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Das Kompliment eines AfD-Mannes brachte Söder bei "Maybrit Illner" aus der Fassung

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Langsam dämmert es sowohl Merkel als auch Gabriel. So wie früher lässt sich die Krise der zwei Volksparteien - wenn man sie noch so nennen kann - nicht überwinden. Ein bisschen Sicherheit und Wirtschaft für die CDU-Stammwähler, ein bisschen Rente für die SPD-Klientel und die Wahlen sind gerettet - das läuft nicht mehr.

Die Krise der Politik war das Thema bei Maybrit Illner: "Große Koalition immer kleiner – Stunde der Populisten?", fragte die Moderatorin ihre Gäste.

Der AfD-Politiker Marcus Pretzell hatte gegen die Bezeichnung "Populist" nichts einzuwenden. Schließlich hätte Illner lauter Populisten in diese Sendung eingeladen. Vom Linken Oskar Lafontaine könne er selbst noch viel lernen. Und "der größte Populist aller Zeiten" sei ohnehin sein Nachbar Markus Söder.

"Teile des AfD-Programms sind vorgeschoben"

Der geriet in Schnappatmung und empfahl Pretzell, erstmal bei den Rechten in seiner Partei aufzuräumen, bevor er über andere urteile wie "in einer Casting-Show".

Pretzell ließ sich davon nicht abhalten, dem CSU-Mann Komplimente zu machen, die diesen in Bedrängnis brachten. "Wenn man Sie reden hört, Herr Söder, klingen Sie wie ein lupenreiner AfD-Politiker", sagte er.

Markus Söder nahm ihn in die Zange: "Ich bezweifle die Integrität Ihrer Partei. Teile des Programms sind vorgeschoben und Sie wollen im Grunde was anderes." Und, oh Wunder, Pretzell scheint tatsächlich für einen Moment in der der Defensive: "Wir versuchen aufzuräumen“, stammelt er.

"Wir haben Debatten angestoßen. Wir haben nicht für alles eine Lösung", entschuldigte er sich.

"Lafontaine als roter Altrocker"

Söder sollte erklären, wie es um die Zukunft von CSU und CDU steht. Illner wies ihn darauf hin, dass die SPD eine Spaltung, wie sie CDU und CSU vielleicht bevorsteht, schon hinter sich hat. Lafontaine war einst mit viel Lärm von der SPD zur Linken gewechselt.

Aber Söder winkt ab: "Ich habe nicht vor, so ein roter Altrocker zu werden", sagt er und tätschelt Lafontaine den Arm. "Roter Altrocker" - das muss wehgetan haben.

Auch der Linke Lafontaine hatte kein Problem mit dem Populisten-Titel. "Mir ist lieber, man nennt mich einen Populisten, als dass ich mein Publikum einschläfere." Im Gegenteil, er wünscht sich mehr davon: "Wir werden nicht mehr so als Protestpartei wahrgenommen, wie ich es mir wünsche", sagte er über seine Partei.

"Irgendwann sagen die Leute: Es reicht!"

Die kleinen Leute würden darben: Niedriglöhne, befristete Arbeit, Einkommen klaffen auseinander. "Irgendwann sagen die Leute: Es reicht."

Dann die Attacke auf den CSU-Mann: "Herr Söder, Sie täuschen die Bürger. Sie sind mitverantwortlich. Sie waren immer dabei!"

Doch Söder hat seinen eigenen Plan, mit dem er das Volk versöhnen will. Er fordert Plebiszite – zum Beispiel bei der Griechenrettung oder in der Flüchtlingsfrage. "Die unbegrenzte Öffnung der Grenzen war ein Fehler. Wir helfen allen gern, aber wir dürfen die eigene Bevölkerung nicht vergessen.“

Klaus "Wowi" Wowereit, der ehemalige Bürgermeister von Berlin, saß derweil am Rand und versuchte, den Elder Statesman unter lauter Populisten zu geben.

"Wir brauchen neue Antworten, aber die haben wir nicht"

Man müsse klare Kante gegen die AfD zeigen, da sie "den Grundkonsens der Demokratie gefährdet". Aber gleichzeitig auch nicht überbewerten und immer schön sachlich bleiben.

Was man eben so sagt. Gleichzeitig gestand er aber: "Wir brauchen neue Antworten, aber die haben wir nicht."

Einen etwas düsteren Ausblick brachte der Historiker und Philosoph Philipp Blom in die Sendung. Er spielte den Cassandra-Rufer. Blom sieht große Veränderungen auf unsere Gesellschaft zukommen: Globalisierung, Digitalisierung, Überalterung, Klimaerwärmung.

Kommt jetzt der "autoritäre Traum"?

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Er erklärte den "alten Deal", auf dem die Bundesrepublik passiert habe, für tot. In dem habe es ein unausgesprochenes Abkommen zwischen Bürgern und Politik gegeben: "Haltet euch raus, lasst uns mal machen und genießt den Wohlstand."

Dem "europäischen liberalen Traum" stehe nun eine anderer gegenüber: "ein autoritärer Traum - Putin, Erdogan.“ Der "Verlockung, auf diesen Traum zu setzen" müssten wir widerstehen.

Hoffentlich verwirklichen wir den richtigen Traum.

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