Huffpost Germany

An die Frau mit Depressionen und Anstgstörung, von deinem Ehemann

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

THE BLOG

Von Brandon Geib

2016-05-16-1463437880-3211998-ScreenShot20160503at5.39.16PM300x300.png


An meine Frau und beste Freundin,

als wir uns vor fünf Jahren kennenlernten, hätte ich niemals gedacht, dass ich dies eines Tages schreiben würde. Als wir vor all diesen Fremden auf der Bühne standen und uns die Seele aus dem Leib gespielt haben, hätte ich niemals gedacht, dass wir eines Tages an diesen Punkt gelangen würden. Wir haben einen langen Weg hinter uns.

Als wir uns zum ersten Mal sahen, hatte ich noch nie zuvor einem Menschen wirklich nahe gestanden, der an dauerhaften Angststörungen und schweren Depressionen litt. Bis dahin waren diese Begriffe für mich nur leere Phrasen, die andere Leute gerne verwendeten, weil sie für ihre Alltagssorgen keinen besseren Ausdruck fanden.

Ich hörte andere ständig Dinge sagen wie "Ich glaube, ich bekomme gleich eine Panikattacke" oder "Oh mein Gott, ich bin so deprimiert", bloß weil ihr Lieblingsmuffin im Café ausverkauft war oder weil sie länger in der Bibliothek bleiben mussten als sonst und nicht mit ihren Freunden auf Kneipentour gehen konnten.

"Du warst anders"

Damit wollten sie andere auf ihre Probleme aufmerksam machen und sie wollten Anerkennung und Mitleid für ihre bedeutungslosen Nöte bekommen.

Doch du warst anders.

Du hast dich nicht ständig beschwert. Im Gegenteil, du warst immer so fröhlich und du stecktest voller Leben und Energie. Doch allmählich lernte ich die Seite an dir kennen, die du so geschickt vor mir und dem Rest der Welt versteckt hast, weil du Angst hattest, dass du auffliegen könntest.

Die unzähligen Tage, an denen du im Bett bliebst und dich nicht geduscht hast. Oder die Tage, an denen es dir zu anstrengend erschien, etwas zu essen. Die Momente, in denen ich dich beim Weinen erwischte und du versucht hast, alles zu überspielen, was jedoch nicht wirklich funktionierte.

"Es gab Tage, an denen ich dir nicht helfen konnte"

Wir sind jetzt seit fünf Jahren zusammen und davon sind wir fast zwei Jahre verheiratet. Unsere bisherige gemeinsame Zeit war großartig, doch man kann sie durchaus als "emotionale Achterbahn" bezeichnen. Ich würde mich selbst als wirklich aufrichtigen Ehemann beschreiben und da mir kein besserer Ausdruck dafür einfällt, würde ich mich auch als "echten Kerl" bezeichnen.

Und gerade deshalb fiel es mir anfangs so schwer zu akzeptieren, dass es Tage gab, an denen ich dir einfach nicht helfen konnte. Ich konnte nichts tun, um deine Gefühle zu verändern.

Als du an deinem absoluten Tiefpunkt angekommen warst, fiel es mir schwer, es nicht persönlich zu nehmen, dass du mich darum batest, dich einfach allein zu lassen und dass du sagtest, dass du das selbst durchstehen musstest. Dass ich nichts tun konnte, um dir ein besserer Ehemann oder Gefährte zu sein und dir dabei zu helfen, deine Traurigkeit und deine Angst zu vertreiben. Und dass du weintest, obwohl ich gar nichts getan hatte. Ich muss leider sagen, dass deine Beteuerungen damals auf taube Ohren stießen.

Als du an deinem absoluten Tiefpunkt angekommen warst, hast du etwas zu mir gesagt, mit dem ich wahrscheinlich niemals wirklich umgehen kann. "Eigentlich bin ich nur noch am Leben, weil ich dir das nicht antun könnte. Ich könnte mich nicht umbringen, weil ich weiß, wie sehr ich dich damit verletzen würde."

