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7 Gründe, warum Lehrer möglicherweise keine Lust mehr haben, eure Kinder zu unterrichten

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Viele Lehrer möchten nicht mehr unterrichten | WANDER WOMEN COLLECTIVE via Getty Images
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THE BLOG

Vor genau einem Jahr habe ich das Unterrichten aufgegeben. Eine Entscheidung, die durch den Umzug meiner Familie ans andere Ende des Landes bedingt war. Zum heutigen Jahrestag dieser Entscheidung, möchte ich das top Suchergebnis mit euch teilen, das Menschen auf meine Homepage bringt.

Ich möchte nicht mehr unterrichten.

In meinen zwölf Jahren als Englischlehrerin an einer High School habe ich beobachtet, wie andere Lehrer in Scharen den Beruf wechseln oder aufgeben. Das Klima hat sich geändert. Die Unterrichtskultur hat sich geändert. Das System bricht zusammen und die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

Ich will gar nicht ins Detail gehen, was die Budgetkürzungen oder die wachsenden Klassengrößen betrifft. Oder auch das eher durchschnittliche Gehalt eines Lehrers in den USA, denn das alles wurde schon bis zum Erbrechen diskutiert.

Ich will nicht über die Erschöpfung sprechen, die einen jeden Tag heimsucht, weil man quasi den ganzen Tag auf der Bühne steht. Oder über das Gefühl des Ertrinkens, angesichts hunderter Klausuren, die man am Wochenende korrigieren muss.

Das hier sind nun die anderen Dinge. Der Kram, den man nur versteht, wenn man seine Pausen im Lehrerzimmer verbringt.

1. Du bist eine Autoritätsperson ohne Autorität.

Eine Freundin sagte mir einmal, ich hätte doch eine Ahnung, wie es wäre, einen richtigen Job zu haben. Einen Job mit Fristen und anderen Erwachsenen, die einem ständig im Nacken sitzen. Ich wäre doch mein eigener Chef. Die Ignoranz ihrer Erklärung hängt mir schon seit Jahren nach. Und es verletzt mich, denn diese Denkweise ist erstaunlich weit verbreitet.

Wenn wir die Tür schließen und vor die Klasse treten, dann erliegt man schnell dem Irrglauben, dass wir die Macht hätten. Du bist der Lehrer, also musst du doch auch der Boss sein.

Wirklichkeitscheck: Du bist nicht der Boss.

Die Eltern sind dein Boss. Die Verwaltung ist dein Boss. Der Lehrplan ist dein Boss. Und die Schüler spüren das. Und das führt manchmal zu Szenen wie: „Meine Eltern bezahlen ihr Gehalt, das wissen Sie doch!“. Stimmt.

Und wegen dieser Wahrheit entsteht ein immenser Integritätsdruck: Ein Kind in die nächste Klasse versetzen, obwohl es das Klassenziel nicht erreicht hat; einer Aufgabe noch einmal ein bisschen mehr Zeit einräumen, obwohl die Aufgabe bereits vor zwei Monaten gestellt wurde; weniger Hausaufgaben aufgeben oder andere Projekte ansetzen und bessere Noten geben, denn manchmal wird von dir erwartet, einfach keinen Wirbel zu verursachen.

2. Dein Tag ist nicht mit einem Tag in einem anderen typischen Bürojob vergleichbar.

Trotz der Ignoranz meiner zuvor erwähnten Freundin muss ich ihr doch das eine zugestehen: Manchmal ist man sich schmerzhaft dessen bewusst, dass „dein richtiger Job“ sich doch sehr von „anderen richtigen Jobs“ unterscheidet, die einen Hochschulabschluss voraussetzen.

Hier sind die Dinge, die eure Freunde bei der Arbeit tun können:

- Auf die Toilette gehen
- Kaffee trinken
- Mal eine Viertelstunde mit einem Kollegen quatschen
- Mittags Essen gehen
- Papierkram und andere Job-bedingte Dinge während des tatsächlichen Arbeitstages erledigen
- Sich mal kurz hinsetzen

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es die Sommerferien nur deshalb gibt, weil die Schulgötter all die Sekunden zusammengezählt haben, die man nicht dafür aufwenden kann, mal schnell zur Toilette zu gehen, und sie sie dir jetzt als einen riesen Batzen aushändigen.

