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Darf sich eine junge gesunde Frau sterilisieren lassen? Großbritannien diskutiert

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Dieser Fall geht derzeit durch alle britischen Medien: Eine gesunde junge Frau hat sich nach einem vierjährigen Kampf mit der NHS, der britischen Gesundheitsbehörde, sterilisieren lassen. Eine Entscheidung, für die die Frau in unhaltbarem Maß angefeindet wird.

Die Journalistin Holly Brockwell wusste nach eigenen Angaben schon sehr früh, dass sie keine Kinder haben möchte und wollte sich deshalb sterilisieren lassen.

Kein Arzt wollte sie sterilisieren

Nur fand sie keinen Arzt, der die Operation vornehmen wollte. Der damals 26-Jährigen wurde gesagt, sie sei zu jung für so eine Entscheidung. Stattdessen solle sich doch ihr 24-jähriger Freund dem Eingriff unterziehen. Eine Antwort, die für Brockwell puren Sexismus bedeutete.

Brockwell war fassungslos – und machte ihr Anliegen öffentlich. Das Ergebnis: Sie wurde bedroht, beschimpft und angefeindet.

Sie wurde attackiert und fertig gemacht

„Ich wurde als ignorant, selbstsüchtig, dumm bezeichnet. Als jemand, der nach Aufmerksamkeit sucht und psychiatrische Hilfe benötigt“, schrieb sie in der britischen „Mail Online“.


Sie erklärte im Sender BBC
, dass sie sogar von Sicherheitspersonal in die Redaktion begleitet wurde, weil „sie sich Sorgen machten, dass mich jemand attackieren würde“.

"Ein Mann schrieb, dass er eine Crowdfunding-Kampagne starten möchte, um mir eine Kehlkopf-Entfernung zu bezahlen. Damit ich nicht mehr reden könnte. Das hat mich sehr erschreckt", sagte sie weiter.

Aber das hielt Brockwell nicht von ihrem Plan ab – sondern bestärkte sie nur. Wieso müsse sie sich immer rechtfertigen und dürfe nicht selbst über ihren Körper und ihren Lebensstil entscheiden? Sie wisse, dass sie keine Kinder wolle, erklärte sie.

Der Fall wurde von den britischen Medien aufgegriffen und immer wieder diskutiert. Darf die junge Frau auf Kosten der NHS eine Sterilisation - eigentlich medizinisch unnötig - bekommen, weil für sie feststeht, dass sie keine Kinder haben will? Brockwell argumentierte, dass der Eingriff günstiger sei, als weiterhin die Pille nehmen zu müssen.

Darüber hinaus ist die Debatte durch das Ideal der fürsorglichen Mutter geprägt - viele Ärzte befürchteten, Brockwell würde die Entscheidung später bereuen und doch Kinder wollen. Die junge Frau fühlt sich durch diese Annahme aber unmündig gemacht.

Nach vier Jahren kam es zur Operation

Schließlich, nach langem Gerangel mit der Öffentlichkeit und der NHS, wurde sie auf die Warteliste eines Krankenhauses in London gesetzt. Am Alter von 30 Jahren wurde sie operiert.

Die Sterilisation dauerte weniger als eine Stunde und Brockwell fühlt sich jetzt laut eigenen Angaben entspannt. Sie sei froh, dass sie nun keine Angst mehr haben müsse, schwanger zu werden, gab sie danach in der "Mail Online" bekannt.

Ist die gesellschaftliche Haltung das wahre Problem?

„Ich denke, es ist ein Problem, wenn eine Gesellschaft nicht glauben kann, dass eine Frau keine Kinder haben will. Ich habe Hunderte Nachrichten von Frauen erhalten, deren Entscheidungen untergraben und denen die Sterilisation verweigert wurde“, schrieb Brockwell in der "Mail Online".

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(sk)