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Geheimpapier offenbart: Die Griechenland-Rettung könnte noch teurer werden als befürchtet

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  • Laut einem Papier könnte die Griechen-Rettung deutlich teurer für die EU-Staaten werden
  • Im Schuldenstreit wird derweil wieder die Zeit knapp: Bis Juni muss Athen liefern

Der EU könnte ein heißer Sommer bevorstehen: Die ungelöste Flüchtlingsfrage, das wacklige Türkei-Abkommen, die Abstimmung über einen möglichen Brexit - die Zeichen in Brüssel stehen auf Streit.

Dabei könnte ein ganz anderes Thema dafür sorgen, dass Europa in den kommenden Monaten ins politische Chaos rutscht: Die Griechenland-Krise. Denn die Debatte um eine weitere Schuldenerleichterung für Athen könnte jetzt erneut zu einer Diskussion um die gerechte Lastenverteilung der EU-Staaten führen. Der Grund: Die Griechen-Rettung könnte um einiges teurer werden als bislang angenommen.

Euro-Krisenfonds-Chef legt umstrittenes Papier vor

Nach Informationen der "Welt" existiert ein Papier, das Klaus Regling, Chef des Euro-Krisenfonds ESM, in die Beratungen der Euro-Finanzminister in Brüssel mitgebracht hatte.

Der Deutsche liste darin mögliche Wege auf, die griechische Schuldenlast zu reduzieren. Auf den zwei Seiten, aus denen die "Welt" zitiert, beschreibt er mehrere Optionen. Dabei gehe es um Dinge wie die Streckung von Kreditlaufzeiten und die Deckelung möglicher Zinssteigerungen.

Ein Vorschlag aus dem Dokument dürfte jedoch für Unmut bei vielen EU-Mitgliedsstaaten sorgen. Es geht laut "Welt" um die Möglichkeit, wonach die Euro-Partner zumindest einen Teil der griechischen Verbindlichkeiten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ablösen.

Griechenland könnte eine Menge Geld sparen

Hintergrund: Athen zahlt für ältere IWF-Kredite Zinsen in Höhe von 3,5 Prozent. Beim Euro-Krisenfonds ESM sind Darlehen jedoch günstiger zu haben - mit Zinsen von unter einem Prozent. Im Klartext heißt das: Griechenland könnte eine Menge Geld sparen.

Reglings Vorschlag dürfte auch in Deutschland auf heftige Kritik stoßen, denn er würde laut "Welt" bedeuten, dass sich die internationale Lastenteilung am griechischen Rettungsprogramm verändert: Deutschland und seine EU-Partner müssten so noch mehr für Athens Schulden einstehen als bisher. Profitieren würde hingegen der IWF - ihn würden weniger Lasten erwarten.

"Das halte ich schlichtweg für abenteuerlich"

Im politischen Berlin scheinen sich die Gegner der Idee bereits zu formieren. Das Blatt berichtet, dass Unionsabgeordnete im Bundestag darauf bestehen, dass der IWF bei der Griechenland-Rettung auch in Zukunft eine gewichtige finanzielle Rolle spielen soll.

"Die Vorstellung, dass der ESM die Verpflichtungen des IWF übernimmt, um damit den IWF letztendlich wieder ins Boot zu holen, halte ich schlichtweg für abenteuerlich", zitiert das Blatt sagt Markus Ferber, CSU-Finanzexperte im Europäischen Parlament.

Im griechischen Schuldendrama wird derweil wieder einmal die Zeit knapp. Im Juli muss Athen zusammen 3,67 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF), die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Gläubiger zurückzahlen. Das Geld fehlt derzeit aber in den Staatskassen.

Die Euro-Finanzminister zogen am Montag eine Bilanz der schwierigen Verhandlungen über Spar- und Reformauflagen. Diese sind Voraussetzung für das Auszahlen dringend benötigter Hilfen aus dem Eurorettungsschirm ESM. Das Parlament in Athen hatte in der Nacht zuvor einen großen Teil des Sparpakets mit knapper Mehrheit gebilligt.

Wie steht Deutschland zum Thema Schulden?

  • Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) meinte zuletzt, dass Schuldenmaßnahmen für die nächsten Jahre gar nicht notwendig seien. Mehrere Eurostaaten - darunter auch Deutschland - wollen den IWF beim dritten Griechenland-Programm von bis zu 86 Milliarden Euro aber finanziell an Bord haben. Daher muss ein Kompromiss gefunden werden. Für die Auszahlung der nächsten Tranche ist die Schulden-Frage aber nicht ausschlaggebend.

Ist die Lage mit 2015 vergleichbar?

  • Nein - jedenfalls noch nicht. Die Eskalation war damals beispiellos, buchstäblich in letzter Minute retteten die europäischen Partner Athen vor der drohenden Staatspleite. «Wir werden dieses Jahr keine große Griechenland-Krise kriegen», prognostizierte Schäuble in der zurückliegenden Woche. Doch falls neue Hilfszahlungen in Höhe von mindestens 5,4 Milliarden Euro bis zum Sommer ausbleiben, könnte sich die Lage laut Experten rasch zuspitzen.

Bis Juli ist ja eigentlich noch Zeit - warum tickt denn die Uhr?

  • Selbst nach einer endgültigen Einigung zwischen den Geldgebern und Griechenlands Regierung dürften noch mindestens vier Wochen vergehen, bevor neues Geld fließen kann. In mehreren Euroländern, auch in Deutschland, müssen nationale Parlamente zur Billigung eingeschaltet werden.

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