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Wiedersehen nach 20 Jahren: Morgan Hill wurde als Baby in eine Mülltonne geworfen, nun trifft sie ihren Retter

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MORGAN HILL
Morgan Hill trifft ihren Retter | Screenshot
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Selten hat wohl in einer Umarmung so viel Dankbarkeit gelegen wie zwischen einer 20-jährigen Amerikanerin und einem Mann, der ihr Großvater sein könnte. Verwandt sind die beiden nicht, aber trotzdem haben sie eine Vorgeschichte, die sie zusammenschweißt.

Bauarbeiter rettet Findelkind

Im Oktober 1995 brachte Gerald Rocky Hyatt, ein Bauarbeiter aus Chicago, eine Ladung Abfall zum Müllcontainer, als er plötzlich wimmernde Geräusche hörte. "Ich wusste erst nicht, ob es ein Baby oder eine Katze war", sagte er gegenüber dem Lokalsender "WPTV". Als er in die Tonne blickte, entdeckte er einen zweifach verknoteten Müllbeutel - und darin ein Neugeborenes.

Hyatt brachte das Baby so schnell wie möglich in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses und gab es in die Obhut einer Krankenschwester. Anscheinend sah er so mitgenommen aus, dass die Ärzte zunächst dachten, er selbst sei der Patient: "Sie fragten mich: 'Haben Sie einen Herzinfarkt?' Und ich wiederholte: 'Nein! Jemand hat ein Baby in unseren Müllcontainer geworfen!'"

Das Findelkind Mary Grace: ein Stück Lokalgeschichte

Das Findelkind wurde Mary Grace genannt - ein Name, den noch heute viele Bürger aus Chicago kennen. Die Geschichte machte damals Schlagzeilen in den lokalen Medien. Nach der Mutter, der versuchter Mord zur Last gelegt wird, suchte die US-Polizei jedoch vergeblich.

Auch wenn ihre leibliche Mutter sie nicht haben wollte - die neuen Adoptiveltern freuten sich umso mehr über Mary Grace, die sie fortan Morgan Hill nannten.

Das Mädchen wusste von klein auf, dass sie adoptiert war, erzählt sie Jahre später. Doch die ganze Geschichte erfuhr sie erst vor zwei Jahren. Ihre Adoptivmutter hatte einen Ordner mit den Artikeln über den Fall Mary Grace behalten und der damals 18-Jährigen gezeigt.

Die Suche nach dem Schutzengel

Seitdem hatte sich Morgan in den Kopf gesetzt, ihren Retter Gerald Rocky Hyatt zu finden, den sie als ihren "Schutzengel" bezeichnet. Der lokale TV-Sender "KHSB", Teil des Nachrichtennetzwerks von NBC, sicherte ihr Unterstützung bei der Suche zu.

"Wenn ich ihn treffen würde, könnte ich nicht oft genug Danke sagen, dass er mir das Leben gerettet hat und ich jetzt so ein schönes Leben mit meiner Familie haben kann", erzählte sie im Interview, während ihr die Tränen kamen.

"Es war mir eine Ehre"

Über 20 Jahre nach dem Tag, der über Morgans Schicksal entschied, erfüllte sich ihr Wunsch: Die Reporter hatten ihren Retter tatsächlich ausfindig gemacht und planten eine Überraschung.

Während Morgan in der TV-Aufnahme mit dem Rücken zur Tür sitzt und einen Artikel über ihren Fund vor 20 Jahren liest, ahnt sie nicht, was hinter ihr passiert. Erst, als sie den Namen des Bauarbeiters nennt, macht sich Gerald Rocky Hyatt hinter ihr bemerkbar.

Hyatt ist mittlerweile ein älterer Herr, er läuft mit Krücken und am Arm einer Pflegekraft. Morgan kommen sofort die Tränen, dann fällt sie ihrem Retter um den Hals. Unter Schluchzern dankt sie ihm und er antwortet: "Es war mir eine Ehre."

"Es gibt mehr, was man tun kann"

Später, als die beiden sich gemeinsam aufs Sofa setzen, erzählt Hyatt seinem Schützling zum ersten Mal selbst die bekannte Geschichte, wie er ihr das Leben rettete.

Morgans Abschlussbotschaft an alle Mütter, die verzweifelt oder überfordert sind, fällt klar aus: "Es gibt mehr, was man tun kann, als sein Baby einfach wegzuschmeißen", sagte sie gegenüber WPTV mit immer noch geröteten Augen. Sie selbst ist einfach nur froh über ihre zweite Chance - mit einer zweiten Mutter.

Das Wiedersehen im Video ansehen:


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tos