Hause im Schnitt zufriedener und auch motivierter sind.

Hinzu kommt: Das IAO kommt in einer Studie zu ähnlichen Ergebnissen wie die Umfrage von Tinypulse. Die Fraunhofer-Forscher stellten in einer Umfrage unter 6000 Teilnehmern ebenfalls positive Zusammenhänge zwischen einer selbstbestimmten Arbeitsweise und den Faktoren Wohlbefinden, Motivation und Leistung fest.

“Fernbetreuung ist meistens aufwändiger”

“Es macht aber einen großen Unterschied, ob die Angestellten sich freiwillig für ein selbstbestimmtes Arbeiten entscheiden oder ob sie dazu gezwungen sind”, sagt Rief der Huffington Post.

Während Arbeiten an einem Ort der Wahl für die meisten Angestellten eine Bereicherung darstellt, ist dieses Arbeitsmodell laut Rief für die Führungskräfte eher belastend. “Zum einen müssen Sie einschätzten können, wer für ein selbstbestimmtes Arbeiten geeignet ist und wer nicht”, sagt der Arbeitsforscher. “Fernbetreuung ist meistens aufwändiger.”

Und Rief gibt auch zu bedenken: “Die meisten kreativen Ideen entstehen im persönlichen Austausch.” Der leide automatisch, wenn nicht alle aus dem Team am selben Ort arbeiteten. “Wann hatten Sie das letzte Mal eine gute Idee auf Instagram oder auf Facebook?”, fragt er.

In den USA sind flexible Arbeitszeitmodelle und Home Office schon weit verbreiteter als in Deutschland. Der Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom Dieter Kempf aber ist überzeugt, dass auch hier ein Umdenken stattfindet. Dazu passt auch eine Umfrage, die sein Verband kürzlich durchführte.

Rund jedes vierte Unternehmen geht laut der Umfrage davon aus, dass die Arbeit von zu Hause aus zunehmen wird. Für die Studie wurden 1500 Geschäftsführer und Personalleiter befragt. “Viele Unternehmen werden sich umstellen müssen”, sagte Kempf dazu der dpa. Vor allem gut ausgebildete Hochschulabsolventen erwarteten inzwischen ein flexibles Arbeiten, auch von zu Hause aus.

Deutsche Unternehmen bieten auch bereits alternative Modelle

In der Tat: Viele Arbeitgeber bemühen sich auch in Deutschland bereits, ihren Angestellten alternative Modelle anzubieten. Der Technikkonzern Bosch hat im vergangenen Jahr eigens eine Betriebsvereinbarung dazu geschlossen, selbst in der Fertigung werden familienfreundliche Schichten angeboten.

Daimler will in diesem Jahr seine Mitarbeiter befragen, um sein Angebot an flexiblen Arbeitszeitmodellen - zumindest außerhalb der Produktionshallen - auszubauen. Der Softwarekonzern Microsoft setzt seit Jahren auf möglichst wenig starre Regeln. Dort nutzen inzwischen mehr als 90 Prozent der 3000 Mitarbeiter räumlich oder zeitlich flexible Arbeitszeitmodelle.

Laut einer Untersuchung des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) an der Uni Bamberg unter den 1000 größten Unternehmen in Deutschland gelten flexible Arbeitszeitmodelle und Home Office neben Weiterbildung als Top-Maßnahme gegen Probleme bei der Besetzung neuer Stellen.

Wer von zu Hause aus arbeitet, teilt sich tendenziell auch die Arbeitszeit freier und unkonventioneller ein. Das hat nicht nur Vorteile - vor allem für die Angestellten selbst.

Mehr Überstunden bei eigenständiger Arbeit?

Analysen von Daten aus Deutschland und Europa zeigen: Wer selbst entscheiden kann, wann er arbeitet, häuft oft weit mehr Überstunden an. Flexible Arbeitszeiten führten eher zu Arbeitsintensivierung als zu Entlastung, beobachtet auch Yvonne Lott, Arbeitsmarktforscherin bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Insbesondere Menschen, die sich stark mit ihrem Job identifizieren, seien gefährdet. “Die Debatte verschiebt sich wieder in Richtung Kontrolle”, sagte Lott der dpa.

