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Warum mir Mario Barth wirklich auf den Keks geht

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BARTH
Mario Barth, sie sind eine Gefahr für diese Gesellschaft | dpa
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Es war die Sendung „Genial daneben“. Eigentlich sehr gute Fernsehunterhaltung. Aber er war zu Gast. Er trug ein T-Shirt, das aussah wie das Cover eines Langenscheidt-Wörterbuchs. Darauf stand: Deutsch-Frau, Frau-Deutsch.

Ich war vielleicht 14 Jahre alt. Und ja, ich fand dieses T-Shirt zum Kotzen und den Typen darin unlustig. Das war ein gewisser Mario Barth. Heute der erfolgreichste Comedian Deutschlands.

Für mich ist er: Die Ausgeburt des Bösen. Er zeigt, wie stark sich die Gesellschaft in so manchen Belangen in den letzten 50 Jahren weiterentwickelt hat – nämlich gar nicht.

Mario Barth hat es ganz offensichtlich geschafft, den deutschen Massengeschmack zu treffen. Man braucht keine politische Bildung, kein wirtschaftliches Verständnis, noch nicht einmal einen Sinn für Ironie, um die Witze zu verstehen.

Am Häufigsten muss seine Freundin für einen Gag herhalten


Seine Lieblingsthemen sind Liebe, Sex und Partnerschaft. Daran ist nichts verwerflich, schließlich ist es das Zeitloseste der Welt. Jeder kann mitreden.

Da gäbe es Highlights wie: „Warum gibt es so wenige Frauen beim Comedy? Weil sie 14 Jahre brauchen, um ein Bühnenkleid auszuwählen“.

Oder den hier: „Warum mein bester Freund und Chantal sich getrennt haben? Sie stand vor ihm und sagte: Ich geh zum Fitness. Bauch, Beine, Po. Daraufhin er: Wieso? Davon hast Du genug. Mach doch lieber Brüste.“

Am Häufigsten muss „seine Freundin“ für einen Gag herhalten: „Wenn meine Freundin Schuhe kauft – ich wäre froh, wenn sie solche Geräusche mal beim Sex machen würde“.

Und schon klopfen sich 70.000 Menschen im Berliner Olympiastadion auf die Schenkel. Haben sie den Witz schon einmal gehört? Ja, natürlich. Diese Art von Humor hat nicht Mario Barth erfunden. Wirklich nicht. Er bedient sich aus demselben Fundus, aus dem sich der Stammtisch schon seit 50 Jahren bedient.

Und das ist gefährlich. Das ist ein Spirale des Reaktionären. Mario Barth verbreitet einen Witz, den die Männer (und ja, auch die Frauen) am Stammtisch ganz einfach zitieren können.

Die Runde in der Kneipe wiehert und dann gehen alle gemeinsam zur nächsten Stadion-Tour oder machen den Fernseher an, um denselben Witz noch einmal zu hören. Ja, genau denselben. Und dann verbreiten sie ihn weiter. Und mit ihm das reaktionäre Bild von Frauen, das all diesen Witzen zugrunde liegt.

Das ist der Grund, warum Alltagssexismus eines der größten Probleme der deutschen Gesellschaft ist


Und das ist ein Grund, warum Alltagssexismus eines der größten Probleme der deutschen Gesellschaft ist. Ich rede nicht von der Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz oder von sexueller Gewalt gegen Frauen am Bahnhof.

Nein, ich rede von abschätzigen Wortmeldungen über die Einpark-Fähigkeiten von Frauen. Oder „wo sie hingehören“ und wo nicht. Was man „als Frau“ darf und was nicht.

Vor allem rede ich von Kommentaren in Sozialen Netzwerken. Es ist schon erstaunlich, was sich so mancher Proll zu sagen traut, wenn er sich in der Sicherheit des World Wide Web wiegt.

Da schreibt etwa ein User auf unserer Facebook-Seite über Jennifer Lawrence: „Ich würde sie lutschen... nicht mehr und nicht weniger“. Im Artikel ging es eigentlich um ihre Meinung zu Donald Trump.

Als eine „Tagesthemen“-Sprecherin am Ende der Sendung eine aufrüttelnde Rede gegen den Fremdenhass in Deutschland hielt, wünschte ihr ein Facebook-User, von „einer Horde herumstreunender Nordafrikaner in Mangel genommen zu werden“.

Barth vermittelt das Gefühl, dass es in Ordnung ist, Frauen zu verurteilen, weil sie Frauen sind


Nun mag das sicher eine Stufe über dem Sexismus-Witz von Mario Barth stehen. Aber Menschen wie Barth sagen diesen Trotteln, dass es völlig in Ordnung ist, Frauen zu verurteilen, weil sie... nunja... Frauen sind. Nicht, weil sie etwas falsch gemacht haben oder nicht intelligent sein... Nein, weil sie Frauen sind. Man zweifelt ihr Urteilsvermögen an, weil sie sich ja mehr auf Schuhe oder Klamotten konzentrieren.

Alltagssexismus ist meiner Meinung nach, wenn man einem Menschen eine Fähigkeit abspricht aufgrund seines Geschlechtes. Das macht Mario Barth unter dem Deckmantel der Comedy. Man wird ja wohl noch lachen dürfen.

Und das hört sich dann so an: „Wenn Frauen aufs Klo müssen, dann müssen sie jetzt. Wenn ein Mann auf die Toilette muss, kann er noch von hier bis nach München fahren und sich dann überlegen: Ach, ein Pils nimmste noch, bevor du pullerst.“

Ähm, ja. Und Millionen Deutsche finden das lustig. Besonders Mario Barth, der lacht am meisten.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

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(gw)