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Die AfD zeigt, wie ihr islamfeindlicher Kurs in der Praxis aussehen soll

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BJOERN HOECKE
Der thüringische Fraktionsvorsitzende der AfD, Björn Höcke | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Die AfD in Thüringen will einen Moschee-Neubau zum Wahlkampfthema machen
  • Die Parteiführung streitet derweil über einen Besuch beim Zentralrat der Muslime

Die AfD zeigt, wie ihr neuer islamfeindlicher Kurs in der Praxis aussehen soll.

In Thüringen will die Partei einen Moschee-Neubau in Erfurt zum Wahlkampfthema machen. Die AfD will sich dabei an die Spitze von Protesten gegen den Bau der Ahmadiyya-Gemeinde setzen. Gleichzeitig kommt es in der Bundesführung zu einem Streit über einen geplanten Besuch beim Zentralrat der Muslime.

AfD will zusammen mit Pegida demonstrieren

Zur Ausübung des muslimischen Glaubens gehöre nicht zwangsläufig eine Moschee mit Kuppel und Minarett, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Stefan Möller, am Dienstag in Erfurt.

"Darüber muss diskutiert werden." Das Bauvorhaben will die Partei an diesen Mittwoch im Landtag wie auch bei einer Demonstration in der Landeshauptstadt zum Thema machen. Dazu wird erstmals auch ein Vertreter der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung erwartet.

Dazu passend: "Das ist Hass und Rassismus": So reagieren 15 Muslime auf den Anti-Islam-Vorstoß der AfD

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde will am Stadtrand von Erfurt eine Moschee bauen. Es wäre der erste Moschee-Neubau in dem Bundesland. Ob und wann der Grundstein überhaupt gelegt wird, ist offen - bislang hat die Gemeinde lediglich eine Bauvoranfrage gestellt.

Höcke sieht Moschee-Bau als "langfristiges Landnahmeprojekt"

AfD-Landeschef Björn Höcke sagte: "Entweder passt sich der Islam in Europa und Deutschland unseren rechtsstaatlichen Normen, Sitten und Werten an, oder er muss verabschiedet werden."

Nach Angaben der "Süddeutscher Zeitung" hatte Höcke den geplanten Bau der Moschee vor wenigen Tagen als "Teil eines langfristigen Landnahmeprojekts" bezeichnet. Nach seiner Logik sind Muslime somit Eroberer.

Die AfD plant nach den Worten Möllers ein Treffen mit den Anwohnern. Angestrebt sei eine Zusammenarbeit, allerdings nur mit bürgerlichen Initiativen, betonte er.

Die Partei hatte den Satz "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" bei ihrem Parteitag vor gut zwei Wochen in ihr Parteiprogramm aufgenommen.

Ahmadiyya-Gemeinde ist in Hessen und Hamburg den Kirchen gleichgestellt

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde stammt aus Indien und sieht sich als Reformbewegung des Islam. Sie wurde 2013 in Hessen als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt - als erste muslimische Vereinigung in Deutschland überhaupt. Damit hat sie in Hessen die gleichen Rechte wie die großen christlichen Kirchen und kann auch eigene Steuern erheben. Auch in Hamburg wurde sie 2014 der Kirche gleichgestellt.

Ahmadiyya-Gemeinde ist in Hessen und Hamburg den Kirchen gelichgestellt

Im AfD-Bundesvorstand ist derweil ein scharfer Konflikt über das für kommenden Montag geplante Treffen der Parteispitze mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, ausgebrochen.

Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Demnach sagte AfD-Vorstandsmitglied Alice Weidel ihre bereits zugesagte Teilnahme an dem Termin mit einem Anruf bei der Vorsitzenden Frauke Petry kurzfristig ab.

In einem Absageschreiben Weidels, aus dem die "Bild"-Zeitung zitiert, kritisiert Weidel unter anderem Mazyeks Vergleich von AfD und NSDAP: "Dieser Vergleich offenbart nicht nur Mazyeks Charakter, sondern vielmehr seine Unfähigkeit, politische Debatten in Deutschland zu führen", schreibt Weidel.

Mazyek schalte sich als "selbsternannter Vertreter der Muslime" in fast jede Debatte als „Dauergast in den Talkshows“ in eigener Sache ein. Dabei sei der Vereinsname "Zentralrat der Muslime" eine "Anmaßung und Farce", weil der Zentralrat "mitnichten alle Muslime in Deutschland" vertrete.

Mit Material der dpa

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(sk)