Das hast du gesagt. Es brach mir das Herz. Mit dieser einzigen Aussage hast du mir klar gemacht, wie sehr du mich schätzt und gleichzeitig hast du mir damit auch gezeigt, welchen Wert du dir selbst beimisst.

"Ich fühlte mich hilflos"

Die Frustration darüber, dass ich meiner depressiven Frau nicht sagen kann, wie sehr ich sie liebe und dass mit ihr an meiner Seite jeder Tag so viel schöner ist, weil ich weiß, dass sie dann einfach nur lächelt und mir nicht wirklich glaubt oder gar nicht erst versteht, was ich ihr eigentlich sagen will, ist das schlimmste Gefühl, mit dem ich mich je auseinandersetzen musste.

Kurz gesagt fühlte ich mich hilflos. Vor unserer Hochzeit und auch noch ein paar Monate danach fühlte ich mich völlig gefangen. Ich war fest überzeugt davon, dass ich nichts tun konnte. Ich steckte in einem Kreislauf fest, in dem ich ständig versuchte, deine Depressionen zu verstehen und wütend wurde, wenn sie zu schlimm wurden.

Und schließlich wollte ich dir dann doch wieder einfach nur helfen. Um diese Lage würde mich wohl kein frischgebackener Ehemann beneiden.

"Ich weiß, dass du Angst hast"

Doch heute ist alles besser. Nach zahlreichen Telefonaten und etlichen Tränen bist du vor über einem Jahr endlich zum ersten Mal zu einem Psychologen gegangen, der dir helfen konnte (naja, eigentlich hat er uns beiden geholfen).

Er hat dir gezeigt, wie du mit deinen Depressionen und Angststörungen auf eine gesunde und kontrollierte Weise umgehen kannst. Ich habe gelernt, dass es immer wieder Tage geben wird, an denen es dir nicht gut geht. Tage, an denen du nicht du selbst bist.

Und auch wenn es mir an manchen Tagen echt schwer fällt, so will ich dennoch lernen zu akzeptieren, dass es wahrscheinlich einfach keinen Grund für deine Traurigkeit gibt.

Ich weiß, dass du noch immer Angst davor hast. Du hast zwar keine Selbstmordgedanken mehr, doch ich weiß, dass du ständig darüber nachdenkst, ob diese Gedanken eines Tages in unser Leben und in unser Zuhause, das wir uns geschaffen haben, zurückkehren werden. Doch du sollst wissen, dass ich beim nächsten Mal darauf vorbereitet sein werde.

"Jetzt bin ich ein Mann"

Als wir uns kennenlernten war ich ein dummer College-Student, der bis über beide Ohren verknallt war. Ich war noch nicht reif genug, um mit den Auswirkungen deiner psychischen Erkrankung umgehen zu können. Ich kam auch nicht damit klar, dass es dir plötzlich schlechter ging und ich gab mir selbst die Schuld dafür. Ich tat alles, was du von mir verlangtest, obwohl dein Verhalten oft leichtsinnig und selbstzerstörerisch war.

Doch jetzt bin ich ein Mann. Jetzt bin ich dein Ehemann.

Als wir uns kennenlernten dachte ich, dass du anders bist. Das stimmte auch. Denn obwohl du jeden Tag mit dir selbst zu kämpfen hast, bist du trotzdem die absolut beste Frau, die ich mir wünschen kann. Auch wenn deine psychische Erkrankung uns auch in Zukunft bestimmt noch vor viele Herausforderungen stellen wird, nehme ich diese gerne an. Hauptsache, wir stellen uns ihnen gemeinsam.

Dein wachsamer Verteidiger,

Dein Ehemann.

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

Wenn du eine Tochter hast, nimm dir drei Minuten Zeit, um dieses Video zu sehen

(glm)