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Pubertät - Wenn Erziehen nicht mehr geht

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Warum eure Kinder lieber frustriert vor dem Fernseher sitzen als rauszugehen | STUDIO BOX via Getty Images
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Ein Interview mit Familientherapeuten Jesper Jull zu Computer und Medien. Dabei sind Mutter, Vater, Tochter (17) und Sohn (13).

Juul: So, jetzt bin ich gespannt.

Mutter: Ja, vieles von unseren Themen ist schon besprochen worden. Wir haben schon ein großes Thema, was mich sehr betrifft, das sind die Medien in der Familie. Ich habe einen sehr medienbegeisterten Sohn, was ich, muss ich ehrlich sagen, schwer nachvollziehen kann, denn ich arbeite mit dem PC, ich schaue wenig fern, aber mir fehlt das auch nicht. Ich kann das mit diesen Computerspielen schwer verstehen.

Derzeit haben wir das Thema eigener Fernseher im Zimmer oder nicht. Und ich merke, ich habe heute schon gut aufgepasst, ich merke schon so, dass ich ihn auf der einen Seite gut unterstützen und ihn verstehen kann und das auch erlauben kann, weil ich aus meiner eigenen Kindheit weiß, dass es nicht gut ist, wenn etwas total verboten wird.

Auf der anderen Seite habe ich ein Werteproblem damit. Wie viel ist gut, kann er seinen Medienkonsum wirklich schon eigenhändig regeln, weiß er, wann genug ist? Ich möchte nicht den ganzen Nachmittag in seinem Zimmer sitzen müssen, um es zu kontrollieren. Genauso natürlich mit dem Computer. Das ist jetzt so das Thema.

Juul: Wenn du über einen Wertekonflikt oder ein Werteproblem redest, was heißt das: Was sind deine Werte?

Mutter: Wenn ich ganz ehrlich bin, ist tief in mir drinnen: zu viel ist schlecht. Da ist eine Stimme in mir: zu viel ist für die Kinder schlecht. Ich möchte ihn da vor etwas schützen, gerade vor gewaltsamen Computerspielen zum Beispiel oder Fernsehsendungen, wo ich denke, das ist nicht gut für ihn.

Juul: Und gut heißt?

Mutter: Das beeinflusst ihn nicht günstig, ist für seine Entwicklung nicht gut.

Juul: Und das heißt?

Mutter: Ja, was heißt das? ... Schwierig. Kann er damit umgehen, kann er diese Computerspiele, die oft sehr gewaltsam sind - überträgt er das dann nicht in sein Leben? Irgendwann mal?

Juul (zum Sohn): Kannst du deiner Mutter die Frage kurz beantworten?

Sohn (13): Ich denke, dass es jetzt nicht so schlimm ist, denn ich mache ja zum Beispiel noch Sport oder treffe mich mit Freunden oder so. Ich sitze ja auch nicht den ganzen Tag davor, ich muss ja auch noch ein bisschen Schule machen. Deshalb denke ich, dass es nicht so problematisch ist. Weil ich gerne noch andere Sachen mache.

Juul: Was denkst du darüber?

Mutter: Das ist gut so, ja.

Juul: Aber?

Mutter: Manchmal ist es mir trotzdem zu viel (lacht).

Juul: Deswegen frage ich.

Mutter: Aha.

Juul: Denn eine Aussage ist: »Manchmal ist es mir zu viel«, und eine andere ist: »Manchmal ist es dir zu viel«.

Mutter: Ihm, zu viel?

Juul: Ja, denn dass es dir zu viel ist, das ist ja nicht wichtig. Oder anders gesagt, das hat nichts mit seiner Entwicklung zu tun. (Zum Vater) Mittlerweile möchte ich gerne hören: Was meinst
du dazu?

Vater: Ich sehe es von den Werten her ein bisschen anders, also: »Fernsehen ist schlecht«, überspitzt formuliert, persönlich sehe ich das nicht so. Wir beide (Sohn/Vater) kommen oft in eine Unterhaltung rein, die eher über die Qualität des Fernsehens geht. Was mich persönlich am meisten stört, das sind diese absolut niveaulosen Sendungen, wo man sagt, da gewöhnst du dir einfach irgendwas an, was ich nicht mittragen möchte. Das ist die eine Geschichte.

