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Meine Freunde haben mich verlassen - was dieses Missbrauchsopfer zu sagen hat, geht uns alle an

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DAMIEN
Meine Freunde haben mich verlassen - was dieses Missbrauchsopfer zu sagen hat, geht uns alle an | Damien Instagram
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Sie war erst elf Jahre alt. Ein junges Mädchen. Wie so viele in ihrem Alter unsicher, sensibel, schüchtern.

Eine Zeit im Leben eines wohl jeden Menschen, die nicht einfach ist. Man versucht herauszufinden, ganz zaghaft, wer man ist. Hat mit den Veränderungen des Körpers alle Hände voll zu tun. Nicht zu vergessen die Mitmenschen, genauer: Mitschüler, die es einem oftmals nicht unbedingt leicht machen.

Internet-Hass

So ging es auch Jessi Slaughter. Doch Jessi hatte nicht mit den ganz gewöhnlichen Schwierigkeiten eines jungen Mädchens zu kämpfen. Nein. Denn Dank des Internets wurden daraus Riesen-Schwierigkeiten. Nicht nur Schwierigkeiten, sondern handfester Missbrauch.

Irgendwie, dies lässt sich nachträglich ja oftmals schwer nachvollziehen, waren Gerüchte entstanden, sie hätte mit einem 25-Jährigen geschlafen. Online wurde Jessi daraufhin beschimpft und belästigt. Denn klar: Warum nicht? Wenn es so einfach ist, den eigenen Hass auf andere Menschen abzukübeln, dann macht man das halt. Internet.

Was das mit Jessi machte? War ihnen offenbar egal.

Nur einem war das nicht egal, Jessis Vater. Der verzweifelte Mann wollte seine Tochter schützen, ihr beistehen. Und er wählte eine vielleicht naheliegende, aber gänzlich ungünstige Option dafür.

Denn er stellte ein Video online. In dem Video sieht man seine schluchzende Tochter und ihn, wie er die "Cyber Bullies" beschimpft und sie bittet, seine Tochter endlich in Ruhe zu lassen. Der Mann ist aufgebracht, viele Passagen des Videos wirken ungelenk, überemotional, ungeschickt.

Video ging viral

Das Video, welches eigentlich Mitleid für Jessi hervorrufen könnte, funktionierte also genau nach einem anderen Muster: Jetzt wurde die Häme erst recht ausgeschüttet.

Millionen Menschen sahen es auf Youtube. Und machten sich darüber lustig. Jessi wurde zum Meme, Dutzende Videos und Fotos von ihr fluteten das Netz. Ihre Familie fand sich sogar im Frühstücksfernsehen wieder.

Jessis Leben veränderte sich nicht nur online - heute sagt sie, in einem Interview mit "The Independent": "Alle meine Freunde haben mich verlassen. Sie haben Essen nach mir geworfen, ich wurde geschlagen. Ins Gesicht und auf die Brust."

"Menschen haben Gefühle. An der anderen Seite deines Internet-Zugangs sitzt ein Mensch, den du verletzen kannst."

Jessi nennt sich mittlerweile Damien Leonhardt, sie ist 17 Jahre alt und hat immer noch mit den Auswirkungen des damaligen Missbrauchs zu kämpfen.

Lobster cat witch boy

Ein von Damien Rose Leonhardt (@degrotesquedami) gepostetes Foto am


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(lk)