25-minütige Mittagessen haben nichts mit einer netten, entspannten Pause im Hinterhof zu tun, und man kann nur dann austreten, wenn man in der Pause schnell von Klasse zu Klasse eilt. Was leider auch die Zeitspanne ist, die alle anderen Lehrer für eben jenes nutzen.

Und wisst ihr, wer noch der Boss ist? Die Pausenglocke.

3. Jeder weiß, wie dein Job zu machen ist. Wirklich JEDER.

Und die meisten von ihnen haben nicht ein einziges Mal in ihrem Leben selbst unterrichtet. Dennoch sind sie fest davon überzeugt, deinen Job mit links machen zu können. Und besser.

Die meisten Menschen haben Lampen in ihren Häusern. Das macht sie aber noch lange nicht zu Elektrikern. Mein Mann hat keine Ahnung davon, wie ein Restaurant zu führen ist, nur weil wir ab und zu mal Essen gehen. Vielleicht sollte ich Anwältin werden? Schließlich schaue ich regelmäßig Law & Order.

Unterrichten ist aber etwas Anderes, oder? Immerhin hat jeder irgendwann mal die Schule besucht. Wir waren alle mal Schüler. Fünf, sechs Stunden pro Tag seit der Grundschule. So hat jeder diesen Beruf zu genüge kennengelernt, da darf man doch eine Meinung haben.

Aber selbst ganz neue Lehrer können eines feststellen: Die Sicht ist eine ganz andere, wenn man plötzlich vor der Klasse steht. Wenn also die größten Besserwisser Menschen sind, die die Schule nur als Schüler kennen, dann fühlt es sich an, als wollte ein Team von Buchhaltern einen Neubau verkabeln.

Wisst ihr, was höchstwahrscheinlich passieren wird? Das Gebäude geht in Flammen auf.

4. Du wolltest ein Bild festigen und es nicht zerstören.

Seit geraumer Zeit schon sind Lehrer dem Druck ausgesetzt, ihren Unterricht anzupassen. Trotz unserer Warnrufe wird die Situation immer schlimmer. Klassen mit „wirklichem“ Inhalt sterben vermehrt aus (Hauswirtschaft zum Beispiel). Auch sieht der Lehrplan keine Ernährungslehre mehr vor, und auch Kunst- und Musikprogramme sind der ständigen Gefahr des Rotstifts ausgesetzt. In einigen Kreisen wurden diese Fächer und Arbeitsgemeinschaften bereits komplett gestrichen.

Einer Grundschullehrerin aus meinem Bekanntenkreis, die in einer Schule in einem sehr wohlhabenden Bezirk arbeitet, wurde kürzlich auf einer Konferenz befohlen, die Geschichten-Zeit drastisch einzuschränken oder ganz zu streichen. Diese Aktivität sei nicht differenziert genug und die Zeit könne besser genutzt werden.

Die Kinder gehen in die DRITTE Klasse. Sie verdienen es, sich um einen Sessel zu versammeln und ihre Phantasie zu füttern. Sie verdienen die Magie einer fesselnden Geschichte. Sie müssen verstehen, dass man auch aus Freude am Lesen ein Buch öffnen kann und nicht nur um zu lernen.

Die Kernfächer der High School sind auch nicht immun gegen diese Gefahr. Englischlehrer müssen traurig zusehen, wie immer mehr große Werke der Literatur aus dem Lehrplan gestrichen und durch informationsgeladene Sachbücher ersetzt werden.

Auch wenn wir manchmal zu den Konferenzen, auf denen der Lehrplan festgelegt wird, mit der leeren Versprechung, auch ein Mitspracherecht zu haben, eingeladen werden, so bleibt das letztendlich doch eine Wunschvorstellung.

Wir müssen uns den Gesetzen und Richtlinien des Bundesstaates beugen. Im Moment drängt alles Richtung FAKTEN, DATEN, STATISTIK.

Da bleibt nicht viel Raum für Fantasie.

Aber eines möchte ich anmerken: Diskussionen über Literatur führen zu Diskussionen über das Leben und das wiederum führt zu etwas viel Wichtigerem als dem Heranwachsen eines Schülers: Es führt zu dem Heranwachsen eines Menschen.

5. Die Technologie-Versessenheit treibt dich in den Wahnsinn.

Unsere geliebten Meisterwerke der Literatur werden nicht einfach nur von Zahlen und Fakten vom Tisch gefegt. Ihnen wird auch noch durch die Technik übel zugesetzt. „Die Kinder müssen lernen, mit TECHNIK UMZUGEHEN!“ ist vielerorts laut zu vernehmen. Und schon rennen alle mit dem Schlachtruf „Das ist die Zukunft!“ zum nächsten Apple-Geschäft.

