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Sie wurde als Kind missbraucht - 15 Jahre später geht sie den drastischsten aller Schritte

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Sie wurde als Kind missbraucht - 15 Jahre später geht sie den drastischten aller Schritte | lekcej via Getty Images
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Als sie fünf Jahre alt war, fing es an. Und es hörte nicht auf, bis sie 15 Jahre alt war. Solange wurde sie sexuell missbraucht. Die psychischen Schäden, die sie davon trug, waren schwer - und für sie irreparabel. Sie litt an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Zwei Jahre war sie in Therapie und entschied dann doch, dass ihr Leben mit Mitte Zwanzig keinen Sinn mehr hatte. Sie bat ihren Ärzte, ihr eine tödliche Spritze zu verabreichen - im vergangenen Jahr beging sie dadurch Selbstmord.

Denn die Frau, deren Namen nicht bekannt ist, lebte in den Niederlanden, wo aktive Sterbehilfe erlaubt ist. Der Fall der jungen Frau wurde im letzten Monat in einem Bericht der Regionalen Prüfungskommission für Euthanasie veröffentlicht.

Sie litt an einer schweren Depression

Sie hatte bereits mit Anfang 20 einen Antrag auf Euthanasie eingereicht, da sie unter einer schweren Depression litt, die sich mitunter auch in einer Magersucht äußerte. Die junge Frau musste künstlich ernährt werden und hatte schwere Verdauungsprobleme, sodass sie einen Katheter tragen musste. Außerdem litt sie an einer Niereninsuffizienz, wie aus dem Bericht hervorgeht.

Nachdem die auf Pflege angewiesene Frau den Wunsch zu sterben geäußert hatte, wurde sie von mehreren Ärzten untersucht, außerdem wurde ein Experte für Trauma-Therapie eingesetzt. Vorübergehend soll sich ihr Zustand gebessert haben, doch nach zwei Jahren in Behandlung sah der Psychiater keine weitere Verbesserung.

Andere medizinische Spezialisten stimmten ihm zu und bescheinigten der Frau die Fähigkeit, Entscheidungen alleine treffen zu können. Die Prüfungskommission stellte fest, dass es tatsächlich keine "andere vernünftige Alternative" gegeben hätte, also wurde der Frau der Tod gewährt.

Britische Politiker erzürnt

In den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe seit 2002 erlaubt. 2015 nahmen über 5000 Menschen Euthanasie in Anspruch, um sich das Leben zu nehmen. Der Fall der psychisch kranken Frau schlug vor allem in Großbritannien hohe Wellen, wo erst im letzten Jahr das Parlament diskutierte, ob aktive Sterbehilfe erlaubt sein sollte. Der Gesetzesentwurf wurde von der Mehrheit der Parlamentarier abgelehnt.

Robert Flello, Abgeordneter der Labour-Partei, bezeichnete das Vorgehen im Falle der depressiven Frau als "abscheulich". Es sende die Botschaft, dass Opfer von sexueller Gewalt noch einmal zusätzlich mit dem Tod bestraft würden.

"Dieser tragische Fall zeigt, warum Euthanasie niemals legalisiert werden sollte. Was diese Frau brauchte, die an einem verzweifelten Punkt angekommen war, waren Hilfe und Unterstützung, um ihre Probleme zu lösen, nicht die Option auf Sterbehilfe", sagte die Tory-Abgeordnete Fiona Bruce, wie Daily Mail berichtet.

Deutschland stimmte zuletzt im November 2015 über einen Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe ab - und stimmte für ein Verbot der gewerbsmäßigen Suizidbeihilfe.

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(gw)