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Österreichs Prominente unterstützten Alexander Van der Bellen

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FRONT GEGEN HOFER
Österreichs Prominente unterstützten Alexander Van der Bellen | Screenshot www.vanderbellen.at/nc/komitee/
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  • Am 22. Mai gehen die Präsidentschaftswahlen in Österreich in die zweite Runde
  • Kandidat Alexander Van der Bellen bekommt prominente Unterstützung
  • Er gilt als große Hoffnung derer, die verhindern wollen, dass FPÖ-Kandidat Hofer das Amt übernimmt

Wer nach einem "Who is Who" der gehobenen österreichischen Promi-Szene sucht, sollte mal hier klicken.

Es ist die Unterstützerseite des Wirtschaftsprofessors Alexander Van der Bellen. Des Mannes, der den großen Rechtsruck in Österreich so gerade noch verhindern soll. Praktisch alle bekannten Gesichter aus Theater, Fernsehen und Literatur stehen hinter dem Links-Liberalen.

Am 22. Mai geht es in die Stichwahl für das Präsidentenamt in Österreich. In der Vorwahl hatte der Rechtspopulist Norbert Hofer (FPÖ große Teile der österreichischen Wählerschaft für sich erobert. 35,1 Prozent. Van der Bellen nur 23,1 Prozent.

Hofer, das "freundliche Gesicht" der Rechten

Hofer gilt zwar als das "freundliche Gesicht" der umstrittenen Partei, die in allen Umfragen auf Platz eins liegt. Hofer ist aber maßgeblich für das als fremdenfeindlich geltende Programm der FPÖ zuständig. Der gebürtige Wiener Van der Bellen punktet vor allem mit seinem ruhigen und sachlichen Auftreten. Inhaltlich vertritt er in den meisten Punkten das genaue Gegenteil seines Kontrahenten.

Hofer als Präsident? Geht nicht. Darf nicht sein. Finden unter anderem die Schauspielerinnen Ursula Strauss, Maresa Hörbiger und ihre Schwester Elisabeth Orth, Christoph Waltz, Harald Krassnitzer und Hans Sigl, Südtirols Extrembergsteiger Reinhold Messner und der künftige Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser. Praktisch die gesamte Kabarettisten-Szene des Landes will ebenfalls ein Kreuz bei "VdB" setzen - von Josef Hader bis Michael Niavarani.

Hart getroffen von dem Ergebnis der erste Runde zeigte sich der Münchner Schauspieler Elyas M'Barek: "Hab nen österreichischen Pass zu verschenken. Will den nicht mehr", schrieb der Sohn einer Österreicherin und eines Tunesiers auf Twitter.

"Gnade uns Gott"

Der Intendant des Münchner Residenztheaters, Martin Kušej, erklärte zum Erfolg der Rechtspopulisten in seiner Heimat: "Ich finde das alles höchst irritierend, was da passiert." Wenn die Entwicklung so weitergehe, dann "Gnade uns Gott".

Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger will den Kandidaten der einwanderungskritischen FPÖ samt seinem "irren Amtsverständnis" verhindern. Kabarettis Josef Hader schreibt kurz über Van der Bellen: "Es ist sehr einfach: Er ist der bessere Kandidat."

Hofer glaubt offenbar, "einfache Menschen" mit stupiden Parolen gewinnen zu können

An der öffentlichen Ablehnung vieler Promis und Intellektueller scheint Hofer indes sich nicht zu stören: "Van der Bellen hat die Hautevolee und ich die Menschen", warf Hofer seinem Kontrahenten bei einer TV-Diskussion vor. Er wolle ein Ansprechpartner für die einfachen, hart arbeitenden Menschen sein, nicht für die High Society.

Taktik diverser Hofer-Anhänger scheint es zu sein, sich mit möglichst plumpen Äußerungen hervorzutun. Zu den prominenten Unterstützern Hofers gehört Stratosphären-Springer Felix Baumgartner, dessen Rechtschreibung in einem Facebook-Post zu Hofer derart erbärmlich war, dass er landesweit Spott auf sich zog.

Auch Cathy Lugner setzt nach dem Misserfolg ihres Mannes Richard "Mörtel" Lugner auf Hofer."„Mir kommt das Mittagessen hoch, wenn ich den VdB höre", schrieb sie bei Facebook. Für Bauunternehmer Lugner hatten bei seinem zweiten Versuch, Bundespräsident zu werden, nur 2,3 Prozent votiert.

Der österreichische Autor Thomas Glavinic ("Das größere Wunder") ist einer der wenigen Intellektuellen des Landes, der die FPÖ-Erfolge eher gelassen sieht. Wer im Fall eines Freiheitlichen in der Hofburg von der Notwendigkeit des Auswanderns spreche, liege nicht richtig. "Ich glaube, das ist eher Wichtigtuerei. Ich find's absurd", sagte der 44-Jährige dem Sender ORF.

Wer die Wähler der FPÖ ständig als "Ewig-Gestrige" und "Nazis" beschimpfe, treibe sie nur immer weiter in die Arme der Rechten. Egal, wer Bundespräsident werde, er werde dem Kontinent nicht so schaden können wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, meint Glavinic. "Der ist wirklich ein Problem."

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(ck)