Aber warum bitte schön schicken so viele Vorstandsvorsitzende großer Technologie-Konzerne ihre Kinder dann auf Computer-freie Waldorfschulen? Dafür gibt es auch eine App, ach, Entschuldigung, ich meinte natürlich einen Grund.

Das ist jetzt ein bisschen verzwickt. NATÜRLICH müssen wir uns als Lehrer auch der jeweiligen Zeit anpassen. Ich möchte aber mal in den Ring werfen, dass es auch zu unseren Aufgaben gehört, unsere Schüler mit etwas Neuem herauszufordern. Und für diese Generation der Schüler ist Technik nichts Neues. Tatsächlich ist das alles, was sie kennen und können.

Unsere Kinder brauchen nicht noch mehr davon. Die meisten von ihnen gehen schon seit dem Kleinkindalter sehr versiert mit Smartphones um. Und sie machen auch während des sicherlich sehr Fakten-basierten Unterrichts mit einem Sachbuch keine Pause. Es ist unglaublich frustrierend, wenn diese tolle neue Technik nur eine Ablenkung statt eines wirklichen Zugewinns für den Unterricht ist.

Obwohl wir Lehrer dazu neigen, auch in der Freizeit viel zusammen zu unternehmen, so habe ich doch auch Familie und Freunde, die beruflich ganz andere Wege eingeschlagen haben. Sie sind Ingenieure, Betriebswirte oder Personaler. Sie alle haben schon Einstellungsgespräche geführt und sie alle beklagen sich über das eine: Es gibt kaum noch Bewerber, die sie wirklich einstellen wollen.

Drei Dinge sterben langsam aus: Neugier, Kreativität und Kommunikationsfähigkeit.

Technik ist ein wunderbares, nein, mehr noch, notwendiges Mittel für eine Vielzahl von Dingen. Aber die Technik tötet auch die drei oben genannten Dinge. Und als Lehrer sieht man dem Sterben nicht nur zu, nein, man ist gezwungen, auch noch Beihilfe zum Mord zu leisten.

Wegen der standardisierten Erwartungen kommt man nicht umhin, immer mehr Technik in den Unterricht zu integrieren, auch wenn man das eigentlich gar nicht will und lieber zum Vorschlaghammer greifen möchte.

6. All diese Ansprüche und die Trophäen und die Apathie und was weiß ich.

Die Luft im Klassenzimmer ist dick vor „das liegt nicht an mir, das liegt an dir!“ und diese dicke Luft kommt von den Schülern.

Die Ironie ist, dass es tatsächlich nicht die Schuld der Schüler ist.

Wie auch Zigarettenqualm wird dieser Geruch von zu Hause mitgebracht. Er strömt aus ihren Taschen, aus ihrer Kleidung und den Fasern ihrer Erziehung. Ihr ganzes Leben lang haben diese ganz besonderen Wesen Lobpreisungen und Auszeichnungen für einfache Spiele erhalten. Nicht für besondere Leistungen.

Kein Wunder also, dass diese Kinder nichts anderes als Bestnoten erwarten, einfach deshalb, weil sie „es versucht haben“. Manchmal ist eine 4 aber einfach eine 4. Das bedeutet nicht, dass Johnnys Lehrerin ein böser Mensch ist. Es bedeutet, dass Johnny dieses Mal einfach eine 4 verdient hat, weil sein Aufsatz nicht besonders gut war. Es bedeutet, dass Johnny sich weniger ablenken lassen sollte.

Aber Johnny weiß das nicht, denn alles, was er beim Abendessen hört, ist, dass seine Eltern unglaublich wütend sind, weil Johnnys Lehrerin es tatsächlich wagt, ihrem Liebling eine 4 zu geben. Mach dich schon mal auf den wütenden Telefonanruf am nächsten Tag gefasst.

Natürlich kommt auf jedes Paar Helikopter-Eltern auch ein Elternpaar, das vor allem durch Abwesenheit glänzt. Und ein Elternpaar, das ihr Kind so dermaßen unterstützt, dass man sich fragt, ob diese Eltern tatsächlich reale Menschen sind. Sie sind warmherzig, großzügig und zeigen Verantwortung. Das sagst du ihnen beim Elternsprechtag. Sie machen das echt großartig, das ist deine ehrliche Meinung.