Die andere Geschichte ist, dass ich sehr oft mitkriege - beim Fernsehen jetzt weniger, eher wenn er so vorm PC sitzt -, er sagt ursprünglich, er geht jetzt runter und spielt ein bisschen, um sich zu erholen, und kommt dann entweder total frustriert oder total geladen vom PC weg. Da merke ich halt, das ist irgendwas, was ihm zumindest in dem Moment nicht gut tut.

Juul: Erkennst du dich wieder in diesem Bild?

Sohn: Ja, manchmal schon, aber ich würde sagen, es kommt halt nicht so häufig vor, das ist eher weniger problematisch.

Juul: Ok.

Vater: Was mir noch eingefallen ist: Also für mich ist auch ein Knackpunkt, wenn niemand da ist, der ihn an bestimmte Sachen erinnert, dass dann halt alles Mögliche liegenbleibt, was er eigentlich machen sollte. Was er also im Normalfall, wenn ich jetzt da wäre, auch machen würde, aber weil gerade keiner da ist, ist die Verlockung des PCs oder des Fernsehers höher, und dann passiert beiden (Sohn/Tochter), dass sie alles liegenlassen und sich dann lieber vor den Fernseher setzen und sich da berieseln lassen.

Juul: Weißt du, wann sich das ändert?

Vater: Wissen tue ich es nicht, wissen tue ich es nur dann, wenn ich lange genug zuschaue. Ich hab so eine Ahnung, die ich vielleicht tief in mir drin gar nicht wahrhaben will. Wenn sie aus ihrer Sicht genug fernsehen dürften, dann würden sie es nicht dann tun, wenn sie es nicht »sollen«. Das ist sicher eine Komponente, die da mit reinspielt.

Juul: Das hört auf, wenn wir alle Glück haben, wenn die beiden selber Eltern werden, dann hört es auf. Früher nicht. Ich verstehe diese Überlegungen, das ist ja alles neu, die Experten können sich nicht einigen untereinander. Ich hab keine Ahnung, was ist genug, was ist zu viel. Was ich weiß, ist Folgendes: Es gibt immer Phänomene, die für einige Jugendliche gefährlich sind, also man experimentiert, man geht damit um und wird entweder Opfer oder nicht.

Das kommt nicht darauf an, ob es Computerspiele oder Fernsehen oder Drogen oder Alkohol oder Sex ist. Das kommt darauf an, was in der Entwicklung der Kinder die ersten acht bis zehn Jahre passiert ist. Worüber wir jetzt reden ist eigentlich: Ist es möglich, dass unsere Kinder von unseren Erfahrungen lernen können? Und das ist, soweit ich weiß, nicht möglich.

Vater: In dem Bereich auf jeden Fall nicht, denn mit Fernsehen hätten wir vielleicht Erfahrung, aber auch nicht in der Menge, wie es das heute gibt. Und beim PC muss ich sagen, ich kenne das Gängige, aber mit dem Ding spielen - über Kartenspielen am PC bin ich nie rausgekommen. Die Erfahrungen muss er selber machen, deswegen ist es wahrscheinlich auch so, dass wir eher in der ängstlich beobachtenden Stellung sitzen: Was passiert da jetzt?

Juul: Eins will ich zuerst sagen: Jetzt gibt es Regeln. Und eure beiden Kinder kooperieren damit, das heißt mehr oder weniger folgen beide den Regeln. Im Moment gibt es also eigentlich keinen Grund zur Änderung. Wenn die beiden nicht mehr mit machen und es jeden Tag oder drei Mal pro Woche zu einem großen Konflikt kommt - also zu dem, was ich destruktive Konflikte nenne, d.h. Konflikte, die sich immer häufiger wiederholen, über dasselbe Thema und mit einem zunehmend negativen Ton von beiden Seiten -, dann muss man was ändern.

Im Moment können wir sagen: Jetzt haben die beiden Eltern Regeln oder eine Regelsammlung gemacht, und die beiden Kinder kooperieren damit, so, jetzt geht es. Das muss man nicht ändern. Aber es kommt auch ein Zeitpunkt, wo man als Jugendlicher eine sehr schwierige Wahl hat, denn dann muss man wählen: »Will ich für immer gehorsam sein oder muss ich für meine Mutter lügen?« Und ich glaube, dieser Zeitpunkt kommt näher und näher. Das ist für uns Eltern sehr wichtig: Was wollen wir eigentlich? Wollen wir, dass unsere Kinder lügen?

