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Aldi will sich radikal verändern – und verfolgt dabei eine gefährliche Strategie

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  • Aldi und Lidl verpassen ihren Filialen eine Schönheitskur
  • Damit wollen sie sich Marktanteile von Rewe und Edeka zurückholen
  • Doch diese Strategie birgt eine große Gefahr
  • Wie radikal sich die Discounter verändern, zeigt das Video oben

Die Aldi-Süd-Kunden erkannten den Laden nicht wieder. Vergangene Woche stellte Aldi in Unterhaching seine "Filiale" der Zukunft vor.

Tageslicht und Holzverkleidungen sorgen für eine freundliche Atmosphäre. Die Paletten sind verschwunden, aufgeräumt stehen die Waren in Regalen, der Obst- und Gemüsestand mit hellgrünen Lampen erinnert an einen Marktstand.

Hinter der holzverkleideten Kasse warten Kaffeeautomat und Sitzbank. In drei Jahren soll jede Aldi-Süd-Filiale in Süd- und Westdeutschland so aussehen.

Dahinter steckt eine riskante Strategie: Mit einem verbesserten Kundenerlebnis will der Discounter sich verlorene Marktanteile von Oberklasse-Supermärkten wie Rewe oder Edeka zurückholen. Doch dabei droht Aldi, seinen Charakter zu verlieren.

Lidl und Aldi verloren Marktanteile

Billig allein reicht nicht mehr. "Für die Kunden sind neben dem Preis viele andere Faktoren wichtig geworden", sagt die Geschäftsführerin der Filiale in Unterhaching, Jeanette Thull. Das Sortiment bei Aldi wurde schon schrittweise ausgeweitet - jetzt bekommen alle Läden eine Schönheitskur verpasst.

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Die Deutschen geben mehr Geld für Essen aus. Von Neujahr bis Ostern stiegen die Umsätze der Supermärkte um 3,8 Prozent - die Discounter wie Lidl und Aldi legten nur um 2,9 Prozent zu.

Immerhin sind sie damit wenigstens wieder "im grünen Bereich, wo vor zwölf Monaten noch ein rotes Minus stand", teilte der Markforscher GfK mit.

"Nur die wenigsten Kunden sind bereit, mehr zu zahlen"

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern bringt die Kundenwünsche auf den Punkt: "Billig, frisch, schnell." Aber das ist noch nicht alles: "Die Masse der Kunden wird zunehmend anspruchsvoller und erwartet mehr", sagt Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU.

Aber er weist er auf ein Problem hin: "Allerdings sind nur die wenigsten Kunden bereit, hierfür mehr zu zahlen."

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Nirgendwo in Europa ist der Konkurrenzkampf auf dem Lebensmittelmarkt so hart, sind die Preise so niedrig wie in Deutschland.

"Das liegt letztlich am enorm hohen Marktanteil der Discounter - rund 40 Prozent, das ist weltweit einmalig", erklärt Fassnacht. In Großbritannien oder den USA liege der Anteil der Discounter unter 10 Prozent. "Aldi und Lidl sind Effizienzmaschinen."

"In fünf Jahren wird es keinen reinen Discounter mehr geben"

Aber der Umsatzanteil der Billiganbieter ist in den vergangenen Jahren gesunken. Gewinner waren die Edekas und Rewes um die Ecke: Mit eigenen Billigmarken, mit 25.000 statt 1200 Artikeln im Angebot und mehr Service legten die Supermärkte zu.

Jetzt wollen sich die Discounter die Marktanteile zurückholen und investieren kräftig in ein besseres Einkaufserlebnis.

Rewe-Chef Alain Caparros sieht bereits das Ende der Lebensmitteldiscounter kommen. "In fünf Jahren wird es keinen reinen Discounter mehr geben", sagte der Manager im Interview mit der "Welt am Sonntag".

"Sie dürfen ihre DNA als Discounter nicht verlieren"

Doch diese Strategie könnte für Aldi gefährlich werden. "Sie dürfen ihre DNA als Discounter nicht verlieren. Man kann sich auch zu chic machen", betont Marketingexperte Fassnacht die Eigenheiten der Discounter.

Lidl spreche von der Optimierung des Einkaufserlebnisses und nähere sich schon zu sehr den Supermärkten an: "Damit riskieren sie ihren Markenkern", warnt Fassnacht. Wenn das weitergehe, "entfernen sie sich zu sehr von ihren Wurzeln".

Wer braucht noch einen weiteren Supermarkt mit Fahrstuhlmusik und Stehcafé? "Die Leute gehen zum Discounter, weil er in ihren Augen günstig ist", fasst Fassnacht zusammen. Ob Aldi das mit seinem neuen Ladenkonzept bleiben kann, wird sich zeigen.

Mit Material der dpa

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