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Kopftuch-Vorfall zeigt, wie Donald Trump die USA schon jetzt in den Abgrund zieht

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KOPFTUCH
Übergriffe auf Muslime nehmen in den USA zu. | dpa
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Es ist ein unglaublicher Vorfall, der zeigt, wie sehr der Wahlkampf des Republikaners Donald Trump die USA verändert hat.

Am 11. Dezember 2015 war der US-Amerikaner Payne einer der vielen Passagiere auf dem Flug von Chicago nach Albuquerque, New Mexico, als er einige Reihen vor sich eine Frau mit Kopftuch sitzen sah. Während des Fluges lief er zu der Frau und riss ihr das Kopftuch mit der Aussage herunter: "Das ist Amerika!"

Der fremdenfeindliche Vorfall ereignete sich einige Tage nachdem Donald Trump ein allgemeines Einreiseverbot für Muslime in die USA forderte.

Jetzt, knapp ein halbes Jahr später, wurde der 37-jährige Amerikaner aus dem Flugzeug zu mehreren Monaten Haft verurteilt - er habe die Frau daran gehindert, ihren religiösen Glauben frei auszuleben, so die Richter.

Die Frau habe sich beleidigt gefühlt und sofort ihr Kopftuch wieder aufgesetzt, so die Richter. Payne sei zu diesem Zeitpunkt bewusst gewesen, dass das Kopftuch ein Teil des muslimischen Glaubens sei.

Kopftuchvorfall hat Folgen

„Herr Payne hat die Verantwortung für seine Tat übernommen und sieht sein Fehlverhalten ein“, sagte die Anwältin des Mannes, Amber Fayerberg, der Huffington Post. „Er ist bereit seine Einstellung gegenüber der muslimischen Religion zu ändern.“

In den USA kein Einzelfall

Was den Vorfall im Flugzeug auch in Deutschland berichtenswert macht: Seit Trump seinen Wahlkampf startete, haben die Übergriffe auf Muslime in den USA massiv zugenommen. Und das ist kein Zufall, wie mehrere Untersuchungen zeigen.

Laut dem Forschungsprojekt "Bridge Initiative" der Georgetown-Universität wurden seit Beginn des Trumpwahlkampfes 180 Gewalttaten gegen Muslime dokumentiert - darunter 12 Morde und neun Schießereien.

Fremdenhass überwiegend bei Republikanern

Besonders alarmierend: Nach Angaben der Initiative hatte die Gewalt gegen Muslime in den USA im Jahr 2015 sogar größere Ausmaße als vor den Anschlägen vom 11. September 2001. Vor allem sei eine höhere Gewaltbereitschaft gegen Muslime bei Anhängern der Republikanern zu erkennen, schrieben die Wissenschaftler.

Als der Präsidentschaftskandidat Trump nach den Anschlägen von Paris eine Schließung von Moscheen forderte, habe sich die Zahl von Vandalismus und Angriffen gegen Moscheen verdreifacht, hat die "Bridge Initiative" herausgefunden.

Trump fiel während des Wahlkampfes wiederholt mit Hasstiraden gegen Muslime auf.

Der Trump-Effekt

Auch Menschen anderer ethnischer oder kultureller Herkunft stehen unter dem Beschuss von Trumps Wahlkampfpropaganda. In seiner Kampagne wendet er sich immer wieder gegen Latinos und Farbige. Und auch hier zeigen seine Worte Wirkung.

Wie eine aktuelle Studie der NGO "Southern Poverty Law Center" zeigt, haben die fremdenfeindlichen Äußerungen Trumps auch Einfluss auf Kinder und Jugendliche.

Fremdenhass nimmt in Schulen zu

In einer Befragung der NGO unter 2000 Lehrern, berichteten mehr als ein Drittel der Lehrkräfte von einer Zunahme von Fremdenhass gegenüber Muslimen und Menschen aus anderen Nationen unter den Schülern. Auffallend war an der Untersuchung auch, dass die Schüler Beschimpfungen aus Trumps Wahlkampfreden gegen ihre Mitschüler verwendeten.

"Einige Schüler haben angefangen, Hass gegenüber Flüchtlingen, Menschen mit niedrigem Einkommen und anderem religiösen Hintergrund offen zu äußern", sagte einer der Lehrer. Ein weiterer berichtete von seinen farbigen Schülern, die Angst hätten, nach einem Sieg Trumps zurück nach Afrika geschickt zu werden.

Die Schüler haben Angst abgeschoben zu werden

In North Carolina bringen viele lateinamerikanische Schüler inzwischen ihre Geburtsurkunde und ihren Sozialversicherungsausweis mit zur Schule, weil sie Angst haben, abgeschoben zu werden. Ein Schüler aus der fünften Klasse einer Grundschule hat seinem muslimischen Klassenkameraden davon erzählt, dass er Trump unterstütze, da er alle Muslime umbringen wolle, sollte er Präsident werden.

Mehr als 67 Prozent der Lehrer berichteten davon, dass Schüler mit Migrationshintergrund sich Sorgen um ihre Familie machen, sollte Trump gewinnen.

Sicher, all das sind Schlaglichter - aber die Untersuchungen und Befragungen zeigen, dass Trump durch seinen Wahlkampf jetzt schon die USA geprägt und verändert hat. Und das nicht zum Guten.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Samantha Meier aus dem Englischen übersetzt und ergänzt.

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(br)