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Keine Lust mehr auf Zickenterror? Dann erzieht doch nette Mädchen

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NICE LITTLE GIRL
Adorable little girl with autumn leaves in the beauty park. | Gabriela Tulian via Getty Images
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Früher war die vierte Klasse der Zeitpunkt, ab dem Mädchen Probleme mit dem Führen von Freundschaften entwickelten. Ich habe viele Jahre lang in einer Schule für Kinder mit Lernbehinderungen gearbeitet. Und immer war es in der vierten Klasse, wenn etablierte Freundschaften auf die Probe gestellt wurden. Die Mädchen warfen sich gegenseitig unschöne Bezeichnungen an den Kopf, verbreiteten Gerüchte, verletzten Gefühle.

Und wir Lehrer mussten uns immer mit dem unschönen Ende dieser Streitereien auseinandersetzen, weil prinzipiell zu Unterrichtsbeginn die Tränen flossen, die Augen gerollt wurden und kaum hörbare sarkastische Bemerkungen durch die Bänke gingen.

An manchen Tagen konnten die Mädchen ihre Probleme selbst lösen, und verfeindete Freundinnen waren spätestens mittags, wenn die Schulbusse vorfuhren, wieder unzertrennlich. An anderen Tagen dauerten die Kabbeleien bis nach Schulschluss an.

Es war ein kompliziertes System aus Freundschaften schließen und beenden, und zwar lange bevor soziale Medien dieses Konzept per Mausklick ermöglicht haben. Einige Lehrer waren die ewig wechselnden Grüppchen sowie heulende Mädchen, die sich auf dem Klo einschlossen, anstatt Mathe zu lernen, gründlich leid und baten mich darum, einzugreifen. Und das tat ich dann auch.

Schluss mit dem Zickenkrieg

Ich gründete einen Freundschaftsclub. Zumindest habe ich das Ganze einfach mal so genannt. Einige verdrehten bei diesem Namen die Augen, aber in Wirklichkeit fanden sie die üblichen Spiele in den Pausen langweilig und waren froh, sich einmal pro Woche mit mir in der Bibliothek treffen zu können, um über Freundschaften zu sprechen.

Während wir uns unterhielten, wurde gebastelt oder gespielt, aber den Großteil dieser Zeit nutzte ich, um den Mädchen Mitgefühl und Freundlichkeit zu vermitteln. Denn bereits in der vierten Klasse muss man Kindern diese beiden wichtigen Themen lehren.

Ein paar Wochen nach dem Start der Gruppe passierte etwas Wunderbares. Die Mädchen fingen an, ihre Gefühle miteinander zu teilen. Sie begannen, darüber zu sprechen, was sie bekümmert und was sie glücklich macht. Ein Mädchen brachte einem anderen das Nähen bei. Zwei Mädchen, die dachten, sie hätten nichts gemein, wurden auf einmal dicke Freundinnen.

Als die Mädchen aufhörten, sich gegenseitig zu bewerten, und sich stattdessen zuhörten und Mitgefühl füreinander entwickelten, gingen sie unheimlich gestärkt daraus hervor. Und auf einmal war Schluss mit dem Zickenkrieg, der bis dato ihr seelisches Gleichgewicht und ihre schulischen Leistungen gefährdet hatte. Können Sie sich das vorstellen?

Der Grund für diesen Fortschritt war, dass sich jemand die Zeit genommen hatte, um den Mädchen zu vermitteln, wie man sich in einen anderen Menschen hineinversetzt. Jemand zeigte ihnen, wie man auf bessere Weise Freundschaften knüpft und führt. Natürlich war danach noch lange nicht alles perfekt, und das Ganze dauerte seine Zeit. Aber es fand definitiv ein Umdenken statt.

Eigenschaften wie Mitgefühl werden zu Hause nicht gefördert

Aktuelle Forschungen des PEW Research Center zeigen, dass Aspekte wie Mitgefühl und Freundlichkeit ziemlich weit hinten auf der Liste der Charaktereigenschaften stehen, die Eltern als wichtig für ihre Kinder erachten.

Es hat den Anschein, dass Eltern wesentlich mehr Interesse daran haben, Fleiß und Verantwortungsbewusstsein bei ihren Sprösslingen zu fördern als Mitgefühl. Das ist wirklich schade, denn fleißig sein und Verantwortung übernehmen lernen Kinder, sobald sie eingeschult werden. Eigenschaften wie Mitgefühl und Freundlichkeit dagegen sollten bereits zu Hause gefördert werden.

Wir können dem Zickenkrieg unter Mädchen nur dann ein Ende setzen und das subtile Mobben aufgrund von Bewertungen, Neid und Gerüchten verhindern, indem wir unseren Mädchen beibringen, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen Wir müssen ihnen zeigen, wie man ehrliche Freundschaften knüpft.

Wie man seinem Gegenüber zuhört, weil man ihm zuhören möchte - und nicht, um sich eine möglichst schlagfertige Antwort auszudenken. Und wie man sich im Verlauf einer Freundschaft immer wieder gegenseitig unterstützt.

