Huffpost Germany

Trockenes Ertrinken: Das müssen Eltern über die unterschätzte Todesursache von Kleinkindern wissen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TODDLER CUTE
Zweites Ertrinken wird häufig nicht erkannt | Thomas Barwick via Getty Images
Drucken

In einem erschütternden Blogbeitrag aus dem Jahr 2014 beschrieb die Autorin Lindsay Kujawa, wie es in ihrer Familie zu einem Fall von sekundärem Ertrinken kam, nachdem ihr Sohn Ronin bei einer Pool-Party ungefähr 20 Sekunden lang unter Wasser geraten war.

Zuerst sah es so aus, als ginge es ihm gut, obwohl er ein wenig durcheinander war. Ein paar Stunden später musste Ronin jedoch mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden und seine Mutter musste hilflos dabei zusehen, wie seine Sauerstoffwerte immer weitern abfielen. Er wurde nach diesem Vorfall zwar wieder gesund, doch Kujawa schrieb, dass sie "nach diesem Erlebnis nie wieder so sein wird wie früher".

"Ich hatte [vor diesem Tag] noch nie etwas von sekundärem Ertrinken gehört", berichtete sie weiter. "Wenn ich vorher davon gewusst hätte, hätte ich alles anders gemacht."

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass die Badesaison bald beginnt, findest du im Folgenden fünf wichtige Fakten über trockenes und sekundäres Ertrinken, die alle Eltern kennen sollten:

1. Man ertrinkt neben dem Wasser.

Sowohl das trockene als auch das sekundäre Ertrinken gelten als atypische Arten des Ertrinkens, weil sie erst auftreten, nachdem das betroffene Kind bereits aus dem Wasser gezogen wurde. Bei trockenem Ertrinken wird zwar Wasser verschluckt, es dringt dabei jedoch nicht in die Lunge ein.

Das Wasser gelangt in die Atemwege und erzeugt dort Krämpfe, die zu Atemproblemen und sogar zu Erstickung führen können, erklärte der Kindernotarzt Dr. Mark Zonfrillo vom Children's Hospital in Philadelphia.

Beim sekundären Ertrinken gelangt das Wasser jedoch in die Lunge, erklärte der Arzt. Auch diese Art des Ertrinkens kann zu Atemproblemen führen, die unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein können.

2. Es ist wichtig, dass man sein Kind über mehrere Stunden hinweg beobachtet.

Trockenes Ertrinken tritt für gewöhnlich bereits in den ersten Minuten nach der Rettung des Kindes aus dem Wasser auf. Bei sekundärem Ertrinken hingegen zeigt das Kind jedoch über Stunden hinweg – in seltenen Fällen sogar bis hin zu einem ganzen Tag – keinerlei Auffälligkeiten.

"Die Auswirkungen sind zwar möglicherweise nicht unmittelbar ersichtlich, doch [sekundäres Ertrinken] kann mit einiger Verzögerung zu Ödemen oder Schwellungen in der Lunge führen", so Zonfrillo.

Oft wirkt der Moment, der zu sekundärem Ertrinken führt, nicht besonders dramatisch – wenn beispielsweise ein Kleinkind für wenige Sekunden unter Wasser gerät. Doch gerade dann sollten die Eltern ganz besonders darauf achten, wie ihr Kind sich nach dem Vorfall verhält.

3. Die typischen Anzeichen sind Husten und Müdigkeit.

"Man sollte ganz besonders darauf achten, wie aktiv das Kind danach ist und ob es Probleme mit dem Atmen hat oder hustet", erklärte der Notfallkinderarzt Dr. Vincenzo Maniaci vom Nicklaus Children's Hospital in Miami, Florida.

"Wenn das betroffene Kind plötzlich müde ist, obwohl es sich vorher noch gar nicht so viel bewegt hat, sollte man einen Arzt aufsuchen", betonte Zonfrillo. Er wies darauf hin, dass sowohl trockenes als auch sekundäres Ertrinken so schnell wie möglich behandelt werden müssen. Die Ärzte führen eine Kontrolle der Vitalparameter durch und kontrollieren diese ständig, außerdem röntgen sie die Brust. Falls nötig leiten sie akute Gegenmaßnahmen ein, indem sie beispielsweise Sauerstoff verabreichen.

4. Glücklicherweise treten beide Arten des Ertrinkens relativ selten auf.

"Diese Arten des Ertrinkens machen nur in etwa 1 bis 2 Prozent aller Ertrinkungsunfälle aus", so Zonfrillo. "Sie sind zwar genauso beängstigend, doch sie sind äußerst selten." Es ist zwar wichtig, dass Eltern die Anzeichen kennen, auf die sie achten müssen, doch der Arzt sagte auch, dass er hoffe, dass Berichte in den Medien (wie dieser Artikel) nicht zu übertriebener Hysterie oder Beunruhigung führen.

5. Die Eltern können sogar sehr viel dagegen tun.

Nach Aussage von Zonfrillo können Eltern viel dazu beitragen, um jegliche Arten des Ertrinkens zu verhindern – das gilt sowohl für das typische, als auch für das sekundäre und das trockene Ertrinken. Er empfiehlt den Eltern, dass sie ihre Kinder ständig und gezielt beaufsichtigen sollten, wenn diese sich in der Nähe eines offenen Gewässers befinden.

"Man sollte immer Bescheid wissen, wer gerade [auf den Jungen oder das Mädchen] aufpasst", so Zonfrillo. "Man sollte auch dafür sorgen, dass man genau weiß, wie gut das Kind schwimmen kann. Außerdem sollte man wissen, dass Ertrinken sehr schnell vonstatten geht. In den Medien wird es zwar zumeist so dargestellt, als würden Ertrinkende erst lange und auffällig gegen das Wasser ankämpfen, doch in Wahrheit passiert Ertrinken meist sehr still."

Maniaci wies mehrmals darauf hin, dass Sicherheitsmaßnahmen wie die Umzäunung von Pools oder Türalarmsysteme sehr wichtig sind. Außerdem sollte man sein Kind bereits früh zum Schwimmunterricht anmelden. Er sagte, dass Kinder unter 5 Jahren besonders gefährdet sind, weil sie schnell in Panik geraten, wenn sie Wasser schlucken, auch wenn sie eigentlich schwimmen können. (Nach Berichten der amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention ist bei Kindern im Alter von 4 Jahren und darunter das Ertrinken die häufigste Todesursache nach angeborenen Anomalien).

"Der wichtigste Ratschlag, den ich den Eltern mit auf den Weg geben möchte, ist der, dass bei jedem Kind ein Erwachsener die Verantwortung dafür tragen sollte, was das Kind gerade macht", so Maniacis eindringliche Empfehlung.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

Auch auf HuffPost:

Der Junge starb eine Stunde nach dem Baden. Alle Eltern sollten das sehen


Kindern helfen



Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?


Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.


Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.


Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“ möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.


Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.


Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.