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Fälle sexueller Belästigung von Polizistinnen durch junge Männer nehmen massiv zu

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Nehmen Fälle sexueller Beleidigung gegen Polizistinnen zu? Symbolbild. | Getty
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  • Polizeigewerkschaften zufolge werden Polizistinnen immer häufiger sexuell belästigt
  • Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft behauptet: Besonders oft sind die Täter Muslime
  • Aus den Polizeistatistiken lässt sich der Trend jedoch nicht ablesen
  • Ein Problem: Frauen sprechen häufig nicht über die Belästigungen

Eigentlich war es eine Kontrolle wie viele. Eine Polizistin wollte nur die Ausweise von drei Asylbewerbern kontrollieren. Doch was die Beamtin dann nach eigener Aussage erlebte, schockierte sie: In den Personaldokumenten der Flüchtlinge hätten sich kleine Zettel befunden mit Notizen wie: "Willst Du mit mir ficken, bläst Du mir einen, willst Du mit mir Liebe machen". Oft höre sie auch Sprüche wie "Hey Schnitte" oder "Du geiles Luder".

In der ARD-Sendung "Fakt" berichteten in dieser Woche mehrere Polizistinnen von solchen Erlebnissen.

Sexuelle Belästigungen gegen Beamtinnen häufen sich

Der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) zufolge handelt es sich dabei um keine Einzelfälle. Deren Vorsitzender Rainer Wendt geht im Gespräch mit der Huffington Post davon aus, dass die verbale sexuelle Gewalt gegen Polizistinnen in den vergangenen Jahren massiv zugenommen habe. "Besonders viele sexuelle Belästigungen gegen Beamtinnen begehen muslimische, meist arabischstämmige junge Männer", sagt Wendt.

Dies zeige sich in einer Reihe von Großstädten wie Berlin oder Duisburg. "Diese Männer sind in ihrer Heimat mit einer Macho-Kultur groß geworden, die sie hier weiter ausleben“, behauptet er.

Auch gewalttätige Angriffe auf Polizisten nahmen zu

Allerdings gibt es bislang keine Statistik, die belegt, dass arabischstämmige junge Männer in Deutschland häufiger Sexualstraftaten begehen würden als deutsche. Prinzipiell waren in der Kriminalstatistik des BKA für 2015 Syrer oder Iraker unter den Zuwanderern sogar deutlich unterrepräsentiert. Große Probleme gibt es den offiziellen Angaben von Sicherheitsbehörden zufolge jedoch vor allem mit Asylbewerbern aus Nordafrika.

Bei den Köln-Attacken wurden auch Polizistinnen belästigt

Für bundesweite Schlagzeilen hatten massenhaft sexuelle Übergriffe von jungen Männergruppen in Köln gesorgt: Dort waren bis zu mehreren hundert Frauen von einem Männermob mit mutmaßlich nordafrikanischer Herkunft sexuell attackiert worden. Selbst eine Polizistin wurde mehrfach von einer Gruppe junger Männer sexuell beleidigt und begrapscht.

Doch haben sich solche Vorfälle tatsächlich gehäuft. Davon geht auch die dem Deutschen Gewerkschaftsbund angeschlossene Gewerkschaft der Polizei aus.

Viele Polizistinnen trauen sich nicht, etwas zu sagen

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Sachsen, Hagen Husgen, sagte dem ARD-Magazin "Fakt", er gehe davon aus, "dass sich viele Kolleginnen nicht trauen, etwas zu sagen". Es gebe sehr viele Einsätze der Polizei in Erstaufnahme-Einrichtungen, Asylbewerber-Unterkünften oder auf der Straße im Zusammenhang mit Asylbewerbern. "Da kommt es uns zu Ohren als Gewerkschaft, dass es häufiger passiert als es uns lieb ist, dass Kolleginnen von uns verbal angegriffen werden oder bis unter die Gürtellinie beleidigt werden."

Eine andere Polizistin berichtete in der Sendung von einem Einsatz in einer Unterkunft, bei der aus einer Gruppe von 20 Asylbewerbern heraus sexistische Sprüche geäußert worden seien. Schließlich hätten die Männer sich ihr genähert und versucht, sie zu berühren. Nur "mit straffem Ton" habe sie die Situation in Griff behalten können, so die Polizistin. Die Männer stammten aus Nordafrika und Afghanistan.

"Das Schweigen muss ein Ende haben"

Die Polizistin und Autorin Tania Kambouri rief dem "Fakt"-Bericht zufolge ihre Kolleginnen bei einem Symposium der GdP zum Thema Flüchtlinge vor einigen Tagen in Berlin dazu auf, solche Vorfälle öffentlich zu machen und Anzeige zu erstatten.

"Schweigen wir es tot, kriegen wir die Probleme gar nicht mehr in den Griff", sagte sie. Lambouri kritisierte, dass betroffene Beamtinnen in manchen Behörden aufgefordert würden, sich nicht zu äußern. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Dietmar Schilff, forderte einen offenen Umgang mit dem Thema.

In Sachsen nur eine Anzeige

Aus offiziellen Statistiken lässt sich die von den Polizeigewerkschaften konstatierte Zunahme von sexuellen Beleidigungen jedoch nicht ableiten: Das sächsische Innenministerium von Sachsen etwa teilte auf Anfrage von "Fakt" mit, im Jahr 2015 sei ein Fall von sexueller Beleidigung von Polizistinnen in Flüchtlingsunterkünften aktenkundig geworden. Es kämen aber nicht alle Fälle zur Anzeige. Im polizeilichen Alltag reagierten die Beamten "nicht auf jede Bemerkung", hieß es.

Dafür, dass viele Frauen keine Anzeige erstatten würden, hat DPolG-Chef Wendt zwei Erklärungen: Er verweist auf die bei Sexualdelikten generell hohe Dunkelziffer an Opfern. "Die Scham ist hier sehr groß", weiß der erfahrene Kriminaler. Zudem stehe bei sexuellen Beleidigungen und Übergriffen ja oft Aussage gegen Aussage.

Bei Delikten gegen Polizisten und Polizistinnen komme jedoch noch etwas anderes hinzu: "Viele Kolleginnen glauben nicht mehr an die deutsche Justiz." Sie fürchteten, dass die Täter am Ende schlicht nicht verurteilt würden.

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(lk)