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Philosophie-Professor: Wir sind verpflichtet, unser Glück für Flüchtlinge zu opfern

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Das eigene Glück für Flüchtlinge opfern? Ein Philosophie-Professor aus Berlin hat ein bemerkenswertes Interview gegeben (Symbolbild) | Getty
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  • Philosophie-Professor: Menschen müssen ihr eigenes Glück für Flüchtlinge opfern
  • Der Philosoph von der FU Berlin vergleicht die heutige Situation mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Mit der Flüchtlingskrise hat der Sozialneid in Deutschland eine traurige Wiedergeburt erlebt. "Für die Flüchtlinge macht ihr alles, für uns macht ihr nichts" - kein Satz hat im vergangenen Jahr deutlicher gemacht, wie tief der Riss in Teilen der Gesellschaft ist.

In vielen Debatten der vergangenen Monate wurde deutlich: Die Deutschen haben Angst, ihre Existenz, ja vielleicht sogar ihr privates Glück aufzugeben.

Philosoph: Menschen sind in der Pflicht, ihr Glück für Flüchtlinge zu opfern

Klamottenspenden für Asylbewerber? Kein Problem. Aber darüber hinaus dürften sich die meisten Deutschen nichts sehnlicher wünschen, als ihre Jägerzaun-Idylle zu bewahren.

Der Philosophie-Professor Stephan Gosepath von der Freien Universität Berlin hält dagegen. Er sieht die Menschen in der moralischen Pflicht, radikale Einschnitte in ihrem Leben hinzunehmen.

Unter bestimmten Umständen wären wir alle verpflichtet, unser Lebensglück für Flüchtlinge zu opfern, sagte Gosepath im Interview mit dem "Philosophie Magazin".

Gosepath geht auf die Flüchtlingshilfe nach dem Zweiten Weltkrieg ein

Auf die Frage, ob man sein persönliches Lebensglück dafür opfern müsse, antwortet Gosepath: „Im Zweifelsfall ja“. „Zumindest zeitweilig“ müsse dies geschehen.

In dem Interview, über das "Focus Online" am Donnerstag zuerst berichtete, geht Gosepath unter anderem auf die vielen Westdeutschen ein, die nach Kriegsende Flüchtlinge aus dem Osten aufgenommen hätten.

Die Menschen hätten damals zu fünft oder sechst in Ein- oder Zweizimmerwohnungen gelebt, so Gosepath. Sie hätten „massiv opfern“ müssen –dies sei zumutbar. Aber nur unter einer Bedingung: „Und zwar genau dann, wenn die Annahme gerechtfertigt ist, dass der Ausnahmezustand nicht auf Dauer gestellt ist.“

Der Philosoph sieht jedoch auch öffentliche Institutionen in der Pflicht. Gosepath schlägt vor, eine neue globale Organisation sowie eine weltweite „Flüchtlingssteuer“ einzuführen.

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