Huffpost Germany

So viel Prozent des Strombedarfs wurden noch nie mit erneuerbaren Energien gedeckt - doch es gibt einen Haken

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BRAUNKOHLEKRAFTWERK
So viel Prozent des Strombedarfs wurden noch nie mit erneuerbaren Energien gedeckt - doch es gibt einen Haken | Volker Hartmann via Getty Images
Drucken
  • Am Sonntag hat Deutschland einen Energiewende-Rekord aufgestellt
  • Erstmals wurden 87,6 Prozent des Strombedarfs mit erneuerbaren Energien gedeckt
  • Doch es gibt einen Haken

Der wolkenlose Himmel und Temperaturen von über 25 Grad trieben am Wochenende viele Deutsche ins Grüne oder zur nächsten Eisdiele. Doch das sommerliche Wochenende war nicht nur für die Bürger ein Event, sondern auch für die Energiewelt.

Nach aktuellen Prognosen wurden erstmals satte 87,6 Prozent des Strombedarfs mit erneuerbaren Energien gedeckt. Das belegt die in der Branche anerkannte Datenbank "Agorameter", die sich aus offiziellen Datenquellen speist und diese übersichtlich auswertet.

Zunächst war sogar von 95 Prozent die Rede, die am 8. Mai aus erneuerbaren Energien kamen. Weil einige Zahlen nachgereicht wurden, musste der Wert allerdings nach unten korrigiert werden. "Ein Rekord wäre es aber trotzdem", sagt Christoph Podewils, Pressesprecher des Thinktanks "Agora Energiewende", gegenüber der Huffington Post.

Powerkombination aus Sonne und Wind

Warum ausgerechnet am 8. Mai dieser Rekord aufgestellt wurde, erklärt sich aus den Wetterumständen: "Die Kombination aus viel Wind und viel Sonne gibt es nicht so oft", so Podewils. So konnte gleichzeitig viel Solar- und Windenergie gewonnen werden.

Hinzu kam ein geringer Stromverbrauch, der jedoch trotzdem noch höher war als an üblichen Sonntagen. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch wäre sogar eine Deckung von 100 Prozent durch erneuerbare Energien möglich gewesen, glaubt der Agora-Sprecher.

renewable energy

Der Haken: negativer Strompreis wegen Überproduktion

Doch der Rekord hat auch einen Haken: Während sehr viel Strom aus erneuerbarer Energie erzeugt wurde, wurde die Produktion der herkömmlichen Energiegewinnung durch Kraftwerke nicht heruntergefahren. Dadurch kam es zu einer Überproduktion und der Strompreis sank ins Negative.

Wer seinen Strom also an der Börse loswerden wollte, musste 130 Euro pro Megawattstunde draufzahlen anstatt damit einen Gewinn zu machen. Der Ottonormalverbraucher profitiert von dem billigen Strom allerdings nicht, da er einen Festpreis zahlt - nur sehr große Verbraucher aus der Industrie können spontan je nach Preis direkt bei der Börse einkaufen.

Schuld sollen unflexible Kraftwerke sein

"Der Negativpreis bedeutet ein Marktversagen", sagt Lars Waldmann, Pressesprecher des Bundesverbandes für Erneuerbare Energien, der Huffington Post. Das Problem liege bei alten Kohle- und Atomkraftwerken.

Windkraftbetreiber stellen bei solchen Verhältnissen spontan ihre Anlagen ab, wenn sich der Verkauf nicht rentiert. Doch die herkömmlichen Kraftwerke können nicht so flexibel reagieren.

Um ein Braunkohlekraftwerk nach dem Abschalten wieder hochzufahren, dauert es ganze zwei Tage. Und ein Atomkraftwerk aus- und wieder einzuschalten, würde einen großen bürokratischen Aufwand bedeuten, da die zuständigen Behörden erst zustimmen müssten.

Die technischen Möglichkeiten stehen also der Spontanität vom Wetter im Weg, das mit den erneuerbaren Energien den Markt beeinflusst. "Alte unflexible Braunkohlekraftwerke und erneuerbare Energien passen nicht zusammen", folgert Patrick Graichen, Geschäftsführer von "Agora".

braunkohlekraftwerk

Weil kurzfristige Lösungen schwer umsetzbar sind, sieht Podewils den langfristigen Ausstieg aus der Kohleenergie als besten Weg, um ein erneutes Marktversagen zu verhindern. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will in den nächsten Jahren zwar mehrere Braunkohlekraftwerke wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes stilllegen - gleichzeitig sollen sie aber auch laut einer Erklärung der Bundesregierung die Engpässe durch den Atomausstieg auffangen.

So könnte es schon am Pfingstwochende zum erneuten Marktversagen kommen, prognostiziert Waldmann vom Bundesverband für Erneuerbare Energie. Wenn zusätzlich zum vorausgesagten starken Wind die Sonne scheint, wäre wohl erneut zu viel Strom im System.

Energiegewinnung hat sich seit 2012 sehr verändert

Doch immerhin habe man aus der letzten Krise 2012 gelernt: An Weihnachten vor dreieinhalb Jahren waren die Preise noch wesentlich negativer als am letzten Sonntag - damals bei nur 50 Prozent erneuerbarer Energien. Seitdem habe sich das System schon wesentlich verbessert, so Podewils. An Sonn- und Feiertagen wird die Energieproduktion von Kraftwerken zurückgefahren - aber eben bei gutem Wetter und starkem Wind noch nicht genug.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung




Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.


Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.


Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.


In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.


Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

Auch auf HuffPost:

Schwuler Heiratsantrag in einer US-Kirche: So reagiert die Gemeinde

(lk)