Huffpost Germany

Christian Kern: Sechs Dinge, die ihr über Österreichs neuen Kanzler wissen müsst

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHRISTIAN KERN
Österreichs neuer Kanzler: Der frühere ÖBB-Chef Christian Kern | dpa
Drucken

Die Entscheidung in der Kanzlerfrage in Österreich scheint gefallen. Auch die Wiener SPÖ, als mächtigster Landesverband, sei für den 50-jährigen Bahn-Manager Christian Kern, schreiben mehrere Medien am Donnerstag.

Laut der Tageszeitung "Kurier" hatte Kern eine positive Unterredung mit dem SPÖ-Interims-Parteichef Michael Häupl. Auch nach Informationen von "Spiegel Online" wird Kern neuer Regierungschef und SPÖ-Vorsitzender. Zuvor hatten sich bereits sieben der neun SPÖ-Landesverbände für Kern ausgesprochen, teils aber keine formalen Beschlüsse gefasst.

Doch wer ist der Mann, der offenbar künftig die Geschicke in Deutschlands Nachbarland leitet - und dessen größte Herausforderung es sein wird, den Rechtsruck im Land aufzuhalten. Hier sind sechs Dinge, die ihr über Christian Kern wissen müsst:

1. Kern hat in der Flüchtlingskrise viele Sympathien gewonnen - aber auch Hass auf sich gezogen

Bei der Versorgung und dem Transport Tausender Flüchtlinge übernahm Kern als Chef der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) eine führende Rolle. Er machte sich selbst am stark betroffenen Wiener Hauptbahnhof nahezu täglich ein Bild davon. Er gab vielen Österreichern Hoffnung, dass eine staatliche Institution geordnet mit der sonst oft chaotischen Situation der vielen Ankommenden umgehen kann. Er positionierte sich als "Macher" - dafür schlug ihm von Flüchtlingsgegner jedoch auch heftige Kritik entgegen.

2. In Parteikreisen galt er schon lange als der geeignete Mann für einen Neuanfang

Kern gilt schon lange als möglicher Kandidat für einen Neuanfang an der Spitze der SPÖ. Der 50-Jährige sei pragmatisch und sehr modern, heißt es. Der gebürtige Wiener wurde in der SPÖ groß, hat aber auch Erfahrung in der Wirtschaft nachzuweisen. Manche Beobachter fragen jedoch, ob der smarte Manager, dessen Anzug immer perfekt sitzt, nicht etwas zu abgehoben für eine Arbeiterpartei sein könnte.

3. Für viele gilt Kern immer noch als politischer Quereinsteiger

Der 50-Jährige hatte vor sechs Jahren bei der hochdefizitären, staatlichen ÖBB die Führung übernommen. Zuletzt war es Kern gelungen, das Unternehmen wirtschaftlich wieder in die Spur zu bringen. Davor war Kern unter anderem Manager bei Österreichs größtem Stromkonzern Verbund. Seine politischen Gegner werfen Kern daher immer wieder vor, kein ausgewiesener Politik-Experte zu sein. Kern sei ein hervorragender Bahnmanager, Politik sei aber nicht seine Stärke, hatte die ehemalige Verkehrsministerin zuletzt gesagt.

4. Kern warnte im vergangen Jahr vor einem Polit-Kollaps in Österreich

„Es wird einen Aufprall geben“ warnte Kern im Herbst 2015 im Interview mit der "Wirtschaftswoche". Gemeint war die politische Situation in der Alpenrepublik - heute, wenige Monate später, zeigt sich: Kern hat Recht behalten. Die Rechtspopulisten im Land erhalten immer mehr Zulauf, die Parteien stehen vor einem Scherbenhaufen. Jetzt hat Kern selbst die Gelegenheit, als Kanzler das Land wieder in ruhigeres Fahrwasser zu manövrieren.

5. Kern kommt aus der Medienbranche

Österreichs neuer Kanzler studierte in Wien Publizistik und Kommunikationswissenschaft - und startete seine Karriere als Wirtschaftsjournalist. In seiner Vita hat Kern einmal als Berufswunsch "Sportreporter" angegeben. Später war er Pressesprecher des SPÖ-Parlamentsklubs.

In einem Interview sagte er später in Funktion als ÖBB-Chef einmal, dass ihn die Berichterstattung der Medien über die ÖBB "nachdenklich" mache. "Sowohl die negative als auch die positive Übertreibung ist meistens ein Zerrbild der Wirklichkeit. Du scheiterst ja am Ende immer an den Erwartungshaltungen", sagte er damals. Es dürfte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass er sich mit den Medien überwirft.

6. Österreichische Medien lassen sich gerne über das Privatleben Kerns aus

Während die Deutschen so gut wie nichts über das Privatleben ihrer Kanzlerin wissen, ist Kern deutlich präsenter in der österreichischen Presse vertreten. Mal ist es sein "perfekt gestyltes, jugendliches, dynamisches, ehrgeiziges" Auftreten, mal seine Ehe mit Eveline Steinberger, frühere Chefin des Klimafonds und mal sein streitbarer Musikgeschmack (Deutschpop und Green Day).

Auch auf HuffPost:

Darum solltest du sofort aufhören, einen BH zu tragen


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!




Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.


Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.


Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.


Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.


Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.