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Die Angst vor der Wahrheit bedroht Deutschland

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ANGST WAHRHEIT
Angst vor der Wahrheit: Wie Lügen Deutschland zerfressen | dpa
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Viele Menschen in Deutschland sehnen sich nach Wahrheit. Allerdings ist sie schwer zu finden. Jeder beansprucht sie für sich. Und immer wieder drängt sich dieses unbestimmbare Gefühl auf, dass wir von allen Seiten belogen werden.

Der Schriftsteller George Orwell hat das einst in Worte gefasst, die heute noch erschreckend aktuell sind. Er sagte:

"Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen."

Ist es ein Wunder, dass immer mehr Menschen zweifeln? Wir lachen über Bürger, die sich in Verschwörungstheorien flüchten. Aber haben wir das nicht selbst heraufbeschworen? Wenn die Wahrheit so schwer zu fassen ist, kann die Suche danach schon mal ins Nichts führen.

Kein Politiker schämt sich für seine Lügen

Politiker und Behörden haben es zum System gemacht, nie mehr Informationen herauszugeben als nötig. Damit will ich nicht unterstellen, dass alle Politiker lügen. Das wäre Schwachsinn.

Aber es scheint zumindest gängige politische Praxis zu sein, Unangenehmes erst einmal abzustreiten. Und wenn es sich hinterher doch als wahr herausstellt, schämt sich selten jemand für seine Notlüge.

Wulff, Guttenberg und Schavan mussten abtreten. Aber unzählige andere kommen mit ihren täglichen Unwahrheiten davon. "Die Rente ist sicher", sagte Norbert Blüm. Helmut Kohl verkündete, dass die Einheit nichts kosten würde. Wolfgang Schäuble versicherte in der Eurokrise: "Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."

Und entgegen aller Versprechungen droht nun auch der Flüchtlingsdeal mit der Türkei zu scheitern - genau wie es die Mehrheit der Deutschen schon vor Wochen befürchtet hatte.

Ein Klima, in dem immer mehr Menschen niemandem trauen

Wenn es jemand wagt, eine unbequeme Wahrheit auszusprechen, prallt er gegen Mauern. Das war schon so, als Galileo die Erde für rund erklärte und Darwin den Menschen zum Tier.

Niemand will hören, dass wir die Kriege und das Leid anderer Länder erschaffen haben. Durch Waffenhandel, Ausbeutung und andere miese Geschäfte.

Wer die Auswüchse des Finanzsystems kritisiert, wird als Kommunist abgekanzelt. Der Kapitalismus sei alternativlos, heißt es dann. Diskussion beendet.

Niemand will wissen, wo das Fleisch im Kühlregal herkommt. Niemand will sehen, wie Tiere in Zuchtfabriken gequält werden. Wer es ändern will, gilt als Spinner. "Aktivist" ist schon fast ein Schimpfwort. Die Lizenz, jemanden nicht mehr ernstnehmen zu müssen.

Niemand will hören, dass Frauen und gerade Mütter noch immer benachteiligt werden. Niemand mag Feministinnen.

Wer hinterfragt die Macht der Pharmakonzerne? Oder die der Lebensmittel-Monopolisten? Wieso akzeptieren wir, dass die meisten nur wenig haben und einige wenige alles?

Die Politik hat in Deutschland ein Klima kultiviert, in dem immer mehr Menschen niemandem trauen. Nur noch 44 Prozent der Deutschen vertrauen der Bundesregierung und dem Bundestag. Großen Konzernen vertrauen sogar nur 16 Prozent der Bevölkerung.

Der Trend betrifft nicht nur sozial schwache Schichten. Gerade in der gut ausgebildeten Bevölkerung steigt die Skepsis.

Viele Bürger sehen überall Betrug und Lügen. Auf der Suche nach Wahrheit entfernen sie sich immer mehr von ihr. Und geraten an zwielichtige Portale und Facebook-Seiten, weil die vorgeben, "wirklich unabhängig" zu sein.

Mut zur Wahrheit sollte kein Slogan einer extremen Partei sein, sondern ein Grundprinzip aller Politiker. Die Regierenden müssen anfangen, Fehler und Irrtümer zuzugeben. Und das nicht erst, wenn die öffentliche Empörung eskaliert.

Viel gefährlicher ist es, Wahrheiten totzuschweigen

Sie müssen anfangen, den Bürgern etwas zuzutrauen. Eine eigene Meinung zum Beispiel. Oder die Fähigkeit, auch unangenehme Wahrheiten zu ertragen. JA, eine Million Flüchtlinge bringen auch Probleme. JA, die Eurokrise lässt sich nicht so einfach lösen. JA, der Terror ist eine Gefahr für unsere Sicherheit.

Das haben wir mittlerweile alle verstanden, weil es sich nicht mehr leugnen lässt. Und wir haben diese Einsichten akzeptiert, ohne dass Anarchie und Chaos über Deutschland hereingebrochen sind. Was wäre so schlimm daran gewesen, das alles früher auszusprechen?

Viel gefährlicher ist es, Wahrheiten totzuschweigen. Das sät Misstrauen und Feindseligkeit. Es macht Probleme am Ende größer als sie sind, denn nichts ist schwerer zu ertragen als die Unwissenheit.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“ möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

(lk)