Es gibt nur eine Erklärung, wenn Kinder lügen, und das ist, wenn sie wissen oder spüren: »Meine Eltern schaffen es nicht, mit der Wahrheit umzugehen, dann lüge ich! Die Eltern geraten in Panik oder Depression, es kommt zu Tränen oder Streit, wenn ich es sage, besser sage ich nichts.« Dann kann man sich daran gewöhnen, dass manchmal die »Polizei« vorbeikommt und sagt: »Aha, jetzt hast du es wieder gemacht«, und dann sagt man: »Ups, Entschuldigung, das war nicht meine Absicht.« Das wird unangenehm für ein paar Stunden, aber dann geht es vorüber. Ich glaube, dass wir als Eltern eine andere und vielleicht auch wichtigere Rolle spielen können.

Wir kennen ja unsere Kinder, d.h. wir merken ganz schnell, geht's ihnen gut oder geht's ihnen nicht gut. Wie geht's mit diesem Lehrer, wie geht's mit diesen Freunden, wie geht's mit diesem Urlaub? Manchmal ist unser Eindruck auch komplett falsch, aber wir beschäftigen uns damit, und das glaube ich, ist wichtig. Denn man muss als Jugendlicher, man muss ganz früh, ganz oft persönlich wählen: Was will ich, was will ich nicht? Will ich jetzt die ganze Nacht Computerspiele spielen oder will ich jetzt Schulaufgaben machen?

Das heißt, man kann nicht nur moralisch Ja oder Nein sagen, man muss auch seine eigenen Erfahrungen machen. Wenn man seine Erfahrungen macht und schlechte Erfahrungen macht, dann braucht es bei den Eltern eine Bereitschaft, dass man hinkommen und darüber reden kann. Damit man diese schlechten Erfahrungen usw. bearbeiten kann.

Das, glaube ich, ist eine sehr wichtige Rolle, und wenn man bloß Verbote oder Regeln aufstellt und die nicht mehr funktionieren, dann sind die Möglichkeiten für Dialog auch nicht mehr da. Dann wird es so: »Warst du gestern kriminell oder nicht?« Dann reden wir darüber, was Eltern und Pädagogen Konsequenzen nennen - das ist ja ein sehr nettes Wort für Bestrafung. Und das wird ganz schnell ein Teufelskreis.

Es gibt Eltern, ganz oft Väter, die auch gerne Computerspiele spielen, und da kann man sich mit seinem Kind hinsetzen, spielen oder untersuchen: Was ist das eigentlich und was macht das mit mir? Wenn man Zeit und Lust hat, kann man das tun. Wenn man keine Lust hat, dann muss der Jugendliche selber beurteilen, was geht und was geht nicht. Furchtbar ist, was die letzten 20 Jahre passiert ist. Jugendliche heute führen weniger und weniger ein Doppelleben. Als ich 14 Jahre war, da hätte ich nicht überleben können ohne ein Doppelleben. Einen Teil von meinem Leben kannten meine Eltern, und von dem wichtigsten Teil wussten sie überhaupt nichts.

Mutter: Das kenne ich. Das stimmt, ja.

Juul: Und jetzt gibt es in vielen Familien, Gott sei Dank, eine ganz andere Atmosphäre, es gibt ganz andere Möglichkeiten, es gibt sehr viel mehr sinnvolle Gespräche und Diskussionen usw. Und das bedeutet ja auch, dass die Jugendlichen kommen, und die sagen was, und die wollen was, und die machen was, worauf wir überhaupt keine Antwort haben. Es ist nicht über Generationen eingeübt, was man sagt. Wenn ein junges Mädchen das erste Mal verliebt ist, dann wissen wir genau, was zu sagen ist. Dann können wir es entweder sagen oder nicht, aber es kommt, das ist eine alte Geschichte.

Aber hier kommen die Jugendlichen und sagen: »Wir wollen das eigentlich gerne innerhalb unserer Gemeinschaft machen können und nicht draußen und nicht darüber lügen müssen usw. Geht das?« Das ist schwierig, das ist neu in eurer Generation von Eltern, ihr seid ja alle Pioniere! Wie verhält man sich? Was kann man sagen?