Ich hoffe, ich werde auch mal zu diesen Eltern gehören.

Ich bin vor einigen Jahren Mutter geworden, und ich muss voller Schande gestehen, dass ich es jetzt begreife. Meine Kinder SIND etwas Besonderes. Meine Kinder versuchen es WIRKLICH. Ich will nicht, dass sie sich jemals als unwichtige Persönlichkeiten sehen.

Wenn mir die Grundschulnote meiner Tochter sagt, dass sie nicht gut zuhören kann, dann fühle ich mich frustriert und hilflos und bin davon überzeugt, dass der Lehrer einfach zu viel verlangt. Als sie an ihrem ersten kleinen Wettbewerb teilnahm, wurde ich gefragt, ob ich ihr eine Medaille kaufen möchte.

„Natürlich“ war meine Antwort. Natürlich würde sie selbstverständlich eine Medaille bekommen. Ohne zu zögern zückte ich meine Geldbörse und trug meinen Teil zur Trophäen-Generation bei.

Als Mutter kann ich das nachvollziehen.

Aber als Lehrerin möchte ich Folgendes sagen: Lasst für eure Kinder keine Entschuldigungen gelten. HÖRT AUF DAMIT. Bringt ihnen bei, dass sie sich Auszeichnungen verdienen müssen. Bringt ihnen hohe Standards bei. Fordert sie heraus. So wissen sowohl meine Tochter wie auch ich, was von uns beiden erwartet wird.

Wir wissen, dass wir in derselben Mannschaft spielen.

Auf sich alleine gestellt werden dir die Kinder als erstes das hier sagen: Ach ja, ich habe ganz vergessen, dass wir die Aufgabe auch noch machen sollten. Ich habe mich nicht wirklich bemüht, ich hatte einfach keine Lust. Ups, tut mir Leid, Frau B.!

Sie ziehen grade mal eine Augenbraue hoch und sind sich ihrer selbst voll bewusst. Sie lachen laut auf, wenn du plötzlich eine imaginäre Trophäe aus dem Schrank holst, sie kurz abstaubst und sie just dann überreichst, wenn sich der nächste Jammeranfall ankündigt.

Tief im Innern wissen sie trotz dieser Ansprüche, wie die Lage ist. Schüler sind klug und sie können mehr Niederlagen verkraften – und dadurch auch mit Erfolgen besser umgehen – als die Welt ihnen zugesteht.

7. Man kann nicht wirklich beurteilen, wer hier wie gut ist.

Als ein Lehrer, der es drauf hat, ist das das Beunruhigendste an der ganzen Sache.

Damit der Welt klargemacht werden kann, wie gut du deine Arbeit wirklich machst, muss die Welt dir bei deiner Arbeit zusehen. Wenn es aber nur für jeden 30. Lehrer einen Betreuer gibt, dann ist gute, flächendeckende Beobachtung physisch unmöglich.

Selbst wenn es die einzige Aufgabe eines solchen Betreuers wäre, in Klassenzimmern zu sitzen und zu begutachten, so hat der Tag doch zu wenig Stunden, um alles abzudecken. Die Gesetzgeber müssen sich hier also etwas einfallen lassen, um die leeren Felder auszufüllen.

Ein cleverer Vorschlag ist es, die Noten der Schüler genauer unter die Lupe zu nehmen. In der Theorie funktioniert das, aber in der Praxis soll das wohl ein Witz sein. Schüler sind kein makelloses Fließbandprodukt aus einer Fabrik. Sie sind Menschen. Und im Klassenzimmer sitzen 35 von ihnen.

Schüler werden von weit mehr als dem gestrigen Vokabeltraining beeinflusst. Du kannst ihren Schlaf nicht überwachen, du kannst die Trennung von Freund oder Freundin nicht verhindern (weißt wahrscheinlich auch gar nichts davon) und hast keine Ahnung, ob die Familie genug Geld zum Leben hat.

Aber all diese Dinge nehmen Einfluss auf die Noten einer Klassenarbeit. Ebenso wie Förderunterricht, der in Anspruch genommen wird und die Tatsache, ob du eine Klasse mit Top-Schülern unterrichtest oder mit Schülern, die mehr Hilfe benötigen.

