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Jeder zweite abgelehnte Asylbewerber noch nicht abgeschoben

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FLCHTLINGE
Längst nicht alle abgelehnte Asylbewerber verlassen Deutschland | Getty
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  • Nur die Hälfte der in den vergangenen zwei Jahren abgelehnten Asylbewerber hat Deutschland wieder verlassen
  • Etwa 28.000 Flüchtlinge warten seit mehr als zwei Jahren auf ihre Asylentscheidung
  • Die Linke kritisiert das Vorgehen der Bundesregierung als "unzumutbar"

Auf dem Papier klingt alles so einfach: Abgelehnte Asylbewerber sollen nach dem Willen der Gesetzgeber Deutschland wieder verlassen und in ihre Heimat zurückkehren.

Die Realität sieht allerdings anders aus: Nur die Hälfte aller 2014 und 2015 rechtskräftig abgelehnten Asylbewerber haben Deutschland bis zum 31.12.2015 wieder verlassen. Dies geht nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" aus einer kleinen Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag an die Bundesregierung hervor.

Unterschiede zwischen den Bundesländern

Bundesweit liege die Quote bei 51 Prozent. Während in Hessen 68 Prozent aller abgelehnten Asylbewerber abgeschoben wurden, liegt die Quote in Baden-Württemberg nur bei 46 Prozent.

Von der Abschiebung betroffen sind vor allem Asylsuchende aus dem Westbalkan, sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge, die zumeist keinerlei Anspruch auf ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland haben. Migranten aus Syrien, Eritrea oder Staatenlose hätten sehr gute Chancen, Asyl in Deutschland zu bekommen.

Mehr als 400.000 offene Asylanträge

Aus der Anfrage geht zudem hervor, dass bis zum 31. März 28.510 Schutzsuchende seit mehr als zwei Jahren auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag warten. Laut Bundesregierung sind 3808 Verfahren seit mehr als drei Jahren anhängig, 96.655 seit mehr als einem Jahr. Ende März verzeichnete das Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) etwa 410.000 offene Asylanträge.

Ein durchschnittliches Asylverfahren würde laut der Bundesregierung etwa sechs Monate dauern. Dennoch gibts auch hier große Unterschiede. So müssten etwa afghanische Flüchtlinge 15 Monate auf die Bearbeitung ihres Antrags warten, Eritreer circa zwölf, Iraner 17 und Migranten aus Pakistan gar beinahe 19 Monate.

"Für die Betroffenen unzumutbar"

Als "völlig inakzeptabel" kritisiert die Linke die unterschiedlich langen Bearbeitungszeiten. "Unter den Schutzsuchenden sind viele mit guten Anerkennungschancen. Das ist völlig inakzeptabel und für die Betroffenen unzumutbar", sagte die innenpolitische Sprecherin der Linkspartei, Ulla Jelpke, der „Welt“.

Viele Flüchtlinge aus Afghanistan würden auf Grund der langen Wartezeiten wieder in ihre Heimat zurückkehren. "Sie begeben sich notgedrungen zurück in die Gefahr, vor der sie ursprünglich geflohen sind, um dort ihren Familien beistehen zu können", sagte Jelpke.

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