Man sollte in einer Familie, wo es grundsätzlich eine gute Atmosphäre gibt, nicht unterschätzen, wie wichtig es für die Kinder ist, Eltern zu haben, wenn man Schwierigkeiten hat. Du kannst das ganz gut verbalisieren und sagen: »Was ist für mich schwierig«, das wissen die beiden Kinder, das macht einen Eindruck, das vergessen sie nicht morgen, und du musst es eigentlich nicht immer wiederholen. Ich weiß nicht, ob du das machst, aber ...

Mutter: Ja, doch.

Juul: Aber man muss es nicht immer sagen, denn die wissen das und es ist ein wichtiger Faktor in den Entscheidungen, die sie treffen. »Also, ich entscheide mich jetzt dafür«, das heißt auch: »Also, ich entscheide mich jetzt gegen meine Mutter«, und das ist nicht einfach, auch ohne sogenannte Konsequenzen usw. ist es nicht einfach.

Ich würde als Mutter oder Vater meine Beziehung zu meinen Kindern beobachten und beurteilen und sagen: »Fühle ich mich mit meiner Beziehung zu meinem Sohn sicher, fühle ich mich gut, haben wir eine gute Kommunikation, können wir auch zusammen schweigen?« usw., und wenn das grundsätzlich gut ist, dann kann ja alles passieren, auch Furchtbares.

Es gibt kaum einen Menschen so zwischen 14 und 19, dem nicht irgendwas Furchtbares passiert. Man trinkt zu viel, man schläft mit den Falschen, man hat gute Freunde, die sind überhaupt nicht freundlich usw. Das kommt alles, und da können wir als Eltern nur empathische Zuschauer werden.

Mutter: Ja.

Wir können dafür sorgen, dass wir da sind, dass wir bereit sind, um diese Beobachtungen zu machen. Vor 20 Jahren, als die ersten dieser Blut-Videos kamen, also wirklich furchtbare, da hatten wir eine Gruppe von Jugendlichen, ganz junge Teenager, zehn, elf, zwölf, die kamen jeden Tag zusammen und haben stundenlang diese Videos geguckt.

Mit denen habe ich vereinbart: »Ich bin jetzt bei eurer Stadt angestellt. Die mögen das nicht, dass ihr das macht. Ich will das nicht mit euch diskutieren, aber tut mir einen Gefallen: Ich kann persönlich diese Videos nicht sehen, das geht für mich nicht, deshalb brauche ich eure Hilfe. Es gibt bei uns solche Entspannungspädagogen, d.h. Leute, die sehr viel über Stress und Körper usw. wissen.«

Und dabei haben die Jugendlichen mitgemacht. Ich glaube, zehnmal haben die Entspannungspädagogen mit den Jugendlichen eine halbe Stunde Übungen gemacht, und anschließend haben sie alleine diese Videos geguckt. Langsam, innerhalb von drei Monaten, hat es aufgehört, denn die Jugendlichen konnten körperlich merken: »Das verspannt mich total, wenn ich die angucke, und das will ich nicht.«

Aber das muss man selber merken können und man muss seine eigene Erfahrung machen. Und wir können, als Eltern oder Lehrer etc., diesen Erkenntnisprozess sehr stören, wenn wir mit unserer Besserwisserei kommen, weil es dann unmöglich wird zu lernen. Denn dann stören die Alten immer, und dann muss man sich gegen die verteidigen, und dabei kann man nicht lernen. Ich sage nicht, dass es eine einfache Antwort gibt, aber ich glaube, die Wünsche, die Bedürfnisse, die Ambitionen der meisten Eltern sind: Wir wollen eine gute Beziehung haben, wir wollen mit den Jugendlichen in Kontakt bleiben, wir wollen die Beziehungen weiterbauen über die Jahre. Das, glaube ich, ist das Wichtigste.

Dann kommen diese Details, die sind auch wichtig. Gehen wir zu einem Detail, bei dem es gesicherte Erkenntnisse gibt: Ist Heroin gefährlich? Ja, es ist gefährlich. Das kann man sagen, wenn sie fragen. Und sagen: »Wisst ihr das?« - »Ja, das wissen wir.« Und dann hoffentlich ... Aber man kann nichts tun, dass sie nicht in Kontakt mit solchen Dingen haben, das geht nicht. Wie euer Sohn sagt: »Ich weiß ganz genau, welche Sorgen sich Erwachsene machen und welche Fantasien die über unsere Spiele haben, dass wir uns isolieren, einsam werden, kein soziales Leben haben, unser Körper kann sich nicht entwickeln usw.«

Das weiß er alles und kann das beantworten. Das heißt, wenn er plötzlich damit aufhört, Freunde zu sehen und Sport zu machen usw., dann braucht er wahrscheinlich kurz seine Eltern, um ihm zu sagen: »Jetzt wird's gefährlich« oder: »Wie wir das sehen, hast du damit aufgehört, das macht uns unruhig.«

Mutter: Gut, ja.