Jetzt, da mehr Bezirke diese unsinnige Praxis übernehmen, wer unterrichtet da noch Kinder, die Schwierigkeiten haben? Wer opfert seine Zeit und Karriere für Schüler, die schon für eine 4 hart arbeiten müssen? Einige der besten Lehrer tun das, nur ihre ehrliche Motivation hält sie davor zurück, aufzugeben.

Eine andere Methode ist es, die Verantwortung den Lehrern zu überlassen. Statt die Vorbereitungszeit (den Sonntagabend) damit zu verbringen, einen großartigen Unterrichtsplan auszuarbeiten oder zehntausend Arbeiten zu korrigieren, befasst man sich damit, wie man die festgelegten Ziele noch besser erreichen kann.

Initiativen und Richtlinien, die bereits im nächsten Schuljahr völlig ohne Belang sein werden. Danach musst du deine Zeit dafür aufwenden, diese Ziele und Richtlinien im Unterricht umzusetzen. Schließlich verbringst du noch mehr Vorbereitungszeit (noch mehr Sonntagabende) damit, Berichte zu schreiben, die beweisen, wie gut du besagte Richtlinien umsetzt.

Kombiniert mit den Noten deiner Schüler soll das nun belegen, wie effektiv du als Lehrer arbeitest. Oder auch nicht.

In deinem Job geht es um viel mehr als nur um Noten

Kann ich bitte über Von Menschen und Mäusen sprechen? Können wir die Zeit damit verbringen, zu erfahren, warum uns manche Wörter auf einer Seite einfach zum Weinen bringen? Das ist wichtig. Darauf kommt es an. Diese Dinge lehren uns, wer wir sind.

Das hier sind die Dinge, auf die es ankommt: Schülern dabei helfen, wie sie auf ganz zivile Art und Weise einen Konflikt lösen können. Dafür zu sorgen, dass alle die Ruhe behalten, wenn ein Schüler sich im Klassenraum übergibt.

Zu sehen, wie der schüchternste Schüler der Klasse, der Schüler, der im September noch kaum ein Wort rausbrachte, plötzlich eine Hauptrolle in einem Theaterstück übernimmt. Und er macht das großartig! Er füllt die Rolle aus! Und er hat plötzlich viel mehr Freunde, weil er es zulässt, sich auch verletzbar zu präsentieren.

In deinem Job geht es um so viel mehr als nur um Noten, bedeutungslose Ziele und zynische Initiativen und Richtlinien. Man bindet Schuhe zu und verteilt Pflaster. Man hört Eltern zu, die sich über ihre kaputte Ehe ausheulen. Man zeigt Teenagern, wie man richtig argumentiert und lehrt ihnen eine kritische Denkweise und wie man respektvoll anderer Meinung sein kann.

Zehn Jahre nach dem Schulabschluss hört man wieder von manchen Schülern, die einem erzählen, dass es dein Unterricht war, der sie dazu inspiriert hat, ins Ausland zu gehen; deine Leidenschaft für Naturwissenschaften, die sie zu einem Universitätsabschluss in Biochemie geführt hat und deine stille Ermutigung in ihren dunklen Tagen, die sie überzeugt hat, die Schule nicht abzubrechen.

Wo steht das auf der „Höchst effektiv-Checkliste“? Wie kannst du diesen Einfluss belegen? Er lässt sich nicht durch eine 1 oder 2 bewerten. Auch nicht durch wöchentliche Evaluierungen. Kein Wunder, dass du frustriert bist.

Kein Wunder, dass du nicht mehr unterrichten willst.

Aber wenn das hier die Gründe sind, das Unterrichten an den Nagel zu hängen, dann ist hier ein Grund, der dich vielleicht vom Gegenteil überzeugen kann:

Die Kinder, verdammt. Die Kinder.

Nach einem Jahr ohne sie vermisst du vielleicht ihren ungezügelten Schul-Enthusiasmus bei Schulparties oder Sportfesten, ihren Sinn für Humor; die Bilder, die sie für dich malen und den Gruß, den sie dir im Schulflur zurufen. Sie lassen dich vielleicht deinen harten Start jeden Morgen vergessen. Du wirst dich dafür immer an den Gesichtsausdruck erinnern, wenn deine Schüler etwas wirklich Wichtiges gelernt und begriffen haben.

Wenn sie nicht wären, dann hättest du der Schule vielleicht schon längst den Rücken gekehrt, statt „ich will nicht mehr unterrichten“ zu googeln.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.


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