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"Schwiegertocher gesucht": Böhmermann deckt auf, wie absurd die Sendung wirklich ist

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BOEHMERMANN
Jan Böhmermann rechnet mit "Schwiegertochter gesucht" ab | ZDF Neo
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Mit großer Spannung wurde Jan Böhmermanns erste "Neo Magazin Royale"-Sendung nach der durch den Satire-Skandal verursachten Pause erwartet. Die "Bild" hatte vorab bereits über Gerüchte zu einer Tanzeinlage in Ziegenkostümen berichtet. Doch es kam besser.

Vieeeel besser.

Süffisant sprach er von einer "mächtigen Frau im Blazer", mit der er sich viel beschäftigt habe. Aber nein, er meinte nicht Angela Merkel. Sondern RTL-Moderatorin Vera Int-Veen.

"Kann es sein, dass irgendjemand einen gefälschten Kandidaten bei "Schwiegertochter gesucht" eingeschmuggelt hat?", fragte Böhmermann mit gespielter Überraschung - um danach mit der Auflösung um die Ecke zu kommen.

"Schwiegertochter gesucht" - das ist jene RTL-Sendung am Sonntagabend, in der Int-Veen Männer vorführt, die meist aus ärmlichen Verhältnissen stammen - unter dem Vorwand, ihnen über das Fernsehen eine Partnerin vermitteln zu wollen.

Dämlich grinsen, langsam sprechen und auf Knopfdruck heulen

In einem langen Einspieler zeigte er, wie seine Redaktion eine "Assi"-Wohnung in Duisburg anmietete, liebevoll einrichtete und zwei Schauspieler anwarb - die sich als Vater und Sohn ausgaben.

In dem Stück war dann zu sehen, wie der Dreh für die RTL-Show vorbereitet wurde. Die beiden übten vor ihrem Auftritt, dämlich zu grinsen, langsamer zu sprechen und auf Knopfdruck in Tränen auszubrechen.

Böhmermann strickte eine Legende des Schildkröten- und Eisenbahnfreunds Robin, der endlich seine erste Freundin haben möchte. Sein Team bewarb sich bei dem TV-Format - mit Erfolg. RTL biss an.

150 Euro für 30 Drehtage

Mit versteckter Kamera zeichnete das Team von "Neo Magazin Royale" das "Bewerbungsgespräch" der beiden ausgedachten Bewerber auf. 150 Euro Aufwandsentschädigung bekommen die Kandidaten für 30 Drehtage.

Robins Vater behauptete im Vorgespräch, täglich acht Bier zu trinken. Die RTL-Redakteurin kreuzt bei der Frage nach Alkohol trotzdem "Nein" an. Die Kandidaten musten zudem eine eidesstattliche Versicherung unterschreiben, dass sie nicht "geistig beeinträchtig" sind.

Gänzlich unsarkastisch wurde Böhmermann nach dem Einspieler:

Liebes RTL, falls ihr das nach zehn Jahren immer noch nicht verstanden habt. Die Kandidaten bei ‚Schwiegertochter gesucht' wissen nicht, worauf sie sich da einlassen, und verstehen auch nicht, was RTL aus ihnen machen möchte – nämlich Witzfiguren, auf deren Kosten man sich schön abends als ironischer Assi-Zuschauer amüsieren kann, um sein eigenes mickriges Selbstwertgefühl aufzupolieren.

Es geht nicht um Liebe bei ‚Schwiegertochter gesucht‘. Es geht für euch ums Geschäft. Und damit es läuft, das Geschäft, macht ihr wirklich alles.

Ihr habt Robin und seinen Vater noch dümmer gemacht, als wir sie uns ausgedacht haben. Und das will was heißen. Ihr habt sie als die allerletzten Trottel inszeniert. Sorgfaltspflicht, scheiß egal. Ihr habt unsere beiden Schein-Idioten dazu gedrängt, einen Knebelvertrag zu unterschreiben und habt noch nicht mal ne Kopie dagelassen. Die haben wir erst bekommen nach der Ausstrahlung, knapp zwei Monate später.

Und ich sag es mal so, RTL und Vera Int-Veen; ihr habt nicht den Eindruck vermittelt, dass ihr das zum allerersten Mal so gemacht habt."

Zum Hashtag des "Neo Magazin Royales" kürte er "#Verafake" - in Anlehnung an seine bekannte "Varoufake"-Satire. Nach der Sendung waren manche Zuschauer verunsichert. War die Fälschung vielleicht selbst eine Fälschung?

Schließlich hatte Böhmermann den Grimme-Preis für eine gefaktes Fake gewonnen: für seine Behauptung, das Video, in dem der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis Deutschland den ausgestreckten Mittelfinger entgegenhielt, gefälscht zu haben.

War der gefakte Kandidat ein Fake?

Die Nachrichtenagentur dpa verbreitete eine Meldung, dass #Verafake selbst nur eine Satire sei - also eine Fälschung. Aber alles spricht dafür, dass Robin, der Schildkrötenfreund, ein echter falscher Kandidat ist. Die Sendung wurde auf RTL am 10. April ausgestrahlt - ausgerechnet dem 10. Jahrestag der Show.

Bei RTL hieß es am Abend auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: "Wir werden uns die Sendung anschauen und bei Bedarf mit dem Produzenten austauschen." Danach wolle man das kommentieren. Int-Veens Managerin wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht äußern.

robin
"Robin" ist immer noch zu haben

Den Wirbel um sein Erdogan-Gedicht griff Böhmermann immer mal wieder in Anspielungen auf, ohne sich direkt damit auseinanderzusetzen.

Anspielungen gab es etwa im ersten Teil der Show. Böhmermann hatte seine Zuschauer gegen eine Belohnung aufgerufen, Witze einzureichen und trug auch einige vor.

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In Anspielung auf den Strafrechtsparagrafen 103 hatte er dafür 103 Euro ausgelobt. Er wolle keine eigenen Witze bringen. "Auf dieser Sendung ist viel Druck", sagte er. Mit Gags habe er schlechte Erfahrungen gemacht. "Oft verstoßen Gags gegen die Menschenwürde."

"Robin" ist übrigens immer noch zu haben. RTL hat seinen Eintrag auf der Website noch nicht aus dem Internet genommen. E-Mail an: schwiegertochtergesucht@rtl.de.

Mit Material der dpa

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(lk)