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1.000 Euro für lau: 6 Menschen erklären, wie das Grundeinkommen ihr Leben verändern würde

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GK
Debatte über das Grundeinkommen: 6 Menschen sagen, wie viel sie zum Leben brauchen | HuffPost / Kloeckner
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Es geht um viel Geld: Was würde passieren, wenn alle Menschen vom Staat plötzlich ein Einkommen erhielten - ohne Bedingungen?

Das bedingungslose Grundeinkommen würde die Gesellschaft und die Wirtschaft vermutlich komplett verändern. Leistungen wie das Kinder- und Arbeitslosengeld entfielen dann bis auf wenige Ausnahmen.

Zustimmung für das Grundeinkommen wächst

Spätestens am 5. Juni könnte die Debatte wieder an Fahrt gewinnen - dann stimmen die Schweizer darüber ab, ob sie das Grundeinkommen einführen wollen. Einen ähnlichen Schritt ist Finnland bereits gegangen. In Deutschland hat der Vorschlag prominente Befürworter: Telekom-Chef Timotheus Höttges und dm-Gründer Götz Werner gehören dazu.

Und auch in der Bevölkerung gewinnt das Grundeinkommen immer mehr Anhänger. Sprachen sich laut einer "Yougov"-Umfrage 2015 nur 16 Prozent dafür aus, war es 2016 schon mehr als jeder Vierte.

Befürworter sagen, dass das bedingungslose Grundeinkommen die Freiheit für Selbstverwirklichung ermögliche und ehrenamtliche Arbeit honoriere. Außerdem würden enorme Verwaltungskosten wegfallen.

Kritiker hingegen halten das System für nicht finanzierbar, weil die langfristigen Kosten nicht kalkulierbar seien. Außerdem sehen sie die Gefahr, dass die Arbeitslosigkeit massiv ansteigt.

In der Huffington Post erklären 6 Menschen, wie das Grundeinkommen ihr Leben verändern würde.

kathrin

Kathrin, Angestellte, 36

"Den Gedanken an sich finde ich gut und richtig. Man müsste zwar noch über die Modalitäten reden und wie hoch das Grundeinkommen wäre. Ungefähr 1000 Euro müssten es wahrscheinlich sein.

Für Miete, Lebensmittel und was man sonst noch so für unregelmäßige Anschaffungen braucht. Ich würde dann noch arbeiten gehen, weil ich gerne arbeite und darüber hinaus auch gerne gut lebe. Ich wäre dann auch bereit, mich ehrenamtlich zu engagieren. Aber gegen Bezahlung, das wäre schon noch gut. Sonst funktioniert das alles nicht."

alexander

Alexander, Student, 22

"Ich denke, es wäre sehr schwierig, das Grundeinkommen für 82 Millionen Menschen einzuführen. In Finnland kann das vielleicht funktionieren, weil es ein kleineres Land ist. Kann Deutschland das finanzieren? Das kann ich mir nicht vorstellen.

Ich komme im Moment mit 700 Euro aus. Das meiste dafür brauche für die Miete. Ich würde natürlich weiterarbeiten, wenn ich ein Grundeinkommen beziehen würde. Ist doch selbstverständlich, etwas zurückzugeben, wenn man etwas bekommt.

Ich würde auch umsonst arbeiten. Da ich mich sehr für Transportunternehmen interessiere, würde ich für die Deutsche Bahn oder die BVG arbeiten."

Muriel, Schauspielerin, 21

"Ich finde das Grundeinkommen eine gute Idee. Ich würde etwa 1200 Euro im Monat brauchen, ohne dass ich luxuriös leben würde. Hauptsächlich für Miete, Strom, Gas und Internet, das sind etwa 450 Euro.

Urlaub ist da nicht mit drin, da müsste ich etwas dafür ansparen. Ich würde dann auch auf jeden Fall noch arbeiten gehen, weil ich denke, dass eine Beschäftigung jedem gut tut. Und ich will auch nicht jemandem zur Last fallen.

Ich würde dafür trotzdem Lohn beziehen, weil ich ja einer Arbeit nachgehe. Aber ich würde vermutlich einen Job wählen, der nicht so gut bezahlt ist. Ich könnte mir etwa gut vorstellen, als Krankenschwester oder in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten."

tom

Tom, Freischaffend, 62

"In einer Industrienation sollten alle ein Grundeinkommen erhalten. Ich finde das wertschätzend gegenüber den Menschen. Das ist nur fair. Deswegen mag ich die Idee.

Da ich in Los Angeles lebe, brauche etwa 7000 Euro im Monat - das ist vermutlich mehr, als man an Grundeinkommen bekommen würde. Deswegen würde ich nebenbei weiterhin arbeiten gehen und dafür den Lohn beziehen, den der Markt für mich bezahlt. Ein Drittel benötige ich für die Miete, den Rest für meine Kinder und das Leben. Ich habe zwei Kinder."

birte

Birte, Eventmanagerin, 47

"Das klingt nach einer guten Idee, wenn alle die gleichen Ausgangsbedingungen haben. Die Idee klingt fast sozialistisch.

Um richtig klarzukommen und meinen Wünschen nachzukommen, brauche ich im Monat etwa 2000 Euro. Ich bin Mutter, die Mieten werden immer teurer - mal sehen, wie lange das tatsächlich ausreicht.

Würde ich ein Grundeinkommen erhalten, würde ich immer noch arbeiten gehen. Ich glaube, dass Arbeit immer einen Wert haben sollte. Auch Ehrenamt sollte irgendwann dahin kommen, dass zumindest der Aufwand bezahlt wird."

robin

Robin, Student, 28

"Das Grundeinkommen finde ich prinzipiell eine gute Idee. Ich bräuchte etwa 600 Euro im Monat, um klarzukommen. Wenn ich eine Familie hätte, wäre das natürlich was anderes. Aber im Moment bin ich Student.

350 Euro bräuchte ich für die Miete, den Rest für Essen und Ausgehen. Ich würde dann noch immer arbeiten. Gerade arbeite ich als Tutor, und das würde ich immer noch machen, aber umsonst."

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(sk)