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Adidas gibt seinen Mitarbeitern frei, damit sie zu Flüchtlingshelfern werden können

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Adidas gibt seinen Mitarbeitern frei, damit sie zu Flüchtlingshelfern werden können. | Grigory Dukor / Reuters
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  • Mit einer groß angelegten Initiative beteiligt sich Adidas an der Flüchtlingshilfe
  • Jeder Mitarbeiter bekommt 2016 drei Tage frei - für ehrenamtliche Tätigkeiten
  • 30 Flüchtlinge erhalten zudem einen Praktikumsplatz im Unternehmen

Die Willkommenskultur ist angeschlagen. In Teilen der deutschen Bevölkerung wächst die Skepsis gegenüber den ankommenden Flüchtlingen spürbar. AfD und Pegida befeuern Vorurteile und Misstrauen.

Während die Politiker in Berlin von einer Lösung der Flüchtlingskrise noch nie weiter entfernt schienen und ihre Energie mit parteiinternen Streitigkeiten verschwenden, nehmen einige deutsche Unternehmen die Integration der Flüchtlinge selbst in die Hand.

Im Februar starteten 36 deutsche Konzerne eine bundesweite Initiative, um Menschen aus Syrien, dem Irak und anderen Herkunftsländern an das Leben in Deutschland heranzuführen.

"Sport hat die Kraft, Leben positiv zu verändern"

An der Initiative “Wir zusammen” beteiligt sich auch der Sportartikelhersteller Adidas. “Wir sind überzeugt davon, dass der Sport die Kraft hat, Leben positiv zu verändern”, schreibt Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender der Adidas-Gruppe auf der Website der Initiative.

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Quelle: wir-zusammen.de

Mit mehreren Projekten will Adidas in diesem Jahr Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer unterstützen und jungen Asylbewerbern den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern.

Das Unternehmen will jeden Mitarbeiter in Deutschland in diesem Jahr drei Tage für ehrenamtliche Tätigkeiten freistellen. “Die Mitarbeiter sammeln die Tage und am Ende des Jahres wird die Zeit dann ausgeglichen”, sagte Adidas-Sprecherin Simone Lendzian der Huffington Post.

"Die Nachfrage unter den Mitarbeitern ist sehr hoch"

Viele Mitarbeiter engagierten sich schon jetzt stundenweise nach ihrer offiziellen Arbeitszeit, zum Beispiel, indem sie Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben helfen oder mit ihnen Fußball spielen. “Auch diese Zeit wollen wir unseren Mitarbeitern ausgleichen”, erklärt Lendzian. Die Angestellten können also auch einzelne Stunden einreichen und nicht nur ganze Tage.

Wer möchte, kann sich im Rahmen des Adidas Fund engagieren. In dem Programm bietet der Konzern den Angestellten an, bei verschiedenen Programmen mitzuwirken. Wie oft und ausgiebig sie das tun, bleibt jedem selbst überlassen.

“Die Nachfrage unter unseren Mitarbeitern ist sehr hoch”, freut sich Lendzian. “Wir mussten noch nie ein Fußballspiel oder einen Workshop ausfallen lassen, weil sich nicht genügend Freiwillige fanden.”

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Quelle: wir-zusammen.de

Am Standort der Konzernzentrale im mittelfränkischen Herzogenaurach sei der Bedarf an Flüchtlingshelfern seit Anfang des Jahres etwas zurückgegangen - “ein gutes Zeichen”, glaubt Lendzian. “Einige der Erstaufnahmelager wurden geschlossen und die Flüchtlinge in bessere Unterkünfte gebracht”, berichtet sie. “Deswegen haben wir ein paar der Sportprogramme des Adidas Fund inzwischen eingestellt.”

Das Unternehmen suche aber stetig nach weiteren Wegen, die Flüchtlinge vor Ort zu unterstützen. Adidas arbeite hierfür eng mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) zusammen. “In diesem Jahr wollen wir den Schwerpunkt auf Ausbildung und Einstieg in den Arbeitsmarkt setzen”, sagt Lendzian.

"Viele wissen gar nicht, welche beruflichen Möglichkeiten sie haben"

Für minderjährige Flüchtlinge, die unbegleitet nach Deutschland kommen, will Adidas Unterrichtsstunden und Weiterbildungsangebote organisieren.

“80 Prozent der Flüchtlinge, mit denen wir zu tun haben, geben die gleiche Antwort, wenn wir sie nach ihrem Berufswunsch fragen: Taxifahrer”, sagt Lendzian. “Viele von ihnen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben, welche beruflichen Chancen ihnen offenstehen.”

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Quelle: wir-zusammen.de

Als ersten Schritt lud Adidas in Zusammenarbeit mit der “Sternenstaub-Stiftung” deshalb vor Kurzem eine Gruppe jugendlicher Flüchtlinge in die Konzernzentrale ein. “Wir wollen junge Menschen, die nach Deutschland kommen, motivieren, einen guten Bildungsabschluss anzustreben und so ihre Chancen auf einen guten Job zu erhöhen”, sagt Lendzian.

Außerdem vergibt der Sportartikelhersteller in diesem Jahr 30 Praktikumsplätze an Flüchtlinge. Es stünden bereits Bewerber in den Startlöchern, allerdings seien noch bürokratische Hürden zu überwinden, sagt Lendzian bedauernd.

Erste Praktikanten fangen voraussichtlich im Juni an

Sie ist aber zuversichtlich, dass die 30 Kandidaten in diesem Jahr alle noch ihr Praktikum antreten können. “Der Vorteil ist, dass die Bewerber bei uns nur Englisch- und keine Deutschkenntnisse nachweisen müssen wie in anderen Betrieben”, erklärt die Adidas-Mitarbeiterin im Gespräch mit der Huffington Post.

“Wir haben Anwärter für alle möglichen verschiedenen Abteilungen", sagt Lendzian. “Ein junger Mann wird zum Beispiel bei unseren Designern mitarbeiten. Hoffentlich schon ab 1. Juni. Andere Praktikumsstellen haben wir in den Retail Stores und im Lager.”


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!


Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.


Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.


Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.


Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.


Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

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