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Anschlag, Entführung, Verschwinden: Was der dritte Luftfahrts-Vorfall in wenigen Monaten für Ägypten bedeutet

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EGYPTAIR AIRBUS A320
EgyptAir Airbus A320 | AP Photo/Kevin Cleynhens
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  • Zum dritten Mal binnen weniger Monate trifft ein Zwischenfall Ägyptens Luftfahrt
  • Der Verbleib der Egyptair-Maschine mit der Flugnummer MS804 bleibt zunächst unklar
  • Doch Auswirkungen dürfte auch das Land am Nil zu spüren bekommen

Zum dritten Mal binnen weniger Monate trifft ein Zwischenfall Ägyptens Luftfahrt. Der Verbleib der Egyptair-Maschine mit der Flugnummer MS804 bleibt zunächst unklar. Doch Auswirkungen dürfte auch das Land am Nil zu spüren bekommen.

Vermutlich wieder eine Flugzeugkatastrophe - und wieder trifft es Ägypten: Erst vor rund einem halben Jahr explodierte über der Sinai-Halbinsel eine Bombe in einem russischen Ferienflieger und riss 224 Menschen in den Tod.

Ende März entführte ein Mann mit Sprengstoffattrappe eine Maschine der Fluggesellschaft Egyptair nach Zypern. Am Donnerstag dann der nächste Zwischenfall: Egyptair-Flug MS804 verschwindet über dem Mittelmeer vom Radar.

Auch wenn die genauen Hintergründe zunächst unklar bleiben und die Maschine dieses Mal nicht in Ägypten, sondern in Paris startete: Die Folgen für das Image des Landes dürften erneut schwerwiegend sein.

Ägypten ist vom Tourismus abhängig - und der steckt in der Krise

Ägypten war gerade dabei, seine in die Kritik geratene Flugsicherheit zu verbessern. Und damit den für das Land ungemein wichtigen Tourismus wiederzubeleben.

Die kriselnde Wirtschaft des Landes ist maßgeblich von Urlaubern abhängig. Der Tourismus macht mindestens elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Fast 2,9 Millionen Arbeitsplätze sind nach jüngsten Angaben direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig - und damit etwa jeder neunte Beschäftigte.

Die Zahl der Gäste war bereits 2013 deutlich zurückgegangen: Es kamen 9,2 Millionen Menschen. 2010 - vor den Umbrüchen durch die arabischen Aufstände und politscher Instabilität - waren es noch mehr als 14 Millionen gewesen.

Dramatischer Einbruch nach dem Bombenanschlag über der Halbinsel Sinai

Auf Machthaber Husni Mubarak folgte 2012 der islamistische Präsident Mohammed Mursi, der 2013 vom Militär gestürzt wurde und seit 2014 vom autoritären Regime Abdel Fattah al-Sisis ersetzt wurde.

Nach dem Bombenanschlag auf das Flugzeug über dem Sinai im Herbst 2015 brachen die Buchungen dann dramatisch ein. Der Gouverneur des Südsinai sprach Anfang des Jahres von monatlich 230 Millionen Euro, die dem Land durch ausbleibende Buchungen verloren gingen.

Dabei dürfte auch die allgemeine Terrorgefahr in Teilen des Landes eine Rolle spielen. Im Norden des Sinai liefert sich ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) heftige Kämpfe mit der Armee.

Investitionen in Flugsicherheit sollten sich auszahlen

Zuletzt jedoch äußerten sich Hotel- und Restaurantbesitzer wieder positiver. "Wir haben das Licht am Ende Tunnels gesehen", sagt Peter-Jürgen Ely, der ehemalige deutsche Honorarkonsul in der deutschen Urlauberhochburg Hurgada am Roten Meer.

Denn die unter massivem Druck stehenden Ägypter handelten und investierten in die Flugsicherheit. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte diese noch vor wenigen Wochen als "stark verbessert" bezeichnet.

Vor wenigen Tagen hob das Bundesverkehrsministerium Gepäckeinschränkungen für Flüge vom Badeort Scharm el Scheich nach Deutschland auf - Reiseveranstalter werden das Ziel wohl bald wieder direkt anfliegen.

Auch Russland sendete zuletzt Signale, dass es die momentan bestehenden Verbote für Direktverbindungen in die beliebten Urlaubsorte des Landes aufheben werde.

Neueste Ereignisse könnten Hoffnungen wieder trüben

Ob das Schicksal des Fluges MS804 diese positive Tendenz wieder zunichte machen wird, ist zunächst nicht abzusehen. Klar dürfte aber sein, dass Urlauber Ägypten wieder einmal mit schlechten Nachrichten statt mit schönen Stränden und Pharaonen in Verbindung bringen werden.

Selbst dann, wenn ein möglicher Absturz weit entfernt von ägyptischer Verantwortlichkeit liegen würde. "Es ist schon schlimm, dass das jetzt wieder unter dem Stichwort 'Ägypten' läuft", klagt Peter-Jürgen Ely.

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(lk)