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Liebe Wessis: Es ist peinlich, wie arrogant ihr auf die Aufstiegsfeier von RB Leipzig reagiert

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RB LEIPZIG
Liebe Wessis: Es ist peinlich, wie arrogant ihr auf die Aufstiegsfeier von RB Leipzig reagiert | Getty
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In Leipzig ist am Montag etwas Bemerkenswertes passiert.

20.000 Menschen feierten auf dem Marktplatz den Aufstieg von RB Leipzig in die Fußball-Bundesliga. Drei Stunden lang dauerte die wohl größte ostdeutsche Fußballparty dieses Jahrzehnts, zu der beinahe doppelt so viele Besucher kamen wie zur Meisterfeier des FC Bayern München.

Die Stimmung war fröhlich bis ausgelassen. Keine Spur von dem im ostdeutschen Fußball angeblich so dominanten Dumpfbackentum, das in Gestalt von Bomberjackenträgern und Kampfsportfetischisten wie eine Horde Untoter durch die Hirne der bundesdeutschen Fußballszene spukt.

Dämlicher Scherz der DDR-Band Silly

Es wäre ein Grund für ganz Deutschland gewesen, sich zu freuen: In Leipzig wächst etwas Neues heran. Eine friedliche, junge Fußballszene, die sich nicht in trotziger Gewalttätigkeit ihre eigene Erfolglosigkeit schön prügelt, sondern selbstbewusst in die Zukunft blickt.

Darüber sollten wir eigentlich heute sprechen.

Stattdessen reden wir darüber, dass die Mitglieder der ostdeutschen Rockgruppe "Silly“ sich einen – dem Bandnamen folgend – ziemlich dämlichen Scherz erlaubt haben. Sie traten in Trikots ostdeutscher Traditionsclubs auf – Sängerin Anna Loos etwa trug ein Jersey des 1966 von der DDR-Führung ins Leben gerufenen Fußballvereins FC Union Berlin.

Spott über die "Dosen-Aufstiegsparty"

Die Message war unschwer zu erkennen: RB Leipzig ist eben kein Traditionsclub. Und deswegen trägt auch kein einziges Bandmitglied (außer dem Drummer) ein Trikot des von Red Bull gesponserten Clubs.

Jetzt könnte man auch darüber nachdenken, warum Frau Loos überhaupt bei der Aufstiegsfeier eines Vereins singt, den sie offenbar so sehr verachtet, dass sie ihn der Lächerlichkeit preisgibt.

Spannender ist es jedoch zu beobachten, wie wieder einmal etliche Nicht-Sachsen auf die Aktion mit Spott und Häme reagierten.

In den sozialen Netzwerken hagelt es besonders aus den westlichen Bundesländern bissige Kommentare: Da wird gegen die "Dosen-Aufstiegsparty“ geätzt und wieder einmal über den "Brauseclub“ hergezogen. "Statement top, Idee top“, gratuliert eine offenbar westfalenaffine Fußballfreundin unter dem Hashtag "Sillygate“ auf Twitter.

Fans müssen mit einem neuen Gesicht Vorlieb nehmen

Offenbar fällt es vielen westlichen Fußballfans immer noch schwer, sich mit dem Gedanken zu arrangieren, dass es bald einen neuen Fußballclub in der Bundesliga geben wird, der mit dem im Profifußball gemeinhin westdeutsch geprägten "Traditions“-Begriff brechen wird.

Wenn westdeutsche Fußballfans an Tradition denken, dann haben sie schwarz-weiße Fernsehbilder im Kopf. Fritz-Walter-Wetter, den Schalker Kreisel. Und später: Hans Tilkowski, Uwe Seeler, Katsche Schwarzenbeck.

Die Bundesliga als solche ist bis heute ein zutiefst westdeutsches Produkt, an dessen Erzählung Vereine wie Hansa Rostock oder Energie Cottbus allenfalls dürre Fußnoten sind.

Bruch mit der westdeutschen Eliteliga

Und weil viele westdeutsche Fußballclubs ohnehin eine längere Geschichte haben, gilt unter den ostdeutschen Fußballfans als "Traditionsverein“, wer sich in den grauen Honeckertagen in der DDR-Oberliga bekriegte. Auch hier passt RB Leipzig als Neugründung nicht rein. Und dennoch ist die Kritik im Osten weniger geworden. Weil der Verein die Chance verkörpert, einer ganzen Region so etwas wie Stolz zu vermitteln.

Allein durch den Einbruch in die elitäre und vor allem westdeutsch dominierte Erstligagesellschaft.

Warum der Zirkus?

Wahrscheinlich ist der deutsche Fußball einfach zu konservativ, um so etwas zu ertragen. Zu reaktionär, um sich mit etwas Neuem zu arrangieren. Wobei, so neu ist das Modell RB Leipzig auch nicht. Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg, Ingolstadt, und schon zu früheren Zeiten: Fortuna Köln, Westfalia Herne oder LR Ahlen – sie alle waren vom Wohl und Wehe ihres Hauptsponsors abhängig. Und sie gaben dafür bisweilen sogar auch ihren Namen.

Was soll der Zirkus also? Am Ende kommt es nicht auf "Tradition“ an, sondern auf die Fankultur. In Wolfsburg haben sie Probleme, ihre Karten für Champions-League-Spiele loszuwerden. Das wird RB Leipzig in einer fußballerisch ausgehungerten Region nicht so schnell passieren.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

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(lp)