“Am Schluss hängt es von mehreren Faktoren ab, ob das Modell funktioniert”, glaubt Arbeitsforscher Rief. “Die Lebensphase spielt dabei eine wichtige Rolle. Sobald jemand Kinder hat, ändert sich seine Entscheidungsgrundlage komplett.” Auch die Frage, ob diese Form des Arbeitens zum eigenen Charakter passe, müsse jeder für sich ehrlich beantworten.

“Ich wünsche mir, dass deutsche Unternehmen ihren Angestellten die Möglichkeit geben, verschiedene Modelle auszuprobieren”, sagte Rief der Huffington Post. Das erfordere Flexibilität - von beiden Seiten. “Auch der Vorgesetzte muss das Gefühl haben, dass er die Situation ändern kann, wenn er mit der Leistung seines Mitarbeiters nicht zufrieden ist.”

Ausprobieren hält auch die Microsoft-Personalchefin Elke Frank für den besten Ansatz. “Virtuelles Arbeiten wird nicht in die Wiege gelegt. Das muss man lernen”, sagte sie gegenüber der dpa.

“Die Kommunikation muss passen”

Von Kontrolle will sie aber nichts wissen, stattdessen sieht sie drei Bedingungen, dass die neue Arbeitswelt funktioniert. “Klare Zielvereinbarung, klare Regeln und die Kommunikation muss passen.” Es brauche feste Zeiten, in denen sich das Team und Vorgesetzte auch in der Realität treffen können. Denn ohne persönlichen Kontakt - auch ein Ergebnis der Arbeitsmarktforscher an der Uni Bamberg - wird ständige Abwesenheit als Risiko für die Karriere gewertet.

“Es gibt bei mir keinen Preis dafür, wer am schnellsten auf eine E-Mail antwortet”, sagt Frank. Entscheidend sei das Ergebnis. Auch die Führungskräfte müssten neue Verantwortlichkeiten erlernen:

“Wenn mir ein Kollege immer um 23 Uhr eine E-Mail schreibt, muss ich fragen: Warum?” Stattdessen trainiere man Eigenverantwortung: “Die Mitarbeiter müssen auch mal mutig sein und offline gehen.”

Auch bei Bosch setzt man auf Selbstmanagement. “Ziehen Sie klare Grenzen der Erreichbarkeit”, heißt es in Handlungsempfehlungen für die Mitarbeiter. Der Technikkonzern rät seinen Mitarbeitern, den eigenen Arbeitsrhythmus zu analysieren. “Nutzen Sie die Flexibilität der Arbeitszeit und finden Sie heraus, zu welcher Tageszeit Sie am produktivsten arbeiten können.”

“Aus meiner Sicht kann sich das keine Firma mehr leisten"

Schließlich warnt man bei Bosch sogar: Nicht jeder eigne sich für flexibles Arbeiten. “Seien Sie ehrlich zu sich selbst.” Flexibles Arbeiten sei keine Pflicht, sondern ein Angebot, sagt ein Sprecher der dpa. Beutet sich der Mitarbeiter zu sehr aus, soll der Vorgesetzte die Reißleine ziehen: Führungskräfte hätten auch die Möglichkeit, mobiles Arbeiten zu verbieten, wenn die Leistung nachlasse oder der Mitarbeiter überfordert sei.

Aufzuhalten ist der Trend nach Einschätzung von Arbeitsmarkforscherin Lott allerdings trotzdem nicht. Angesichts neuer Belastungen durch pflegebedürftige Eltern nehme das Bedürfnis nach freier Zeiteinteilung eher zu. Auch Microsoft Personalerin Frank geht davon aus, dass die Stechuhr irgendwann der Vergangenheit angehört. “Aus meiner Sicht kann sich das keine Firma mehr leisten.”


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(ben)