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Griechen ließen IS-Verschwörer einfach weiterreisen

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ABAAOUD
Der Terrorist Abdelhamid Abaaoud drohte vor seinem Tod mi versteckten IS-Schläfern in Europa | Handout . / Reuters
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  • Nach einem Medienbericht ließen griechische Behörden zwei IS-Verschwörer einfach weiterreisen
  • Die beiden wurden im Dezember in Österreich festgenommen
  • Im Verhör sagten sie, dass der IS sie für die Anschlagsserie nach Paris schicken wollte

Vor seinem Tod verbreitete der Belgier Abdelhamid Abaaoud, der Drahtzieher der Terrorangriffe in Paris im November 2015, eine düstere Drohung: Mit insgesamt 90 Terroristen sei er nach Europa gekommen - und die seien bereit für weitere Anschläge.

Diese Zahl ist wohl bewusst übertrieben. Dennoch gehen Europas Polizei und Geheimdienste davon aus, dass weitere IS-Täter versteckt in Europa leben. Details aus einem Bericht der "Welt am Sonntag" geben dieser Sorgen neue Nahrung.

Weiterreise trotz brisanter Informationen

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" wurden nach den Anschlägen zwei weitere Mitverschwörer im Dezember in Österreich festgenommen. Die beiden IS-Anhänger aus Pakistan und Algerien waren am 3. Oktober 2015 zusammen mit zwei späteren Attentätern per Flüchtlingsboot auf der griechischen Insel Leros angekommen.

Das Besorgniserregende: Die Männer durften von Griechenland aus weiterreisen, obwohl bekannt war, dass sie falsche Identitäten und Verbindungen zum IS hatten.

Pässe stammten aus der IS-Hochburg Rakka

Während zwei Männer der Vierer-Gruppe nach Paris weiterreisen konnten, wo sie sich schließlich vor dem Stade de France in die Luft sprengten, wurden der Algerier und der Pakistaner in Griechenland zunächst festgehalten.

Sie waren im Besitz von Pässen, die der IS im syrischen Rakka erbeutet hatte. Ende Oktober ließen die griechischen Behörden sie jedoch trotz der bekannten IS-Verbindung und ihrer offensichtlich gefälschten Identität weiterziehen.

Dazu passend: Terror-Drahtzieher Abaaoud spottete über offene Grenzen in Europa

Erst nach den Anschlägen wurden die beiden Männer von den Behörden gesucht - aber inzwischen waren sie abgetaucht. Mehrmals wechselten sie ihre Identitäten.

Mit Hilfe deutscher Sicherheitsbehörden wurden die beiden erst im Dezember in einer Flüchtlingsunterkunft in Salzburg ausgemacht. Nach einem Hinweis des deutschen Verfassungsschutzes wurden sie dort schließlich von der österreichischen Polizei festgenommen.

IS-Verschwörer gestanden Anschlagspläne

Mittlerweile sollen sie gestanden haben, mit einem Auftrag für einen Anschlag in Frankreich unterwegs gewesen zu sein.

Überraschend dabei ist: Selbst nach den Attacken mit 130 Toten waren zwei mutmaßliche Mitverschwörer nicht zur Festnahme ausgeschrieben.

Nach Recherchen der "Welt am Sonntag" sollten der Algerier und der Pakistaner bei einem Antreffen lediglich kontrolliert werden. So lautete der Eintrag im Schengener Informationssystem (SIS), der europäischen Fahndungsdatei.

Ein Ermittler erklärte der "Welt am Sonntag": "Wir hatten nicht genug in der Hand, um sie festzunehmen, wir wollten aber wissen, wo sie sind."

"Ein gezielter, frühzeitiger Zugriff hätte erfolgen müssen“

Den innenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer (CSU), beunruhigt, dass die Behörden selbst bei den vorliegenden Hinweisen zurückhaltend agieren musste.

"Bei den über Leros eingereisten Verdächtigen hätte ein gezielter, frühzeitiger Zugriff erfolgen müssen“, sagte Mayer mit Bezug auf die neuen Erkenntnisse.

Er forderte bei einem derartigen Terrorverdacht mehr Befugnisse für die Behörden: "Für mich steht fest, dass bei derartigen Verdachtsfällen im Zweifel früher als später die Festnahme möglich sein muss und erfolgen sollte, um eine bestehende Bedrohung für die Bevölkerung zu minimieren", sagte Mayer.

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(sk)