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Der Grund für Sigmar Gabriels starken Rückhalt in der SPD ist entlarvend

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SIGMAR GABRIEL
Die SPD möchte Sigmar Gabriel als Kanzlerkandidaten sehen | Thomas Trutschel via Getty Images
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  • Kein SPD-Politiker möchte Sigmar Gabriel bei der Kanzlerkandidatur Konkurrenz machen
  • Der Grund ist allerdings nicht bedingungslose Liebe zum Parteivorsitzenden - sondern Kalkül

Das hat es noch nie gegeben: SPD-Chef Sigmar Gabriel bittet händeringend darum, dass ihm doch bitteschön jemand bei Kanzlerkandidatur etwas Konkurrenz machen möge.

Der Vorsitzende hatte sich in einem "Spiegel"-Interview zwei oder drei Bewerber für die Spitzenkandidatur gewünscht und dafür plädiert, die SPD dann in einem Mitgliederentscheid darüber abstimmen zu lassen.

SPD-Granden lassen Gabriel den Vortritt

Doch die Partei steht scheinbar geschlossen hinter ihm - trotz eines historischen Umfrage-Debakels. Auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) geht nicht auf das Angebot von Gabriel ein, mit ihm um die Kanzlerkandidatur zu konkurrieren.

"Die SPD ist eine solidarische Partei und in der SPD-Spitze halten wir zusammen. Wir machen uns nicht gegenseitig die Posten streitig", sagte Scholz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Dazu passend: Geheimtreffen zwischen Gabriel und Lafontaine zeigt, wie verzweifelt die SPD wirklich ist

"Der SPD-Vorsitzende ist der natürliche Kanzlerkandidat", so Scholz. Steht die SPD also geschlossen hinter ihrem Chef? Die Zahlen sagen etwas anderes: Beim Bundesparteitag im Dezember hatten nur 74 Prozent der Delegierten für Gabriel als Parteivorsitzenden gestimmt - ein desaströses Ergebnis.

Scholz gilt neben Sozialministerin Andrea Nahles, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz als Alternative zu Gabriel.

Der Grund für Gabriel starken Rückhalt ist kaltes Kalkül

Ihnen allen werden allerdings keine großen Ambitionen nachgesagt, 2017 in den schwierigen Wahlkampf gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu ziehen.

Der Grund dürfte aber weniger das Vertrauen in Gabriels Fähigkeiten sein, sondern kaltes Kalkül. Bei der Bundestagswahl ist eine krachende Niederlage bereits absehbar. Und jeder Politiker, der mit dieser Niederlage in Verbindung gebracht wird, wird dann auf Lebzeiten "verbrannt" sein.

Verständlich, dass keiner der SPD-Granden damit etwas zu tun haben will - das soll Gabriel alleine auslöffeln. Letztlich ist also der starke Rückhalt des SPD-Chefs nur ein Zeichen für die dramatische Situation der SPD.

Mit Material der dpa

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(sk)