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"Hart aber fair": Dieser Streit zeigt, warum unser System kaputt ist

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HART ABER FAIR
Frank Plasbergs Runde bei "Hart aber fair" | Hart aber fair
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  • Bei "Hart aber fair" ging es um die Erbschaftssteuer
  • Juso-Chefin Uekermann prangerte soziale Ungerechtigkeit in Deutschland an

"Kaum ist man tot, lässt der Staat den Geier kreisen!", führte Frank Plasberg in das Thema des Montagabends ein. Bei "Hart aber fair" ging es um die Erbschaftssteuer: "Erbenrepublik Deutschland - wer hat, dem wird gegeben?" war der Titel der Sendung.

Hintergrund war eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2014. Das Gericht hatte verfügt, dass die Regierung bis Ende Juni dieses Jahres die Steuerprivilegien für Firmenerben überarbeiten solle.

"Wenn man reich geboren wird, bleibt man reich"

Kleinere und mittlere Unternehmen in Familienbesitz sollen bei der Besteuerung entlastet werden, um keine Arbeitsplätze zu gefährden. Großunternehmen dagegen sollen nicht verschont werden.

Ein Urteil für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland?

Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann wies auf die Bedeutung der Erbschaftssteuer für die soziale Gerechtigkeit hin. "Im Moment ist es so, wenn man arm geboren wird, bleibt man auch arm. Wenn man reich geboren wird, bleibt man reich", sagte sie.

Dazu passend: Erbschaftssteuer - Ökonom Guy Kirsch hat einen radikalen Vorschlag, um soziale Ungleichheit zu bekämpfen

Die Vererbung würde zu einer immer größeren Konzentration von Kapital bei wenigen Menschen führen. Die Reichen würden somit immer reicher. "Da muss man einfach ran, um für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen", fordert sie.

"Die ganze Welt beneidet uns um unsere Familienunternehmen"

Der CDU-Politiker Christian von Stetten wies dagegen auf die Bedeutung hin, welche Familienunternehmen für unseren Staat haben. Er will den Mittelstand schonen.

"Die ganze Welt beneidet uns um unsere großen deutschen Familienunternehmen", sagt er.

Die Erbschaftsteuer würde diese nach dem Tod eines Gründers zu stark belasten. Der US-Investor Warren Buffett würde nur darauf warten, zuzuschlagen, wenn diese Unternehmen die Steuer in Nöte geraten.

Der ehemaliger Investmentbanker Rainer Voss provozierte ihn: "Wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, Erbschaftsteuer zu bezahlen, dann soll es Pleite gehen!" Er sorgte schon mit der Forderung, eine Erbschaftssteuer von 100 Prozent einzuführen, gleich am Anfang der Sendung für einen Aufreger. Wer stirbt, soll alles dem Staat vermachen, fordert er.

"Weitergabe von Vermögen ist ein Stammeskult"

Für ihn ist die "Weitergabe von Vermögen aufgrund von Geburt" ein "Stammeskult", der nicht mehr in eine "hochtechnisierte, globalisierte Gesellschaft" passe.

Als Vertreter dieser Familienunternehmen war der Trigema-Chef Wolfgang Grupp eingeladen.
"Der Staat lebt nicht von der Erbschaftssteuer, sondern von einer funktionierenden Wirtschaft“, sagt er. "Ich hafte mit meinem gesamten Vermögen für meine Entscheidungen!", sagte er. Der Staat würde Leistungsträger wie ihn abzocken.

"Welche Leistung hat denn ein Erbe gebracht?", kommentierte Voss trocken.

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