Juul: Was Kleinkinder angeht, wissen Eltern so viel und haben so viele Ideen: Was ist gut für Kinder, und was ist richtig, was muss man machen. Die armen Kinder können sich nicht entfalten, die müssen immer ihren Eltern dienen und sagen: »Ich mache mit, ich mache mit, ich mache mit, ich esse richtig, ich entwickle mich richtig ...« Die Eltern wollen alles drei Jahre früher als überhaupt möglich, das geht nicht.

Wir haben zu viele Projekte. Ich hab Glück gehabt: Als mein Sohn 14 Jahre alt war, ist er 25 Kilometer von uns zu Hause in die Schule gegangen, in einer Großstadt. Wenn er mit seinen Freunden ausgehen wollte, Videos gucken, ins Kino, feiern, dann war er nie zu Hause. Er hat immer bei jemand anders gewohnt, und das war für ihn wunderbar und, ehrlich gesagt, für uns Eltern auch wunderbar. (Lachen)

Wir sollten und mussten nicht alles wissen. Ich selbst bin als Seemann zur See gefahren, und hätte meine Mutter beobachten können, was ich zwischen 15 und 17 Jahren alles gemacht habe, dann hätte sie sich mehrmals umgebracht, das ist ganz sicher, und ich war froh, dass sie nicht mit auf dem Schiff war. (Lachen)

Es ist deutlich, was ihr beide denkt, was euch wichtig ist, und das wissen eure beiden Kinder. Wenn euer Sohn kommt und sagt »Jetzt habe ich so gut wie möglich zwei Jahre lang mit diesen Regeln kooperiert, jetzt möchte ich gerne ein bisschen mehr Flexibilität haben«, dann könnt ihr entweder Ja oder Nein sagen. Und dann muss er machen, was er will. Oder aber man muss ein Gefängnis ohne Computer einrichten. Aber selbst Mörder haben heute Computer in der Zelle. Jetzt möchte ich wissen, was ihr beide darüber denkt. Jetzt habe ich ja lange geredet.

Mutter: Das ermutigt mich sehr, was du da sagst. Denn es ist ja beides in meinem Kopf, aber es ist natürlich auch diese Stimme so von schulischer Seite und von den Wissenschaftlern, Gehirnforschern, die eben diesen Gegenpart sagen. Aber ich möchte auf meine Kinder eingehen und deswegen ermutigt mich das schon, ihnen da Vertrauen entgegenzubringen.

Juul: Über die Gehirnforscher möchte ich sagen, da sind wir teilweise korrumpiert. Es gibt heute tausende Jugendliche und junge Erwachsene mit Tinnitus, das kommt von MP3-Playern, I-Pods usw., darüber redet fast niemand.

Aber diese Computerspiele sind so, so, so, so gefährlich! Seelisch gefährlich. Ich meine, bei den MP3-Playern haben wir Beweise, für die seelischen Auswirkungen von Computerspielen haben wir keine. Es gibt Untersuchungen, die sagen, wenn man immer fernsieht mit Gewalt, mit Krieg usw. dann wird es irgendwie einfacher für Kinder und Jugendliche, ihre eigenen Aggressionen loszulassen. Das, glaube ich, ist richtig. Es kommt auf das Selbstgefühl der Kinder an, es kommt auf die Stabilität im Elternhaus an und auf die sozialen Bedingungen. Wenn die alle ok sind, dann ist die Gefahr minimal. (Zu den Jugendlichen) Wollt ihr etwas sagen zum Schluss?

Tochter: Ich denke schon, dass dieser Drang vielleicht auch aufhören würde, wenn wir selber Verantwortung übernehmen. So wie es ist, ist es ok, und ich denke, wir sind nicht so gefährdet, dass uns was passieren würde, weil wir beide unser eigenes anderes Leben haben und das ist ... (Pause)

Mutter: ... schön. - Danke schön.

Juul: Ja, genau.

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Pubertät - Wenn Erziehen nicht mehr geht von Jesper Juul.

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