Ohne Gruppenzugehörigkeit fühlen sich Kinder verloren

Kinder haben ihre eigenen, individuellen Stärken. Dennoch geht es in unserer Kultur vor allem darum, einem bestimmten Schema zu entsprechen. Wir können unsere Kinder zwar zur Individualität ermuntern, senden sie aber dennoch in eine Welt hinaus, in der die Identifikation mit einer Gruppe von allergrößter Wichtigkeit ist. Ohne Gruppenzugehörigkeit fühlen sich Kinder verloren. Jedoch ist die Dynamik in einer solchen Gruppe oft schwierig und für viele problematisch.

Es ist völlig normal, dass sich junge Mädchen zu Mädchen mit ähnlichen Interessen hingezogen fühlen. Dennoch sollten wir ihnen beibringen, Unterschiede zu schätzen und stets das Positive in einem anderen Menschen zu sehen.

Indem wir Mädchen immer wieder Freundlichkeit und Mitgefühl ins Gedächtnis rufen und sie in diesem Verhalten bestärken, können wir eine Generation erziehen, die den Trend zum Zickenterror - der von Jahr zu Jahr stärker zu spüren ist - wieder umkehrt. Wir haben es in der Hand, etwas zu ändern.

Versetzen Sie Ihre Tochter in die Lage, anderen zu helfen. Ehrgeizige Eltern schaden nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Kindern, die das Gerangel vor der Zielgeraden mit ansehen müssen. Hören Sie auf, sich ständig mit anderen messen zu wollen. Ihre Familie ist Ihre Familie - und es ist völlig egal, was andere Familien tun und lassen.

Vielleicht wird Ihre Tochter einmal auf die Universität gehen. Vielleicht wird sie eine Ausbildung machen. Vielleicht wird sie Tänzerin, Künstlerin oder Lehrerin. Ihre elterliche Aufgabe besteht nicht darin, sie zu etwas möglichst Perfektem zu formen. Stattdessen sollten Sie sie unterstützen, während sie sich entwickelt und ihre eigenen Ziele und Träume definiert.

Setzen Sie dem Sarkasmus ein Ende

Anstatt sich auf eine unbekannte Zukunft zu konzentrieren, sollten Sie Ihre Tochter lieber dazu befähigen, einem Freund in Not zu helfen. Versetzen Sie sie in die Lage, etwas in ihrem Umfeld zu verändern. Sich um das Wohlergehen anderer Menschen zu sorgen, anstatt sich nur darüber Gedanken zu machen, ob sie bei den ihr gestellten Aufgaben besser oder schlechter als andere abschneidet.

Setzen Sie dem Sarkasmus ein Ende. Ich höre viel Sarkasmus zwischen Eltern und Kindern. Eltern neigen zu Sarkasmus, wenn sie müde, frustriert oder schlicht wütend sind. Doch Sarkasmus verletzt. Kinder fühlen sich verwirrt, traurig und hilflos. Er schadet ihrer Seele.

Und dennoch machen Eltern immer wieder sarkastische Bemerkungen, nicht selten vor anderen Kindern und Erwachsenen.

Streichen Sie Sarkasmus aus der Kommunikation mit Ihrer Tochter. Auch wenn sie sarkastische Bemerkungen nicht unmittelbar versteht, wird sie sie verinnerlichen und wiederholen. Sie wird Sarkasmus zum Teil ihrer eigenen Ausdrucksweise machen und letztendlich andere dadurch verletzen.

Sagen Sie, was Sie meinen. Drücken Sie sich deutlich aus. Sprechen Sie über Gefühle und leben Sie Mitgefühl vor. Kommunizieren Sie auf ehrliche Weise miteinander. Wenn Sie das tun, wird Ihre Tochter lernen, dasselbe zu tun.

Schaffen Sie eine positive Gruppe für Mädchen. Sie müssen nicht gleich die Sportmannschaft Ihrer Tochter trainieren, um ihr und ihren Freundinnen dabei zu helfen, ehrliche Freundschaften zu knüpfen. Veranstalten Sie doch einfach eine monatliche Strickgruppe oder einen Buchclub. Oder rufen Sie eine Laufgemeinschaft ins Leben. Oder eine Gruppe für kreatives Schreiben.

Wenn Sie jungen Mädchen dabei helfen wollen, mit dem in Freundschaften auftretenden Gefühlschaos klarzukommen, besteht der Schlüssel zum Erfolg in Regelmäßigkeit. Suchen Sie nach einer oder auch mehreren Aktivitäten, die Mädchen interessieren, und sorgen Sie dafür, dass diese Freundschaftsgruppe mindestens einmal pro Monat stattfindet.

Innerhalb der Sicherheit dieser Gruppe lernen Ihre Tochter und ihre Freundinnen, anderen zuzuhören und sich in sie hineinzuversetzen. Sie lernen, sich gegenseitig aufzubauen und zusammenzuhalten, was auch immer passieren mag.

Und diese Lektionen sollten in jedem Fall auf dem Stundenplan stehen.

Ratgeber zum Thema könnt ihr hier kaufen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost US und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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